•• Von Helga Krémer
Keinen Grund zum Jubeln sah der Obmann der Bundessparte Industrie in der WKÖ, Siegfried Menz, bei der Vorstellung der Industriezahlen für das Jahr 2025: „Die Industrieproduktion und die Auftragseingänge in Österreich wachsen 2025 nur nominell und das geringfügig, real bleiben sie deutlich unter Druck. Das ist ein klares Warnsignal für den Standort Österreich.“ So habe die österreichische Industrie 2025 zwar einen vorläufigen nominellen Produktionswert von 209 Mrd. € erwirtschaftet, auch seien dies drei Prozent mehr als im Jahr davor, dennoch reiche dieser Zuwachs nicht aus, um die massiven Verluste der Vorjahre zu kompensieren. Das Minus von rund 15 Mrd. € zwischen 2023 und 2024 habe damit bei Weitem nicht aufgeholt werden können. Vielmehr verliere Österreichs Industrie laufend an Substanz: Seit 2021 betrage das Minus real rund zwölf Prozent bei der abgesetzten Produktion. Menz weiter: „Die aktuellen Zahlen zeigen eindeutig: Das nominelle Wachstum täuscht über die tatsächliche Lage hinweg. Real bleibt Österreichs Industrie deutlich unter ihrem Leistungsniveau, wir müssen mit angezogener Handbremse fahren.“
Erholungskurve mit Dämpfer
Nicht ganz so düster zeigt sich die Industriellenvereinigung (IV), IV-Generalsekretär Christoph Neumayer, betont aber bei der Präsentation des IV-Konjunkturbarometers zum ersten Quartal 2026: „Die geopolitischen Verwerfungen wirken derzeit wie ein Stresstest für die konjunkturelle Erholung. Wir sehen, wie schnell externe Schocks auf einen exportorientierten Industriestandort wie Österreich durchschlagen. Die Industrie zeigt sich zwar grundsätzlich widerstandsfähig, aber die Dynamik wird spürbar gebremst – die Erholung fällt deutlich flacher aus als noch zu Jahresbeginn erwartet.“
Christian Helmenstein, IV-Chefökonom, ergänzte: „Dennoch ist die gesamtwirtschaftliche Erholung nicht abgesagt. Dies ist zurückzuführen auf drei gleichgerichtet wirkende Kräfte: Für sämtliche bedeutende Handelspartner Österreichs werden zumindest kleine BIP-Zuwächse erwartet, sämtliche Hauptnachfragekomponenten der österreichischen Wirtschaftsleistung weisen ein positives Vorzeichen auf und sämtliche Wirtschaftsbereiche legen mehr oder weniger stark zu“.
Reformimpulse täten not
Unter der Annahme, dass das derzeitige Preisniveau auf den internationalen Energiemärkten keine weitere Eskalation erfahren werde, impliziere dies eine Fortsetzung des ohnedies bereits ungewöhnlich moderaten Erholungspfades, wenngleich mit einem nunmehr noch flacheren Steigungswinkel, heißt es bei der IV.
Dringend notwendige strukturelle Reformimpulse aus der koalitionären Einigung auf ein Doppelbudget für die Jahre 2027 und 2028? Fehlanzeige. „Gerade in dieser Phase ist es entscheidend, die Rahmenbedingungen konsequent zu verbessern. Die angekündigte Senkung der Lohnnebenkosten ist angesichts der angespannten budgetären Situation ein anerkennenswerter und richtiger Schritt, wird aber durch die Art der Gegenfinanzierung relativiert. Wenn Unternehmen einen Teil ihrer Entlastung selbst finanzieren, fällt der Impuls für Investitionen und Beschäftigung entsprechend begrenzt aus. Umso wichtiger sind daher weitere strukturelle Reformen, um einen nachhaltigen Aufschwung zu unterstützen“, so Neumayer.
Optimismus bleibt bestehen …
Vor diesem herausfordernden Hintergrund verbessert sich dennoch das IV-Konjunkturbarometer als Durchschnitt der Einschätzungen der aktuellen Geschäftslage und jener in sechs Monaten nochmals leicht um 2,5 Punkte, etabliert sich oberhalb der Nulllinie und erreicht mit +11,5 Punkten denselben Stand wie zu Beginn der Rezession.
Bei der Komponente der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage in der Industrie fällt der Saldo für den Teilindikator hingegen von +14 Punkten auf +8 Punkte zurück, während sich der Saldo bei den Geschäftserwartungen nochmals von +5 Punkten auf +15 Punkte verbessert. Die von der IV befragten Unternehmen gehen derzeit mithin davon aus, dass das Gros der Belastungen aus dem Krieg am Persischen Golf überwiegend binnen eines Quartals überwunden werden kann und sich die Erholungsdynamik sodann fortsetzen wird.
… und wird auf Probe gestellt
Der Nahost-Konflikt hat zu Beginn des zweiten Quartals deutliche Spuren in der österreichischen Industrie hinterlassen, die sich im aktuellen Rückgang des UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex widerspiegeln. „Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex sank im April auf 51,2 Punkte. Trotz der Verunsicherung durch den Nahost-Konflikt überschritt der Indikator nach dem 4-Jahres-Hoch im Vormonat somit erneut die Neutralitätsgrenze von 50 Punkten, ab der Wachstum signalisiert wird“, sagt UniCredit Bank Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer und ergänzt: „Die geopolitischen Spannungen belasten die Erholung der österreichischen Industrie bereits spürbar. Angesichts der Störung der Energieversorgung durch die Blockade der Straße von Hormus und der Beschädigung von Energieverarbeitungsanlagen in den Anrainerstaaten droht – abhängig von der Dauer des Konflikts – für Österreichs Industrie der Rückfall in eine Rezession. Noch besteht leichter Optimismus in der heimischen Industrie. Der Index der Produktionserwartungen sank im April jedoch auf 53,7 Punkte, den niedrigsten Wert seit über einem Jahr.“
