WIEN. Sinkende Teilnahmequoten – insbesondere unter jungen Menschen – setzen die Markt- und Meinungsforschung zunehmend unter Druck. Unter dem Titel „Kein Bock auf Umfragen – Warum die junge Generation nicht an Umfragen teilnimmt“ widmete sich der Verband der Marktforschung Österreichs (VMÖ) vergangene Woche dieser Herausforderung. Im Studio 67 diskutierten Expertinnen und Experten aus Forschung, Jugendvertretung und Medienpraxis über Ursachen und Lösungsansätze. Moderiert wurde die Veranstaltung von VMÖ-Vizevorsitzendem Robert Sobotka.
Bernhard Heinzlmaier (t-factory) und Joshua Matheuszik (Young Enterprises Media GmbH) zeichneten ein differenziertes Bild der Jugendkultur. Heinzlmaier betonte, die junge Generation sei leistungsbereit und zielorientiert – und nicht wie häufig behauptet desinteressiert oder orientierungslos. Maximilian Pech, Bundesobmann der Schülerunion Österreich, und Eva Waldenberger (Geschäftsführerin wepodit GmbH) hoben hingegen die Schnelllebigkeit, visuelle Prägung und hohe Selektivität im Medienkonsum hervor. Aufmerksamkeit sei eine knappe Ressource, Relevanz entscheide in Sekunden.
Einigkeit bestand darin, dass Incentivierungen als Motivation zur Studienteilnahme weiterhin wichtig sind, jedoch zielgruppengerecht gestaltet sein müssen. Neben materiellen Anreizen gewinnen sinnstiftende Modelle, Transparenz über Studienergebnisse sowie Feedback zur Datennutzung an Bedeutung. Auch bei der Medienwahl plädierten die Diskutierenden für flexible Multi-Mode-Ansätze statt dogmatischer „Methodenreinheit“. Entscheidend sei eine kreative, lebensweltnahe Umsetzung.
Ein Fazit der Veranstaltung: Junge Menschen verweigern sich der Marktforschung nicht grundsätzlich, reagieren jedoch sensibel auf Relevanz, Wertschätzung und Kontext. Wer ihre Aufmerksamkeit gewinnen will, muss ihre Lebenswelt verstehen und bereit sein, methodisch flexibler zu denken.(red)
