Handelsverband sieht Licht und Schatten bei Budgeteinigung
© APAHelmut Fohringer
Rainer Will, Handelsverband
RETAIL Redaktion 29.04.2026

Handelsverband sieht Licht und Schatten bei Budgeteinigung

WIEN. Der Handelsverband bewertet die Einigung der Bundesregierung auf die Eckpunkte des Doppelbudgets 2027/28 als wichtigen Schritt, ortet jedoch in zentralen Punkten weiterhin deutlichen Nachbesserungsbedarf. Positiv hervorgehoben wird insbesondere die geplante Senkung der Lohnnebenkosten, während andere Maßnahmen kritisch gesehen werden.

„Für den Handel mit seinen 605.000 Beschäftigten ist die Senkung der Lohnnebenkosten ein zentraler und längst überfälliger Schritt. Entscheidend ist jedoch eine rasche Umsetzung ohne gegenläufige steuerliche Belastungen“, sagt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands.

Auch geplante Investitionen in Kinderbetreuung und Arbeitsmarktmaßnahmen werden grundsätzlich begrüßt. „Der Ausbau der Elementarpädagogik ist ebenfalls eine langjährige Forderung des Handelsverbands. Bessere Kinderbetreuung erleichtert den Alltag unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ganz konkret und verbessert gleichzeitig die Verfügbarkeit von Arbeitskräften“, so Will.

Kritik an Tempo und Steuerpolitik
Kritisch beurteilt der Handelsverband den vorgesehenen Zeitpunkt der Entlastung. „Die Senkung der Lohnnebenkosten kommt sehr spät. Viele Betriebe stehen aktuell unter massivem Druck – sie brauchen jetzt spürbare Entlastung und nicht erst in zwei Jahren“, so Will.

Deutliche Kritik gibt es zudem an der geplanten Erhöhung der Körperschaftsteuer. „Zusätzliche steuerliche Belastungen für Unternehmen in einem Hochsteuerland wie Österreich mit extremer Regulierungsdichte und zu viel Bürokratie lehnen wir entschieden ab. Viele unserer Mitglieder sind davon direkt betroffen. Es ist sehr unsportlich, 1 Million Euro als großen Gewinn hinzustellen – ganz unabhängig von der Höhe des Umsatzes und Größe des Unternehmens. Wir bedauern, dass die Entlastung bei den Lohnnebenkosten durch gegenläufige Maßnahmen relativiert wird“, betont Will.

Darüber hinaus verweist der Handelsverband auf offene Fragen bei der konkreten Ausgestaltung des Budgets. Unklare Details zur Gegenfinanzierung und fehlende Strukturreformen würden weiterhin Unsicherheit für Unternehmen schaffen. „Wenn wir den Standort stärken wollen, dann braucht es echte Entlastung. Die KöSt-Erhöung sehen wir als klaren Standortnachteil für beschäftigungsintensive, größere Firmen. Die Senkung der Lohnnebenkosten darf nicht durch neue Belastungen neutralisiert werden, während wir auf echte Strukturreformen weiter warten“, so Will.

Mit Blick auf die weiteren Verhandlungen fordert der Handelsverband konkrete Maßnahmen, die kurzfristig Entlastung bringen und langfristig Planungssicherheit schaffen. (red)

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