PRIMENEWS
Weltwirtschaft wächst sehr unausgewogen
10.04.2015

Weltwirtschaft wächst sehr unausgewogen

Gastkommentar Analyse zur globalen Konjunktur

Philippe Waechter, Chief Economist Natixis Asset Management; http://ngam.natixis.comDie abgedruckten Gastkommentare geben ausschließlich die Meinung des Verfassers wieder. Wir behalten uns das Recht auf Kürzung vor.

Wandel 2015 dürfte die Weltwirtschaft sehr unausgewogen wachsen. So werden Länder mit einem höheren Ölverbrauch von den gesunkenen Ölpreisen profitieren, was das Wachstum in diesen Staaten antreiben sollte. Das gilt jedoch nicht für die Schwellenländer und China. Im Wachstumstrend Chinas spiegelt sich inzwischen eine Reallokation der Ressourcen weg von einem exportbestimmten und hin zu einem eher konsumbasierten Wirtschaftsmodell wider. Diese Übergangsphase dürfte allerdings viel Zeit in Anspruch nehmen, da die Bevölkerung und die Unternehmen in China heute andere Ziele als früher verfolgen und daher umdenken müssen. Derartige Phasen des Wandels lassen sich nur schwer steuern. Aufgrund der wirtschaftlichen Ungleichgewichte ist dies mittlerweile aber noch schwieriger geworden.

USA: Wachstum dank interner Nachfrage

In den USA lässt sich derweil ein ganz anderer Wachstumstrend beobachten. Dort hat im letzten Frühjahr eine kräftige Erholungstendenz eingesetzt. Dieses Wachstum beruhte in erster Linie auf der internen Nachfrage im US-Privatsektor, also auf Konsum und Investitionen. Gleichzeitig ist die Abhängigkeit von Energieimporten dank des Ölschiefer-Booms inzwischen geringer als vorher. Das US-Wachstum profitiert demnach von seiner neuen Autonomie. Zwar beeinflusst der positive Trend in den USA nach wie vor die globale Konjunktur, ist aber nicht mehr die Triebfeder wie früher.Der Euroraum könnte 2015 für eine große Überraschung sorgen: Ein niedrigerer Euro-Wechselkurs sollte die Wettbewerbsfähigkeit dieser Region steigern. Darüber hinaus sollten die gesunkenen Ölpreise der Kaufkraft der Privathaushalte ebenso zugutekommen wie den Gewinnmargen der Unternehmen. Die sehr lockere Geldmarktpolitik der EZB dürfte das Wirtschaftswachstum im weiteren Verlauf dieses Jahres ebenfalls beflügeln.

Japan: Erfolg von „Abenomics” nicht absehbar

In Japan, der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt, bleibt das Wachstumsumfeld sehr schwierig. Die Erholungstendenz aus dem Jahr 2013 geriet 2014, als die Umsatzsteuer angehoben wurde, ins Stocken. Und wie die Maßnahmen der sogenannten Abenomics von Premierminister Shinzo Abe – zu denen ja auch eine bereits jetzt sehr lockere Geldmarktpolitik zählt – die Wirtschaft wieder auf den Erholungspfad zurückführen können, erschließt sich mir nicht. Das größte Problem für das japanische Wachstum ist die immer älter werdende Bevölkerung dieses Landes. Dieses wirtschaftliche Problem kann jedoch nicht allein durch eine kurzfristige Anpassung der Geldmarkt- und Fiskalpolitik gelöst werden.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL