ÖBB: Mehr Fahrgäste, weniger Gewinn
© ÖBB/Lukas Leonte
ÖBB-Holding AG-CEO Andreas Matthäe und CFO Manuela Waldner bei der Bilanzpressekonferenz.
MOBILITY BUSINESS Redaktion 24.04.2026

ÖBB: Mehr Fahrgäste, weniger Gewinn

Mit 559 Mio. Fahrgästen konnte wieder Rekord im Personenverkehr erzielt werden, doch die Rezession drückt das Ergebnis auf 68 Mio. Euro. Das Umfeld für Schienengüterverkehr bleibt besonders schwierig.

WIEN. Die ÖBB konnten im Jahr 2025 insgesamt 559 Mio. Fahrgäste im Bus- und Bahn-Verkehr verzeichnen. Das entspricht einem Zuwachs von 1,4 Prozent, im Jahr 2024 waren es 551 Mio. Das Konzernergebnis vor Steuern (EBT) war deutlich positiv bei 68,1 Mio. Euro, sank aber im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent, nicht zuletzt als Folge der anhaltenden industriellen Rezession in Europa und insbesondere in Österreich.

Speziell der Schienengüterverkehr bekam die Auswirkungen dieser Entwicklung zu spüren. Im Güterverkehr ist die Transportleistung aufgrund der Industrierezession um vier Prozent auf 26,2 Milliarden Nettotonnenkilometer gesunken. Die Nachfrage nach Logistikleistungen ist zurückgegangen. Zudem hat ein harter Preiswettbewerb mit der Straße das Umfeld geprägt.

„Das Geschäftsjahr 2025 war für uns ein Jahr mit Licht und Schatten. Vor allem der Start der Koralmbahn war natürlich eine absolute Sternstunde. Unsere Fahrgastzahlen waren auch 2025 sehr zufriedenstellend, denn 559 Mio. Menschen sind mit den ÖBB gefahren“, unterstreicht ÖBB-CEO Andreas Matthä. Er spricht aber auch die wirtschaftliche schwierige Situation an: „Die Industrierezession drückt auf unser ÖBB-Ergebnis. Das EBT des Konzerns, also der Gewinn vor Steuern, liegt bei rund 68 Mio. Euro. Das ist zwar ganz klar positiv, aber doch ein spürbarer Rückgang von rund 40 Prozent gegenüber 2024.“

Finanziell war erneut der Personenverkehr Ergebnisträger bei den ÖBB
Das EBT des Teilkonzerns hat sich 2025 von 70 auf 228 Mio. Euro erhöht. Der starke Anstieg geht vor allem auf einen Einmaleffekt in Zusammenhang mit einer Gutschrift von Infrastrukturbenutzungsentgelt (IBE) zurück. Aber auch ohne diesen Effekt ist das Ergebnis auf 102 Mio. Euro gestiegen. Anders beim Güterverkehr: Die wirtschaftliche Situation hat die Kundennachfrage gedämpft und zu einem Rückgang des Transportvolumens geführt. Eine Sonderabschreibung und handels- und zollpolitischen Verwerfungen im Agrarbereich haben zu einem Ergebnis von minus 135,5 Mio. Euro (im Vorjahr 24,5 Mio. Euro) geführt. Bereits im vergangenen Jahr wurden zahlreiche Maßnahmen zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit im Konzern gestartet. Die ÖBB-Infrastruktur AG hat abermals einen Anstieg der Betriebsleistung um drei Prozent auf 177 Mio. Zugkilometer verzeichnet und ein Ergebnis von 15 Mio. Euro EBT erwirtschaftet, um rund 2,5 Mio. Euro mehr als 2024.#

Hohe Investitionen trotz Einsparungen
Im Rahmen der Budgetkonsolidierung durch die österreichische Bundesregierung haben die ÖBB als eines der großen Unternehmen im Staatseigentum im Mai 2025 ein Einsparungsziel von ihrem Eigentümer erhalten. Insgesamt wurden die Investitionen laut Rahmenplan 2025 bis 2030 um rd. 300 Mio. Euro pro Jahr reduziert. Die größten Investitionen im Vorjahr waren die Fertigstellung der Koralmbahn, der Brenner Basistunnel, der Semmering Basistunnel und die Modernisierung der Wiener Schnellbahn-Stammstrecke.

Weitere Großinvestitionen sind in neue Kraftwerke zur Erzeugung von erneuerbarer Energie geflossen. Mehr als 25 neue PV-Anlagen sind österreichweit in Betrieb gegangen und haben die jährliche Sonnenstromproduktion auf rd. 65 GWh erhöht, was einem Plus von rund 26 GWh gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Neben Photovoltaik bleibt die Wasserkraft eine tragende Säule der CO₂-freien Bahnstromproduktion. 2025 hat das ÖBB Kraftwerk Spullersee sein 100-jähriges Jubiläum gefeiert. Das Werk wurde 2021 umfassend modernisiert und sichert gemeinsam mit dem Kraftwerk Braz bei Bedarf die vollständige Bahnstromversorgung in Vorarlberg – ein wichtiger Beitrag zur regionalen Versorgungssicherheit. Der Eigenversorgungsanteil von Bahnstrom, der seit 2018 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen stammt, soll bis 2030 von 60 Prozent auf 80 Prozent erhöht werden.

Darüber hinaus wurden Digitalisierungsprojekte, Elektrifizierungen und Bahnhofsmodernisierungen durchgeführt. Im Personenverkehr wurde in die sukzessive Modernisierung der Flotte investiert. Im vergangenen Jahr wurden 49 neue Züge angeschafft, weitere 130 sollen 2026 und 2027 folgen.

 

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