Gastkommentar ••• Von Hans Harrer
WIEN. Die durch den Nahost-Konflikt steigenden Energiepreise erzeugen panikgetriebene Reaktionen in Politik und Medien – und treiben Verbraucher am Ende tiefer in die Kostenfalle. Maßnahmen, die Marktmechanismen behindern, führen langfristig zu höheren Kosten. Die angekündigte Spritpreisbremse zeigt diesen Aktionismus: Kurzfristig dämpft sie Preise, langfristig verzerrt sie den Markt.
Seit März 2026 dürfen Tankstellen Preise nur noch dreimal pro Woche erhöhen, Senkungen sind jederzeit möglich. In der Praxis setzen Betreiber die Preise daher zunächst höher an und korrigieren sie – wenn überhaupt – nur leicht nach unten.
Wären hingegen Erhöhungen frei und Senkungen limitiert, würden Preise tiefer starten und sich durch Wettbewerb auf dem niedrigstmöglichen Niveau einpendeln. Die aktuelle Regelung bewirkt das Gegenteil: Sie verzerrt den Markt und belastet Konsumenten.
Merit Order funktioniert
Auch am Strommarkt gilt: Das Merit-Order-Prinzip funktioniert. Günstige Energiequellen kommen zuerst zum Einsatz, das teuerste benötigte Kraftwerk bestimmt den Preis. Dieses System sichert Versorgung und setzt Investitionsanreize. Politische Preisdeckel können diese Mechanik nicht ersetzen.
Das Problem liegt anderswo: Energieversorger – insbesondere in öffentlichem Eigentum – sind nicht verpflichtet, günstige Produktionskosten weiterzugeben. Strom aus längst abgeschriebenen Wasserkraftwerken könnte deutlich günstiger angeboten werden. In einem stärker wettbewerblichen Markt wäre das üblich. Tatsächlich verhindern Eigentümerstrukturen und Einnahmeninteressen oft genau diesen Wettbewerb.
Kurzfristige Eingriffe greifen daher auch zu kurz. Nachhaltige Entlastung entsteht nur durch funktionierende Märkte. Inflation muss an der Wurzel bekämpft werden: durch solide Budgetpolitik, weniger Bürokratie, wettbewerbsfreundliche Rahmenbedingungen und eine konsequente Energiepolitik. Dazu zählen der Ausbau heimischer Energiequellen ebenso wie leistungsfähige Netze und schnellere Genehmigungen.
Mehr Wettbewerb
Um stabile Preise und Versorgungssicherheit zu gewährleisten, braucht es mehr Wettbewerb – insbesondere durch eine Entflechtung der Eigentümerstrukturen – sowie die Nutzung aller heimischen Energiepotenziale von Gas über Wasserkraft bis zu erneuerbaren Quellen.
Hans Harrer ist Vorstandsvorsitzender des Senat der Wirtschaft und darüber hinaus Projektentwickler erfolgreicher Tourismus- und Immobilienkonzepte.
