Die im Dunkeln sieht man nicht
© Lara Tomasic/AKM
Jenna Doyle (Middlesex University London), Samuel Murray (University of Leeds), Ella Stern, Weronika Gabryelczyk und Emma Gale (v.l.).
MARKETING & MEDIA Redaktion 22.05.2026

Die im Dunkeln sieht man nicht

Die AKM lud im Rahmen des ESC in das Eurofan House zum Thema „Rolle der Songwriter beim ESC“ ein.

•• Von Willy Bauer

WIEN. Veranstaltet wurde der Eurovision Song Contest (ESC) erstmals im Jahr 1956 als „Concours Eurovision de la chanson“, um Komponisten und Texter auszuzeichnen. Das hat sich stark gewandelt. Heute steht der Interpret im Rampenlicht. Es ist Fakt, dass dessen gesangliche Performance, Look und Choreo sowie der Hype rund um den Social Media-Auftritt in der öffentlichen Wahrnehmung wichtiger wurden als Text und Komposition. Die Namen der Songwriter und Produzenten werden vor Beginn des nationalen Beitrags in kleiner Schriftgröße für ­Sekunden eingeblendet. Das wars.

Songwriter beim ESC im Out
Gemeinsam mit der University of Leeds und der Middlesex University London präsentierte die Verwertungsgesellschaft für Autorinnen, Komponisten und Musikverleger AKM die Ergebnisse einer Studie mit 45 Songwritern, die ein ESC Halb-, oder Finale erreicht haben. Erstaunlich: Nur 44% der Songwriter waren beim Contest vor Ort. Davon mussten 60% die Reise und Hotelkosten selbst bezahlen.  Besonders schäbig: 45% mussten auch ihre Eintrittskarte selbst bezahlen. Von einem Platz im Green Room kann meist keine Rede sein.

Emma Gale, Co-Songwriting ESC 2025 für Kroatien, bekam großzügigerweise eine Gratiskarte für das Halbfinale. Den Rest des Trips zahlte sie selbst: „Du willst bei diesem Moment eben unbedingt dabei sein, deinen Song in voller Inszenierung hören.“
Weronika Gabryelczyk, Co-Songwriting und Produzentin des diesjährigen polnischen Beitrags, klärt auf: „Mit dem Gewinn der nationalen Ausscheidung ist unsere Arbeit als Songwriter, Texter, Produzenten vorbei. Dann übernehmen vor Ort die Choreografen, Tänzer, Stylisten, Make-up Artists den Auftritt. Die Delegation meint, wir sind nicht mehr wichtig, stehen da nur im Weg.“

Gute Noten für den ORF
Der ORF bekommt hier bessere Kritiken. Ella Stern, Co-Songwriterin von Cosmó „Tanzschein“ fühlte sich in der heimischen Delegation gut wahrgenommen. Das gilt auch für Thomas Rabitsch, Komponist des ESC Beitrags 2011 („The Secret Is Love“): „Wir waren in Düsseldorf richtig mittendrin, im Green Room.“

Christian Kolonovits hatte seinen Magic-Moment als Co-Komponist beim ESC 1993 in Irland – als Dirigent des bis zum Jahr 1998 üblichen Live-Orchesters, das er mehrmals für Österreichs Beiträge zum richtigen Groove zwingen musste.
Kein Problem hatte Toto Cutugno („Insieme“) beim ESC 1990 in Zagreb. Titus Vadon, als Live-Musiker („Keine Mauern mehr“) damals hautnah dabei, erzählt: „Toto kam nach Zagreb, formte aus lokalen Musikern einen Begleit-Chor, schrieb die Musik, den Text, bei den Proben unterbrach er, gab dem Dirigenten und Orchester Anweisungen. Am Ende hat er auch noch gewonnen.“ Mehr an Anerkennung geht nicht.

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