Heuer mehr als 100 Verstöße gegen Pressefreiheit in Serbien
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Serbiens Präsident Aleksandar Vučić steht in der Kritik, weil er die Angriffe auf Medien billigen soll.
MARKETING & MEDIA Redaktion 28.07.2026

Heuer mehr als 100 Verstöße gegen Pressefreiheit in Serbien

Regierungskritische Medienvertreter vermehrt Opfer von Morddrohungen und physischer Gewalt.

BELGRAD. Die Lage für regierungsunabhängige Medien und Journalisten in Serbien hat sich im Vorjahr zunehmend verschlechtert. Dies geht aus dem neuesten Bericht der "Europäischen Journalisten Föderation" (EFJ) und seiner Partner hervor. Heuer wurden demnach bereits über 100 Verstöße gegen die Medienfreiheit gemeldet, darunter Morddrohungen und Hasskommentare im Netz. Laut dem regierungskritischen Nachrichtensender N1 gehen die staatlichen Behörden jedoch unzureichend dagegen vor.

Bereits im Vorjahr führten mehrere Hetzkampagnen gegen Journalisten dazu, dass Polizisten sowie Unterstützer der Regierungspartei Medienvertreter körperlich angriffen oder in sozialen Medien mit dem Tod bedrohten. N1 zufolge wurden derartige Angriffe vom serbischen Staatspräsidenten Aleksandar Vučić und seiner Regierung befürwortet. Organisationen wie "Reporter ohne Grenzen" oder EFJ fordern die serbischen Behörden seit Monaten dazu auf, gegen die zunehmende Gewalt an Journalisten und Medienorganisationen vorzugehen.

Ergebnisse des EFJ-Berichts
Der Bericht der EFJ basiert auf den Ergebnissen einer internationalen Erkundungsmission, die im März 2026 in Belgrad durchgeführt wurde. Den Recherchen zufolge wurden 2025 in Serbien 209 Verstöße gegen die Medienfreiheit verzeichnet. Das sind mehr als doppelt so viele Fälle wie noch im Jahr davor. 2025 waren insgesamt 359 Journalisten, Medienmitarbeiter und Medienorganisationen von den Vorfällen betroffen. Heuer waren bis zum 16. Juni bereits mehr als 100 Fälle registriert worden, bei denen 170 Medienmitarbeiter betroffen waren.

Laut N1 wurde von den bisher 111 gemeldeten Fällen jedoch nur einer rechtlich abgeschlossen. Insgesamt sechs Journalisten sahen sich zuletzt gezwungen, aus dem Balkan-Staat zu fliehen, heißt es in dem Bericht weiter. Die Polizei sei in 51 Fällen den Aufforderungen der Staatsanwaltschaft zur Identifizierung von Verdächtigen nicht nachgekommen, erklärte etwa der Verband unabhängiger elektronischer Medien (ANEM) gegenüber N1.

Druck auf Journalisten wächst
Auch die serbische Zeitung "Bečejski Mozaik" und deren Journalistin Kristina Demeter Filipcev wurden Opfer von Online-Drohungen, wie N1 meldete. Insbesondere Filipcev war mehrmals von frauenfeindlichen und rassistischen Kommentaren betroffen. Alle bisherigen Vorfälle seien den zuständigen Behörden von der Tageszeitung gemeldet worden. Bisher sei man jedoch noch nicht gegen die mutmaßlichen Täter vorgegangen.

Darüber hinaus ordnete das Oberlandesgericht in Belgrad am Montag die Verhaftung des bekannten Journalisten Aleksandar Radić an, der kurz zuvor ins Ausland geflohen war. Ihm wird vorgeworfen, "Handlungen gegen die Verfassungsordnung und die Sicherheit Serbiens" geplant und das Datenschutz-Gesetz missachtet zu haben. Radić, der für gewöhnlich über die Verteidigungspolitik des Landes berichtete, rückte im Vorjahr im Zuge der Studierendenproteste in Belgrad im März 2025 ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Er soll Polizeibeamten den Einsatz einer "Schallkanone" zur Auflösung von Studentenprotesten vorgeworfen haben.

Berichten zufolge soll Radić Serbien verlassen haben, nachdem regierungsnahe Medien Überwachungsaufnahmen von ihm und einer seiner Töchter veröffentlichten. Ein paar Tage zuvor sollen die staatlichen Behörden eine umfassende Untersuchung eingeleitet haben. Dabei sei etwa Radićs Wohnung durchsucht und Mitglieder von Oppositionsparteien zu Gesprächen vorgeladen worden.

Serbiens steiniger Weg in die EU
Auf der Liste des weltweiten Pressefreiheitsindex liegt Serbien aktuell nur auf Platz 104 von insgesamt 180. Im Vorjahr belegte der Westbalkan-Staat noch den 96. Platz. Das EU-Parlament kritisierte erst kürzlich Serbiens mangelnden Fortschritt im EU-Beitrittsprozess, wie die APA Anfang Juli meldete. Probleme gibt es laut der EU unter anderem bei der Medien- und Meinungsfreiheit und im Bereich der Rechtsstaatlichkeit. (APA)

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