•• Von Helga Krémer
Bei der Präsentation des Netzentwicklungsplans durch die Austrian Power Grid (APG) brachte es Österreichs Bundesminister für Wirtschaft, Energie und Tourismus Wolfgang Hattmannsdorfer auf den Punkt: „Der Netzausbau entscheidet, ob Investitionen und Arbeitsplätze zu uns kommen – oder in andere Länder abwandern. Ohne leistungsfähige Netze gibt es keine leistbare Energie, keine industrielle Transformation und keinen wettbewerbsfähigen Standort. Rund 90.000 Beschäftigungsverhältnisse werden gesichert oder geschaffen, gleichzeitig entstehen fiskalische Effekte von rund 2,8 Milliarden Euro. Der Netzausbau ist damit ein zentrales Konjunkturprogramm für Österreich.“ Der aktuelle Netzentwicklungsplan zeigt den konkreten Ausbaupfad für Österreichs Strominfrastruktur. In den kommenden zehn Jahren sollen rund zehn Milliarden Euro in den Um- und Ausbau des Netzes investiert werden. Damit wird die Grundlage geschaffen, um Versorgungssicherheit, leistbare Energie und wirtschaftliches Wachstum langfristig abzusichern.
Standortgrundlagen
Der Netzausbau ist eine zentrale Voraussetzung für die Zukunft des Standorts Österreich. Er entscheidet darüber, ob Industrie transformieren kann, ob neue Investitionen ins Land kommen und ob Österreich im internationalen Wettbewerb bestehen kann. Für ein zukunftsfittes Stromnetz brauche es laut der APG drei zentrale Voraussetzungen: Kapazität, Leistung, Anbindung.
Die Notwendigkeit des Ausbaus wird durch die aktuelle Marktentwicklung deutlich unterstrichen. Derzeit liegen Netzzugangsanfragen von über 10.000 MW aus Wind- und Photovoltaikprojekten vor, zusätzlich haben Rechenzentren einen Bedarf von rund 2.500 MW angemeldet. „Die Nachfrage zeigt klar: Investitionen folgen der Infrastruktur. Für die Industrie ist entscheidend, dass Strom in ausreichender Menge und zu einem günstigen Preis verfügbar ist. Kapazitätsstarke Leitungen sichern günstige Strompreise. Umspannwerke sind wie große Steckdosen, an die sich Industriebetriebe anschließen können. Der Netzausbau ist daher die Voraussetzung für industrielle Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit“, erklärt Gerhard Christiner, Vorstandssprecher der APG.
Leistung und Anbindung
Für ein funktionierendes Energiesystem muss Strom effizient durch ganz Österreich transportiert werden können. Insbesondere die Verbindung zwischen Ost und West ist entscheidend, um erneuerbare Energie optimal zu nutzen und Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Günstiger Strom muss auch nach Österreich gelangen können. Eine stärkere Integration in den europäischen Strommarkt – insbesondere durch die Deutschlandleitung – ist daher ein zentraler Bestandteil eines zukunftsfitten Stromsystems.
Transformation sichern
Der Netzentwicklungsplan der APG umfasst eine Vielzahl konkreter Projekte im ganzen Land. Dazu zählen unter anderem der Ausbau im Zentralraum Oberösterreich als Grundlage für die industrielle Transformation – etwa im Bereich klimaneutraler Stahlproduktion –, die Deutschlandleitung zur stärkeren Integration in den europäischen Strommarkt sowie große Netzausbaucluster im Osten Österreichs zur Integration erneuerbarer Energien.
Das größte Projekt, das sich derzeit in Planung befindet, ist der Ausbau der 380-kV-Leitung in Kärnten. Derzeit findet die Detailplanung der Trasse statt, bei der in einem intensiven Stakeholder-Prozess alle wesentlichen Akteure – u.a. Bürger, Gemeinden, Bundesländer, Sozialpartner – eingebunden sind.
Alle Projekte sorgen dafür, dass Strom künftig effizient, planbar und genau dort verfügbar ist, wo er gebraucht wird – in der Industrie, in den Regionen und bei neuen Investitionen.
Netzausbau als Motor
Die wirtschaftliche Bedeutung des Netzausbaus gehe der APG zufolge weit über den Energiesektor hinaus. Die geplanten Investitionen würden eine breite Dynamik auslösen: Rund 90.000 Beschäftigungsverhältnisse würden gesichert oder geschaffen, gleichzeitig würden fiskalische Effekte von rund 2,8 Mrd. € entstehen. Insgesamt beliefen sich die Wertschöpfungseffekte auf 6,57 Mrd. €. Der Multiplikator liege mit 1,93 weit höher als der Schnitt von 1,47. Das bedeute, dass jeder investierte Euro weitere Wertschöpfungseffekte bei den direkten Auftraggebern von 93 ct in der heimischen Wirtschaft erzeugt.
Der Netzausbau wirkt damit direkt als Konjunkturprogramm für Österreich – von der Bauwirtschaft über die Industrie bis hin zu Planung und Technologie. Ein wesentlicher Teil der Wertschöpfung bleibt im Land und stärkt nachhaltig den Wirtschaftsstandort. „Unsere Investitionen sind ein zentraler Wirtschaftsmotor: Sie sichern Beschäftigung, stärken die heimische Wertschöpfung und schaffen die Grundlage für eine erfolgreiche Energiewende“, ergänzt Marcus Karger, Finanzvorstand der APG.
EABG als Schlüssel
Damit Strominfrastrukturprojekte rasch umgesetzt werden können, braucht es die richtigen politischen Rahmenbedingungen. Die Bundesregierung hat dazu den Gesetzesentwurf für das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) vorgelegt. Ziel ist es, Genehmigungsverfahren deutlich zu beschleunigen, Zuständigkeiten zu bündeln und Planungssicherheit zu schaffen. Für den Beschluss im Nationalrat ist jedoch eine Zweidrittelmehrheit erforderlich, wodurch auch Stimmen der Opposition notwendig sind.
„Das EABG ist der Schlüssel, damit der Netzausbau in Österreich endlich Fahrt aufnimmt. Zu lange Verfahren bremsen Investitionen und gefährden unsere industrielle Entwicklung. Wenn wir wollen, dass Betriebe bei uns produzieren und investieren, dann müssen wir die Infrastruktur rechtzeitig bereitstellen – genau dafür braucht es jetzt rasch dieses Gesetz. Ich appelliere an alle Parteien, hier gemeinsam Verantwortung zu übernehmen“, so Hattmannsdorfer abschließend.
