Faire Beteiligung für eine sichere Standortpolitik
© Elsa Okazaki
Alexander Dum­reicher Ivanceanu
MARKETING & MEDIA Redaktion 07.07.2026

Faire Beteiligung für eine sichere Standortpolitik

Die Debatte über die geplante Investitionsverpflichtung für Streamingdienste sollte nicht entlang falscher Gegensätze laufen.

Gastkommentar  ••• Von Alexander Dumreicher-Ivanceanu

WIEN. Die Sorgen privater Medienunternehmen verdienen Respekt: Österreich braucht starke private Sender und Abrufdienste, einen starken ORF und eine unabhängige Film- und Musikwirtschaft. Medienvielfalt sichert demokratische Öffentlichkeit und wirtschaftliche Stärke.

Die Debatte über die geplante Investitionsverpflichtung für Streamingdienste sollte nicht entlang falscher Gegensätze laufen. Es geht nicht um Filmwirtschaft gegen Privatsender, sondern um eine faire Beteiligung jener Anbieter, die hier hohe Umsätze erzielen, aber zu wenig zu österreichischen Inhalten beitragen.
Internationale Streamingdienste profitieren von heimischen Geschichten und Talenten – aufgebaut über Jahre von heimischen Produzentinnen und Produzenten sowie Kreativen, nicht von globalen Konzernen. Wer nutzt dieses Ökosystem, wer erhält es? Jede Filmproduktion ist ein mittelständisches Projekt mit hochspezialisierten Fachkräften – Regie, Kamera, Ton, Musik, Schnitt. Was man nicht nutzt, verliert man.
Die Mehrheit der europäischen Länder setzt längst auf Verpflichtungen und Abgaben für Streamingdienste – wie in Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, der Schweiz. Der Medienmarkt ist dort nicht zusammengebrochen – im Gegenteil. Frankreich ist mit 25% der Umsätze Vorreiter, die Investitionen steigen weiter. Der österreichische Entwurf sieht 12% vor.

Faires Modell gesucht
Film ist Kultur, Wirtschaft und Standortpolitik zugleich. Er prägt das Bild des Landes. Natürlich braucht es Augenmaß: Kein Modell darf heimische Medienunternehmen über Gebühr belasten oder Investitionen privater Sender ignorieren. Richtig ist ein Modell, das internationale Plattformen fair beteiligt, Planbarkeit schafft und die Mittel zweckgewidmet dem Filmschaffen zuführt.

Die Kollateralschäden entstehen nicht durch faire Beteiligung, sondern wenn Wertschöpfung ungenutzt abfließt: weniger heimische Filme, Talente ohne Perspektive, abwandernde Crews. Dann wird nicht nur die Leinwand leerer, sondern auch der Medienstandort schwächer. Wir brauchen keinen Kulturkampf, sondern einen Standortpakt: private Medien stärken, den ORF als Partner sichern, heimischen Produzentinnen und Produzenten Chancengleichheit geben und internationale Plattformen fair einbinden. Wer mit heimischem Publikum verdient, soll beitragen. Faire Beteiligung ist zukunftsgerichtete Standortpolitik.

Alexander Dumreicher-Ivanceanu ist Obmann des Fachverbandes der Film- und Musikwirtschaft.

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