WIEN. Die Unsicherheit über ein stabiles Abkommen zwischen den USA und dem Iran hat die Konjunkturstimmung in Österreich zur Jahresmitte belastet. Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator sank im Juni auf minus 1,8 Punkte. Nach minus 0,8 Punkten im ersten Quartal lag der Wert im zweiten Quartal im Durchschnitt bei minus 1,7 Punkten.
„Nach der leichten Verbesserung im Vormonat sank der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator im Juni auf minus 1,8 Punkte. Nach minus 0,8 Punkte in den ersten drei Monaten des Jahres hat sich angesichts des Kriegs in der Golfregion der Indikator im zweiten Quartal auf durchschnittlich minus 1,7 Punkte verschlechtert“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer und ergänzt: „Für das gerade abgelaufene zweite Quartal zeigt der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator nach den moderaten Wachstumsraten der Vorquartale eine Konjunkturverlangsamung an. Wir gehen für die vergangenen drei Monate von einer Stagnation der österreichischen Wirtschaft im Vergleich zum Jahresbeginn aus. Dennoch dürfte das BIP in Österreich im ersten Halbjahr um 0,8 Prozent im Jahresvergleich zugelegt haben.“
Besonders die Stimmung im Dienstleistungssektor verschlechterte sich deutlich. Auch Industrie und Bauwirtschaft standen weiter unter Druck, wobei sich die Lage am Bau zuletzt etwas stabilisierte. Im Hochbau fehlte es weiterhin an Neugeschäft, während sich die Auftragslage im Tiefbau und in den Nebengewerben leicht verbesserte.
„Besonders stark fiel der Stimmungseinbruch seit Jahresbeginn im Dienstleistungssektor aus, gedämpft von einer gestiegenen Verunsicherung der heimischen Konsumenten. Doch auch in der Industrie und in der Bauwirtschaft war die Konjunkturlage deutlich stärker angespannt“, meint Bruckbauer und ergänzt: „Während sich im Juni die Stimmung im Dienstleistungssektor und in der Industrie im Vergleich zum Vormonat wieder eintrübte, zeigte sich zumindest am Bau eine gewisse Stabilisierung der Lage.“
Erholung im zweiten Halbjahr erwartet
Die Belastungen durch den Golfkonflikt sorgten im zweiten Quartal für eine Abschwächung der österreichischen Wirtschaft. Während die Industrie nur dank des Energiesektors leicht expandieren konnte und die Bauwirtschaft ihre Produktionsleistung hielt, verzeichneten mehrere Dienstleistungsbereiche, darunter Handel und Gastgewerbe, Umsatzrückgänge.
Für die zweite Jahreshälfte erwartet UniCredit Bank Austria eine moderate Erholung, sofern die geopolitischen Spannungen begrenzt bleiben. Die Prognosen für das Wirtschaftswachstum bleiben unverändert: Für 2026 wird ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 0,8 Prozent erwartet, für 2027 ein Wachstum von 1,2 Prozent.
Am Arbeitsmarkt hat sich die Lage zuletzt verschlechtert. Die Arbeitslosenquote lag im Juni saisonbereinigt bei 7,6 Prozent. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet UniCredit Bank Austria mit einer durchschnittlichen Arbeitslosenquote von 7,5 Prozent. Eine Verbesserung wird erst mit der erwarteten wirtschaftlichen Erholung im Jahr 2027 gesehen.
Die Inflationsprognosen wurden hingegen leicht gesenkt. Für 2026 erwartet UniCredit Bank Austria nun eine Teuerungsrate von 3,2 Prozent statt bisher 3,4 Prozent, für 2027 werden 2,5 Prozent statt 2,6 Prozent prognostiziert. Trotz der geopolitischen Risiken wird der Preisdruck bei Energie als geringer eingeschätzt.
Bei der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank rechnet UniCredit Bank Austria weiterhin mit einer weiteren Leitzinsanhebung um 25 Basispunkte nach dem Sommer. Danach dürfte die EZB eine abwartende Haltung einnehmen. (red)