••• Von Sascha Harold
Er ist seit vier Jahrzehnten eine prägende Figur der österreichischen Kommunikationslandschaft: Michael Obermeyr, Mitbegründer und geschäftsführender Gesellschafter von Reichl und Partner PR. Normalerweise sorgt er dafür, dass seine Kunden im Rampenlicht stehen. Nun tritt er mit einem eigenen Buch („Obermeyr wie Steyr“) selbst kurz aus der „zweiten Reihe“ nach vorne – ohne dabei eine klassische Biographie abzuliefern, wie er gleich zu Beginn des Gesprächs mit medianet festhält.
Eigentlich sieht sich Obermeyr nicht als der typische PR-Manager, der darauf drängt, selbst im Scheinwerferlicht zu stehen. „Mein Platz war seit Anbeginn in der zweiten Reihe – aus der Überlegung, dass unsere Kunden und Persönlichkeiten auf die Bühne gehören“, erklärt er. Doch ein Zufall brachte den Stein ins Rollen: Vor zweieinhalb Jahren bat ihn eine Studentin um ein halbstündiges Interview für ihre Dissertation zum Thema Krisen-PR. Aus 30 Minuten wurden drei intensive Stunden, in denen grundlegende Fragen das gesamte berufliche und persönliche Leben reflektieren ließen.
40 Jahre Agenturleben
Da heuer das 40-jährige Jubiläum seiner ersten PR-Agenturgründung ansteht (der ersten außerhalb Wiens) und im Jahr 2026 zudem das 25-jährige Bestehen von Reichl und Partner PR gefeiert wird, war der perfekte Anlass gefunden, aus den Aufzeichnungen ein Buch zu machen. Gleich im ersten Kapitel überrascht Obermeyr mit dem Verweis auf den „vorgezogenen Nachruf“, den das Werk im Grunde darstellt. „Die Parte ist schließlich ein probates Mittel der Öffentlichkeitsarbeit“, so Obermeyr mit einem Schmunzeln. „Je älter man wird, desto häufiger nimmt man an Begräbnissen teil. Ich möchte ganz einfach die Herrschaft über mein eigenes Bild behalten.“
Nach diesem kurzen Exkurs beleuchtet der PR-Profi 17 entscheidende Momente, die ihn zu dem gemacht haben, was er heute ist. Anekdoten und Ecken werden dabei nicht ausgespart, als Ja-Sager oder als Exekutor fremder Ideen habe er sich noch nie verstanden, so Obermeyr.
Lobby-Arbeit für PR
Die Anfänge seiner Karriere fielen dabei in eine Zeit, in der die PR noch keine akademische Disziplin war und Unternehmenspatriarchen diktierten, was berichtet werden durfte. „Damals hat man mich für verrückt gehalten. Es gab schlaflose Nächte, keine Work-Life-Balance und Geld stand erst an zweiter Stelle.“ Nach rund 15 Jahren, in denen er bereits mit renommierten Kunden zusammengearbeitet hatte, folgte die Zusammenarbeit mit Rainer Reichl, die auch aus dem Bedürfnis heraus entstand, seinen Kunden Dienstleistungen anzubieten, die über klassische PR hinausgingen. Im Jahr 2001 folgte so die Gründung der Reichl und Partner Public Relations GmbH. Inzwischen ist auch diese Gründung 25 Jahre her – „Eine nicht ganz unerfolgreiche Zeit“, wie Obermeyr mit einem Zwinkern meint.
Langjährige Kunden
Trotz aller Änderungen, denen die Kommunikationsbranche in den letzten Jahren unterworfen war, gibt es auch Konstanten. „Es geht damals wie heute um Vertrauen und Neugier. Wir leben in einer Ära des allgemeinen Vertrauensverlustes. PR erlebt auch deshalb eine Renaissance, weil über rein digitale Kanäle kein Vertrauen aufgebaut werden kann. Auf digitale Weise kann man Tagesgeschäft abbilden, aber kein nachhaltiges Vertrauen aufbauen. Das funktioniert wie in einer persönlichen Beziehung – durch engen Kontakt, Empathie und Neugier“, erläutert Obermeyr.
Dass dieser Ansatz honoriert wird, zeigt die langjährige Zusammenarbeit mit seinen Kunden, vielen davon, etwa der PEZ, oder Keba ist er seit Jahrzehnten verbunden. Bei Reichl und Partner schätzt er vor allem das wertschätzende Miteinander quer durch alle Generationen. Während ältere Mitarbeiter in vielen Unternehmen aufs Abstellgleis geraten, profitieren Senior Experts und junge Talente bei RUP gegenseitig voneinander: „Ich weiß, wie die Mechanik der Kommunikation funktioniert, aber ich lerne enorm viel von den Jungen“, so Obermeyr.
Auch in den kommenden Jahren will er der Agentur weiterhin mit seiner Erfahrung zur Seite stehen, auch wenn Obermeyr auch an neuen Entwicklungen interessiert bleibt. „Ich bin unverändert neugierig, finde die neuen Möglichkeiten, die KI bietet, spannend und verfolge die Transformation, die das für die Branche bedeutet. Eine Zeit lang werde ich das noch machen.“ Auch einen persönlichen Tipp hat der langjährige PR-Experte noch zum Abschluss: „Wer über sich selber lachen kann, hat schon gewonnen.“