ORF-Zukunftsforum: Die ersten Ergebnisse der Arbeitsgruppen sind da
APA / ROLAND SCHLAGER
MARKETING & MEDIA Redaktion 11.09.2026

ORF-Zukunftsforum: Die ersten Ergebnisse der Arbeitsgruppen sind da

Beim ORF-Zukunftsforum in Wien wurden die zentralen Eckpunkte aus den Arbeitsgruppe für eine mögliche Neuausrichtung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks präsentiert.

WIEN Im Rahmen des ORF-Zukunftsforums von Medienminister Andreas Babler haben rund 200 Branchenvertreterinnen und Branchenvertreter ihre Ergebnisse für die geplante Gesamtreform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Plenum vorgestellt. Der Diskussionsprozess teilte sich in fünf Kernarbeitsgruppen, die von Governance-Fragen über Digitalisierungsstrategien bis hin zu neuen Kooperationsmodellen mit privaten Verlagen reichten.

Gruppe 1: Öffentlich-rechtlicher Auftrag und Programm Die von Julia Wippersberg (Senior Lecturer Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft, Universität Wien und Vorsitzende Public Value Beirat) moderierte Arbeitsgruppe forderte eine verfassungsrechtliche Verankerung des Versorgungsauftrags sowie einer nachhaltigen, wertgesicherten Finanzierung. Zudem sprachen sich die Teilnehmenden für die Aufhebung bestehender digitaler Verbote und Beschränkungen aus, um mehr Bewegungsfreiheit für publizistische Angebote im Netz zu schaffen. Auch der Auftrag für die heimische Kunst-, Kultur- und Kreativwirtschaft sowie für den Sport soll im Gesetz nachgeschärft und gestärkt werden.

Gruppe 2: Jugend und Medienkompetenz Nach einer Einleitung durch Nina Mohimi, Head of Strategy & Growth der Mediengruppe Wiener Zeitung, übergab diese die Präsentation direkt an Vertreterinnen und Vertreter der jugendlichen Zielgruppe. Die Arbeitsgruppe plädiert für den ORF als breite Bildungs- und Trainingsplattform zur Stärkung der Medienkompetenz. Gefordert wurden neue Formate, die partizipativ „mit und für Jugendliche“ produziert werden, sowie Kooperationen mit etablierten Creatorinnen und Creatorn. Um junge Menschen medienadäquat zu erreichen, sollen „Online Only“- und „Online First“-Angebote rechtlich abgesichert und Informationslücken in der Altersgruppe der Elf- bis 14-Jährigen geschlossen werden.

Gruppe 3: Digitalisierung, Plattformen und Künstliche Intelligenz Präsentiert von Stefan Apfl (Verlagsleiter hashtag.jetzt)  stand im Zentrum der dritten Gruppe eine spürbare Flexibilisierung für alle digitalen Ausspielkanäle, inklusive direkter Interaktionsmöglichkeiten mit dem Publikum. Neben Strategien zur besseren Auffindbarkeit von Public-Interest-Inhalten gegenüber globalen Plattformen wurde der Ausbau gemeinwohlorientierter digitaler Infrastrukturen formuliert. Zudem soll im ORF-Gesetz ein expliziter KI-Auftrag mit entsprechendem Budget verankert werden, der auch gemeinsame Brancheninitiativen umfasst.

Gruppe 4: Strukturen, Governance und Repräsentanz des Publikums Hans-Peter Lehofer (Honorarprofessor Wirtschaftsuniversität Wien) präsentierte für die vierte Arbeitsgruppe Reformschritte für die Führungsgremien: Anstelle des bisherigen Stiftungsratsmodells wird ein kleinerer, fachlich qualifizierter Aufsichtsrat nach Vorbild einer Aktiengesellschaft – mit einer Richtgröße von etwa neun bis zehn Personen inklusive Arbeitnehmervertretung – vorgeschlagen. Die bisherige Alleingeschäftsführung durch eine Generaldirektorin oder einen Generaldirektor soll durch einen mehrköpfigen Vorstand ersetzt werden. Zudem einigte man sich auf verbindliche Unvereinbarkeitsregeln und wirksame Abberufungsmöglichkeiten bei schweren Pflichtverletzungen.

Gruppe 5: Kooperationen und Medienstandort Österreich Die von Eva Weissenberger, Journalistin und Geschäftsführerin von Storytime Media, vorgestellte Gruppe verständigte sich auf sechs konkrete Kooperationsansätze unter dem Leitmotiv „Co-opetition“. Neben einer gesetzlichen Kooperationsverpflichtung für den ORF stehen die Weitergabe von Inhalten (Content- und Info-Sharing) sowie fairere Highlight-Regelungen im Sportbereich im Fokus. Zur Stärkung gegenüber globalen Tech-Konzernen plant die Branche einen gemeinsamen österreichischen Werbemarktplatz für Programmatic Advertising, eine KI-Allianz für Lizenzverhandlungen nach dänischem Vorbild sowie einen Digital Hub, um die Reichweite von Plattformen wie der ORF-News-Seite gezielt auch für private Medienhäuser nutzbar zu machen. 

Babler: "sicher kein einfaches Unterfangen"

Die "Gesamtreform" des öffentlich-rechtlichen Medienhauses werde "sicher kein einfaches Unterfangen", räumte Babler bereits zum Auftakt der Veranstaltung am Donnerstag ein. Im Vorfeld des Forums gaben mehrere Parteien bereits ihre zum Teil sehr unterschiedlichen Vorstellungen preis. Die ÖVP ließ damit aufhorchen, dass sie - neben einer reduzierten ORF-Haushaltsabgabe - auch eine Finanzierung des ORF aus dem Bundesbudget als Option nannte. Die SPÖ steht dem skeptisch gegenüber. Die FPÖ fordert schon lange die Abschaffung des ORF-Beitrags und will das öffentlich-rechtliche Medienhaus als "Grundfunk" aus dem Bundesbudget finanzieren. Konsens zeichnet sich hingegen dahingehend ab, dass es eine Reform der großteils politisch beschickten ORF-Gremien braucht - wie diese genau aussehen soll, ist freilich noch offen.

SRG-Generaldirektorin: "Zugänglich und zugewandt sein"

Zum Auftakt des zweiten Tages war Susanne Wille, Generaldirektorin der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG), geladen. Sie erinnerte an eine Volksabstimmung in der Schweiz, in der heuer eine Halbierung der Mittel für die SRG im Raum stand. 62 Prozent sprachen sich letztlich für eine starke SRG aus. Die Abstimmung sei eine Erinnerung daran gewesen, dass "wir unsere Legitimation jeden Tag neu verdienen müssen". Einfach nur Programm und Journalismus machen, reiche nicht mehr. "Wir müssen die Transparenz erhöhen, zugänglich und zugewandt sein", sagte die Generaldirektorin. Daher habe die SRG vermehrt den Austausch mit der Bevölkerung gesucht - "in Gasthöfen, in Dörfern".

Das Abstimmungsergebnis habe die SRG zwar gestärkt, "aber der Druck bleibt", sagte sie mit Blick auf ein verändertes Nutzerverhalten, Auffindbarkeit in Zeiten eines globalen Wettbewerbs, rasanten technologischen Entwicklungen und einem politischen Sparauftrag. Diesen in dreistelliger Millionenhöhe stemme man zu 95 Prozent durch Einsparungen in der Struktur. Doppelgleisigkeiten würden beseitigt, die Anzahl der Führungskräfte reduziert. Der Journalismus werde dagegen bestmöglich geschützt, versicherte Wille. (fej/apa)

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