Automatisierte Busse sind keine Zukunftsmusik
© Thomas Novak
„Roberta“ (Real world automated bus operation Austria) wird von Thomas Novak (r.) und Wolfgang Schildorfer geleitet.
MOBILITY BUSINESS Redaktion 30.04.2026

Automatisierte Busse sind keine Zukunftsmusik

Ein Forschungsprojekt der FH Oberösterreich namens „Roberta“ schafft jetzt die Grundlagen.

••• Von Alexander Haide

Der Startschuss ist gefallen: Nachdem das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur eine Förderung von 3,5 Mio. € bereitstellte, ist nun die Zukunft des autonomen Fahrens von Bussen zur Personenbeförderung im Rollen. Optimistisch gedacht, könnten die ersten Busse mit mehr als acht Fahrgästen bereits am Ende des Jahrzehnts über Österreichs Straßen kreuzen – ganz ohne Fahrer.

Die Grundlagen legt das Forschungsprojekt „Roberta“ (Real world automated bus operation Austria), das von Thomas Novak und seinem Stellvertreter Wolfgang Schildorfer, beide Forschungsprofessoren am „Logistikum“ am Campus Steyr der FH Oberösterreich, geleitet wird.

medianet: Roberta soll zeigen, dass automatisierter Busbetrieb keine Zukunftsmusik ist und schon bald im realen Linienverkehr eingesetzt werden kann?
Thomas Novak: Automatisiert fahrende Shuttle-Busse sind seit rund zehn Jahren ein Thema. Ziel unseres Projekts und des Ministeriums als Fördergeber ist, dass nun mehr als acht Personen in größeren Bussen im Rahmen eines Flottenbetriebs befördert werden. Das ist das Neue. In Österreich gibt es aber keine Hersteller von Bussen, deshalb werden wir Fahrzeuge am internationalen Markt anmieten.
Bereits der Auswahlprozess, einen qualifizierten Bus zu finden, ist nicht so einfach. Im Gegensatz zu geschlossenen Umgebungen wie bei Bus-Shuttles auf Flughäfen, bewegen wir uns im öffentlichen Bereich mit allen Regeln, Vorschriften und Gesetzen. Zusätzlich streben wir einen ganzjährigen Betrieb an, also auch bei Schneelage oder großer Hitze. Zudem sollen die autonomen Busse in den bestehenden Betrieb eingebunden werden. Busbetreiber und Verkehrsverbünde sollen dabei lernen, wie Prozesse von der Ausschreibung für Fahrzeuge bis hin zum Regelbetrieb aussehen.

medianet: Wann werden Test-Busse unterwegs sein?
Novak: Es handelt sich um ein Vierjahresprojekt, das im Februar 2026 gestartet wurde. Wir befinden uns nun erst im dritten Projektmonat. Es werden noch keine Daten gesammelt und es fährt noch kein Bus. Wir haben begonnen, gemeinsam mit Verkehrsverbünden und Betreibern Teststrecken zu definieren. Parallel dazu gibt es Gespräche mit Herstellern von Bussen. Wir befinden uns in der Vorbereitungsphase des Projekts. Möglich wird der Betrieb der Busse in den Bundesländern nur mit deren Unterstützung. Zum Beispiel wird rund eine Mio. Euro durch die Ressorts Wirtschaft/Forschung und Infrastruktur des Landes OÖ bereit gestellt (vorbehaltlich Beschluss des oö. Landtags, Anm.).

medianet: Sie haben sich mit den vier teilnehmenden Bundesländern keine einfachen Topografien ausgesucht. Wurden Teststrecken bereits fixiert?
Novak: Es gibt vier Pilotregionen in vier Bundesländern. Das sind das suburbane Gebiet Hagenberg/Pregarten in Oberösterreich, ein Industriegebiet in der Stadt Innsbruck in Tirol, in der Steiermark in Deutschlandsberg/ Groß Sankt Florian und St. Paul/St. Andrä in Kärnten. Damit haben wir vier unterschiedliche Geländevarianten, denn unser Ziel ist es, das autonome Fahren in ganz Österreich zu etablieren.

medianet: Sie haben sich also bewusst eine schwierige Aufgabe gestellt?
Novak: Schwierig ist übertrieben, aber es ist herausfordernd. Das sind Regionen, die repräsentativ für Österreich sind und wo Busse in Zukunft autonom fahren sollen.
Wolfgang Schildorfer: Diese Busse sind nicht kommerziell verfügbar und wir befinden uns noch immer in einem Forschungsbereich. Es gibt noch keinen automatisierten Bus, der vom Band rollt. Die OEMs haben bereits Testfahrzeuge und denken daran, in die Serienproduk­tion zu gehen.
Wir sind also in einem guten Zeitfenster, um das sehr divers in Österreich in einem zentralen remote gemanagten Flottensystem auszuprobieren. Wir werden alle Busse, die gleichzeitig fahren, zentral an einem Ort beobachten, den ­Status erkennen und könnten dann auch eingreifen. Das war aus Sicht des ­Ministerium wichtig. Nun geht es daran, eine Testgenehmigung für die vier Regionen und die Fahrzeuge zu erhalten. Geplant ist, dass die Busse frühestens im vierten Quartal 2027 unterwegs sind.

medianet: Welche Technologie werden Sie verwenden? Lidar, eine Technik basierend auf Laser, oder Kameras?
Novak: Da unser Thema kein klassisches Technologieentwicklungsprojekt ist, wird es am Hersteller jener Busse liegen, die sich qualifizieren, welche Technologie letztlich zum Einsatz kommen wird. Das Ziel ist, möglichst am Markt befindliche Lösungen einzusetzen, ohne etwas zusätzlich zu programmieren oder zu ergänzen.

medianet: Sie arbeiten mit 19 Partnern zusammen.
Novak: Die Partnersuche hat sich aus der Kompetenz der einzelnen Regionen ergeben. Zudem haben wir Flottenbetreiber als aktive Partner in Boot geholt. Hinzu kam der oö. Verkehrsverbund als Partner, andere Verbünde sind mit LOIs dabei. Damit sind alle Stakeholder an Bord und wir haben das föderale Österreich im Projekt abgebildet. Bei der Auswahl der Partner haben wir auch einen Fokus auf die Wertschöpfung gelegt, sowohl bei der wissenschaftlichen als auch der wirtschaftlichen Verwertung.
Schildorfer: Ein großes Ziel des Fördergebers ist es auch, dass Lösungen, die wir entwickeln, skalierbar sind, und damit sie andere Betreiber ebenfalls einsetzen können. Deshalb haben wir den Pilotbetrieb im Projekt dezentral organisiert.

medianet: Eine Motivation war der Personalmangel bei Buslenkern. Bisher müssen bei autonomen Fahrzeugen Sicherheitslenker mit an Bord sein. Wo liegt dann die Personalersparnis?
Novak: Es wurde uns aus dem Logistik-Bereich wie auch dem Busbetrieb kommuniziert, dass es immer schwieriger wird, Fahrer zu finden. Zudem gibt es vor allem im ländlichen Gebiet den Wunsch, den öffentlichen Verkehr zu erhalten und auch auszubauen. Die Automatfahrverordnung wurde geschaffen, um Pilotprojekte wie unseres zu ermöglichen. Sie sieht zwingend einen Sicherheitsfahrer vor, der im Notfall entscheiden und übernehmen kann. Für einen zukünftigen Regelbetrieb arbeitet das Ministerium an einem Rechtsrahmen, um den Fahrer komplett ersetzen zu können.

medianet: Wird ein autonomer Bus im Notfall ferngesteuert?
Novak: Es wird ein Remote-System geben, bei dem eine Person etwa fünf Busse beobachtet. Das wird ein neues Berufsbild mit neuen Qualifikationen. Im Notfall geben sie dem Bus dann Anweisungen, wie er sich zu verhalten und was er zu tun hat.

medianet: Also keine Fernsteuerung per Joystick?
Novak: In unserem Projekt wird es kein Remote-Driving geben, sondern die Software könnte einen Vorschlag zur Lösung eines Problems machen. Diese wird dann durch einen Menschen bestätigt und der Bus führt sie schließlich aus.

medianet: Wann werden die ersten selbstfahrenden Busse im Regelbetrieb unterwegs sein?
Novak: Unser Projekt reicht bis zum Jahr 2030; bis dahin soll die Grundlage geschaffen sein, wie Fahrzeughersteller und Betreiber zueinanderfinden. Bis zum Regelbetrieb könnte es bis Mitte der 2030er-Jahre dauern.
Schildorfer: Es gibt erste Signale, dass OEMs Busse in die Serienproduktion überführen. Für mich ein Indiz, dass die Hersteller daran glauben, dass es in Europa einen Markt dafür gibt. Gespräche haben gezeigt, dass die Produktion Ende ­2027 gestartet werden kann. Da beginnen wir mit den Tests. Nach einem weiteren Jahr, 2029 oder 2030, könnten autonome Busse auf ausgewählten Strecken unterwegs sein.

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