•• Von Alexander Haide
Die Dr. Richard Gruppe ist das größte private Busunternehmen im deutschsprachigen Raum. Seit mehr als 90 Jahren ist der Familienbetrieb im Bereich der Personenverkehrsdienstleistungen tätig und befördert Fahrgäste in ganz Österreich auf konzessionierten Stadtbuslinien, wie unter anderem in Wien und Salzburg, auf Regionallinien und Fernbuslinien. Auf der Fernstrecke zwischen Graz und Wien und Graz und dem Wiener Flughafen kooperiert Dr. Richard mit FlixBus. Die Wurzeln des Unternehmens gehen bis ins Jahr 1929 auf die Gründung der „Südburg Kraftwagen-Betriebs GmbH“ zurück, im Jahr 1942 gründete Ludwig Richard das erste Lastentransportunternehmen.
Im Jahr 2024 zog sich sein Enkel, Ludwig Richard, aus der Geschäftsführerrolle zurück und es übernahm ein neues Führungsteam. Einer der drei aktuellen Geschäftsführer, Lukas Hackl, ist seit dem Jahr 2018 in führenden Funktionen für die Dr. Richard Gruppe tätig. Im Interview mit medianet skizziert er Herausforderungen wie die aktuell hohen Treibstoffkosten und neue Chancen durch E-Mobilität.
medianet: Wie sehr betreffen die hohen Spritpreise das Unternehmen. Bringen sie Ihre Kalkulationen durcheinander?
Lukas Hackl: Der aktuelle Konflikt im Nahen Osten stellt uns natürlich vor Herausforderungen. Das ist eine Katastrophe für die gesamte Branche. Im Vergleich zu den Preisen, zu denen ich im Jänner eingekauft habe, sind die Kosten um 40 Prozent gestiegen (Stand Anfang April, Anm.). Es gibt bei uns zwar diverse Indizes, die nachträglich die Inflationsbasis abdecken, wie der Index Kraftfahrlinien oder der klassische VPI (Verbraucherpreisindex, Anm.). Diese Anpassung erfolgt aber erst im Nachgang und im kommenden Jahr erhalten wir die Valorisierung. Das bringt uns im Moment nichts und wir bleiben auf den Mehrkosten sitzen.
medianet: Sie haben langfristige Verträge wie etwa mit den Wiener Linien. Werden die gestiegenen Kosten zeitnah abgegolten?
Hackl: Wir haben eine gesellschaftliche Verantwortung, der wir selbstverständlich nachkommen, und müssen die Lage immer aktuell beurteilen. Wenn der Konflikt längerfristig andauert und die Treibstoffpreise auf hohem Niveau bleiben oder noch weiter steigen, werden wir mit den Auftraggebern sprechen. Da gibt es immer ein partnerschaftliches Einvernehmen.
Für die Wiener Linien etwa haben wir aktuell 135 Fahrzeuge auf 27 Linien im Einsatz und legten dabei im Vorjahr rund siebeneinhalb Mio. Kilometer zurück. In Österreich und der Schweiz sind das insgesamt 56 Mio. Kilometer. Man kann sich vorstellen, dass der Treibstoffpreis eine essenzielle Rolle spielt.
medianet: Wie wird durch die Zusatzkosten Ihr heuriges Betriebsergebnis aussehen?
Hackl: Wir gehen derzeit nicht von der Stilllegung von Fahrzeugen aus, denn bei der Größe und der starken Leistung unseres Betriebs können wir die aktuelle Situation eine längere Zeit durchhalten. Zudem planen wir langfristig den Umstieg auf alternative Antriebe und können bereits Erfolge wie in Salzburg feiern, wo wir heuer die Hälfte unseres Fuhrparks umstellen. Derzeit sind dort mehr als
50 E-Fahrzeuge im Einsatz.
medianet: Airlines verzeichnen einen Buchungsrückgang. Wie sehen Sie die Situation?
Hackl: In Salzburg und der Schweiz spüren wir einen Buchungsrückgang, da wegen des Krieges deutlich weniger Reisegruppen aus dem asiatischen Raum kommen. Dort müssen wir Umsatzeinbußen von 15 Prozent verzeichnen.
medianet: Ist die Kooperation mit den Wiener Linien eine gesetzte Bank, oder wird sie regelmäßig neu verhandelt?
Hackl: Die Verträge laufen in der Regel fünf Jahre. Es wird jede Linie oder ein Linienbündel von den Wiener Linien ausgeschrieben und wir nehmen an den Ausschreibungen teil. Natürlich gibt es Mitbewerber und wir befinden uns im Wettbewerb, dem wir uns stellen. Wir wollen in Wien weiterhin als zuverlässiger Partner, sowohl von den Fahrgästen als auch von unserem Auftraggeber wahrgenommen werden.
medianet: Wo sind ihre Linienbusse überall unterwegs?
Hackl: In allen Bundesländern Österreichs, mit der Ausnahme von Tirol und Vorarlberg.
medianet: Wie sehr ist der Eigentümer Ludwig Richard noch operativ tätig?
Hackl: Er ist nach wie vor präsent und hat uns drei Geschäftsführern das Steuer übergeben. Er selbst ist Aufsichtsratsvorsitzender und wir sind bei Sitzungen in regelmäßigem Austausch.
medianet: Wie sieht die Gewichtung Ihrer Geschäftsfelder aus?
Hackl: Seit 90 Jahren betreiben wir Linien, weshalb diese Sparte 80 Prozent ausmacht, bei der 850 Fahrzeuge zum Einsatz kommen. Zwanzig Prozent entfallen auf unsere rund 220 Reisebusse.
medianet: Sie kooperieren mit FlixBus. Ist eine Ausweitung der Zusammenarbeit geplant?
Hackl: Wir betreiben gemeinsam die Linie von Graz nach Wien bzw. zum Flughafen Wien. Derzeit ist keine Ausweitung der Zusammenarbeit geplant, wir schließen sie aber auch nicht aus. Internationale Fernreisen bieten wir nur im Reisebussegment und nach spezifischen Kundenanfragen an.
medianet: Hat sich das Thema Wasserstoff als Alternativantrieb erledigt?
Hackl: Wir haben in Kärnten seit drei Jahren einen Wasserstoffbus im Einsatz. Allerdings ist er wartungsintensiver als E- oder Dieselfahrzeuge. Zudem ist die Produktion von Wasserstoff noch zu teuer und es ist keine Infrastruktur vorhanden. Für uns ist klar, dass sich bei den Stadtbussen der Elektroantrieb durchsetzen wird. Heute ist dabei eine Reichweite von mehr als 400 Kilometern kein Problem. Wir planen unsere Linien grundsätzlich mit Depot-Charging und errichten an unseren Standorten mit einem entsprechenden Investitionsbudget die nötige Infrastruktur. Damit können die Batterien ohne Probleme über Nacht geladen werden. Das reicht dann für den ganzen Tag.
medianet: Wie sind Ihre Ziele bei der Umstellung auf E-Mobilität?
Hackl: Wir haben uns bei den Stadtbussen intern das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 60 Prozent der innerstädtischen Flotte umzustellen und bis 2035 zu 100 Prozent.
medianet: Immer mehr Transportunternehmen produzieren eigenen Strom. Gibt es dazu bei Dr. Richard Planungen?
Hackl: Wir sind hier sehr technologieoffen. Am Standort Salzburg haben wir etwa am Flugdach eine PV-Anlage errichtet und dafür im Vorjahr einen Preis vom VCÖ erhalten. Dort erreichen wir eine Peak-Leistung von mehr als einem Megawatt.
medianet: Vor allem die Wiener Linien klagen über Personalmangel – Sie auch?
Hackl: Als größtes privates Busunternehmen im deutschsprachigen Raum beschäftigen wir mehr als 1.900 Mitarbeiter in 26 unterschiedlichen Berufsfeldern. Dabei sind Buslenker natürlich eine unserer essenziellen Berufsgruppen. Im urbanen Raum haben wir aktuell keine Probleme Personal zu finden, im ländlichen Raum wird es schon schwieriger.
Wir setzen auf die eigene Ausbildung im Betrieb und kooperieren mit der Umweltstiftung Aufleb und einem AMS-Programm mit einer Fahrschule. Das wollen wir auch fortführen. In Corona-Zeiten war der Fahrermangel aber durchaus ein großes Thema.
medianet: Wie sieht es mit autonomem Fahren aus?
Hackl: Das sehe ich in den kommenden zehn Jahren nicht, da die Datensammlung hierfür stark ausschlaggebend ist. Es gibt aber Projekte in diese Richtung in Österreich wie beispielsweise das Projekt ‚Roberta‘, das gerade erst beginnt.
