WIEN. Der weltweite Wettlauf um Künstliche Intelligenz (KI) könnte die Energiewende beschleunigen - sofern die Politik die Weichen richtig stellt. Forscher der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) analysierten Stromdaten aus Großbritannien und kamen zum Schluss, dass die steigende Nachfrage nach verlässlichem, sauberem Strom für Rechenzentren einen starken Markt für Batterien und Langzeitspeicher schafft. So könnte der Boom positive Effekte auch für andere Wirtschaftssektoren schaffen.
"KI löst einen beispiellosen Wettlauf um Elektrizität aus. Die Frage ist nicht nur, woher saubere Energie kommt, sondern auch, wie schnell sie bereitgestellt werden kann, um den wachsenden Rechenbedarf von KI zu decken. Große Technologieunternehmen investieren zunehmend in Energiespeicher, um verschiedene Herausforderungen ihrer Stromversorgung zu bewältigen. Dadurch entsteht eine neue Verbindung zwischen KI und Energiespeicherung, in der sich beide Bereiche gegenseitig verstärken", erklärte Behnam Zakeri, Assistenzprofessor und stellvertretender Leiter des Institute for Data, Energy and Sustainability (IDEaS) an der WU Wien.
Forscher: Rechenzentren nicht nur nach Energieverbrauch bewerten
Gemeinsam mit Kollegen und Kolleginnen vom International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) und der King Abdullah University of Science and Technology argumentiert Zakeri, dass Rechenzentren nicht nur nach ihrem Energieverbrauch bewertet werden sollten. Ebenso wichtig seien die Flexibilität, Speicherkapazitäten und gesicherte saubere Stromerzeugung, die sie dem Energiesystem zur Verfügung stellen können. Mit den richtigen politischen Rahmenbedingungen könnte die steigende Stromnachfrage durch KI Investitionen in neue Energie- und Speichertechnologien beschleunigen und damit dem gesamten Stromsystem zugutekommen.
Die in Energy and Climate Change veröffentlichte Studie schlägt mehrere regulatorische Maßnahmen vor, um den Einsatz von Energiespeichern in Rechenzentren zu fördern. So sollten Projekte belohnt werden, die einen "messbaren Nettonutzen für das Energiesystem" schaffen. Installationen von Batteriespeichern an Rechenzentrumsstandorten sollten vereinfacht und Hürden für die Bereitstellung von Netzdienstleistungen abgebaut werden. Zudem sollten die Rechenlasten als flexible statt starre Ressource behandelt werden, indem Rechenzentren für die Reduktion ihrer Nachfrage in Zeiten hoher Netzbelastung und für die Verlagerung von Rechenprozessen in Phasen mit hoher Verfügbarkeit sauberer Energie belohnt werden. (APA)