Rückgrat Nahversorger: Rewe legt weiter zu
© Robert Harson
Marcel Haraszti
RETAIL Redaktion 30.04.2026

Rückgrat Nahversorger: Rewe legt weiter zu

Rewe International AG-Chef Marcel Haraszti blickt auf ein Jahr mit Wachstum auf breiter Basis zurück.

• Von Christian Novacek

Die Rewe Group Österreich behauptet sich im angespannten wirtschaftlichen Umfeld: 2025 steigerte das Unternehmen den Bruttoumsatz in Österreich um 2,2% auf 11,36 Mrd. €. Gemeinsam mit den internationalen Handelseinheiten Penny International und Billa CEE stemmt die Gruppe einen Gesamtbruttoerlös von 24,9 Mrd. € (+4,7%) – und bezeichnet sich damit als der „größte Händler mit Sitz in Österreich“.

Fit für die Zukunft
„2025 war ein Jahr der Erneuerung. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen konnten wir unsere Position festigen und wichtige Zukunftsprojekte realisieren“, beurteilt das Marcel Haraszti, Vorstand der Rewe International AG.
Parallel dazu treibt der Konzern seine Investitionsoffensive konsequent voran: Bis Ende 2027 sollen insgesamt 1,5 Mrd. €
in den Standort Österreich fließen, allein 300 Mio. € waren es zuvor im Jahr 2025 und weitere 350 Mio. € sind es im laufenden Jahr.

Starker Großhandel
Zentraler Pfeiler einer positiven Entwicklung ist der Großhandel. Er erzielte 2025 ein Wachstum von satten 7,9% und erwies sich damit als besonders dynamischer Bereich innerhalb der Gruppe. Starke Wachstumstreiber dabei waren das Convenience-Segment sowie Kooperationen mit Tankstellenpartnern an rund 630 Standorten. Zusätzlich profitierte der Bereich von einer erfolgreichen Neukundenakquise und einer engen Verzahnung mit der regionalen Nahversorgung.
Entsprechend massiv wird derzeit in die Logistik investiert: Mit dem neuen Logistikzentrum „Alpha“ in Wiener Neudorf entsteht um rund 600 Mio. € die größte Einzelinvestition der Unternehmensgeschichte. Die Anlage soll die Warenversorgung automatisieren, effizienter gestalten und langfristig absichern.

1,9 Mio. Billa-Kunden am Tag
Billa entwickelte sich 2025 solide und erzielte ein Umsatzplus von 1,4%. Täglich besuchen rund 1,9 Mio. Kunden die Märkte, womit die Vertriebslinie eine zentrale Rolle in der österreichischen Nahversorgung spielt. Strategisch setzt das Unternehmen verstärkt auf den Ausbau der Kaufleute-Struktur. Bis Ende 2025 umfasst diese 40 Standorte, bis 2030 sollen rund 200 Märkte von selbstständigen Kaufleuten geführt werden.

Gleichzeitig bleibt die regionale Verankerung ein zentrales Element der Strategie. Billa bezieht jährlich Produkte im Wert von über zwei Milliarden Euro von heimischen Lieferanten und stärkt damit die österreichische Landwirtschaft und Wertschöpfung. Auch im Sortiment setzt das Unternehmen klare Akzente. Frischfleisch – inklusive Geflügel und Aktionsware – stammt ausschließlich aus Österreich. Der Tierwohl-Anteil liegt bei über 50% des Umsatzes im Segment. Im Bio-Bereich zeigt sich ebenfalls ein Aufwärtstrend: Bei Brot und Gebäck liegt der Bio-Anteil bei über 50%, bei Frischmilch bei über 30% und bei Gemüse bei 29%. Insgesamt wuchsen damit die Bio-Umsätze deutlich stärker als jene im konventionellen Bereich.
Gleichzeitig baut Billa seine Position im pflanzlichen Sortiment weiter aus – mit mehr als 7.000 plant-based Produkten bei Billa Plus.

Nahversorgung im Herzen
Ein zentraler Baustein für die regionale Nahversorgung lautet auf Adeg, ganz besonders in kleineren Gemeinden. Hier spielt das Kaufleute-Modell seine Stärken aus und sichert Versorgung dort, wo große Formate an ihre Grenzen stoßen.
Zusätzliche Expansionsdynamik brachte hier die Integration ehemaliger Unimarkt-Standorte ein. Ein Teil der Flächen wird als Adeg weitergeführt, andere wurden von Billa und Penny übernommen. Insgesamt wurden elf Standorte als Adeg neu eröffnet, sieben gingen an Billa und drei an Penny – für die Rewe Group ein klares Zeichen für die Sicherung der regionalen Nahversorgung in Oberösterreich, Niederösterreich und der Steiermark.

Konsolidierter Penny
Penny Österreich hielt in 2025 das Umsatzniveau stabil, nachdem in den beiden Vorjahren zusammen ein Wachstum von 14,5% erzielt worden war. Nun läuft die größte Filialmodernisierung der Unternehmensgeschichte an: In den kommenden drei Jahren investiert das Unternehmen rund 90 Mio. € in ein neues Ladenlayout mit klarem Fokus auf Frische.
Insbesondere das Fleischsortiment wird durch eigene Fleischhauer in zahlreichen Filialen gestärkt. Ergänzt wird das durch ein erweitertes Angebot bei Obst, Gemüse sowie Brot und Gebäck. Parallel dazu baut Penny seine Lehrlingsausbildung aus und setzt konzentriert auf praxisnahe Formate, bei denen Lehrlinge Einblicke in unterschiedliche Unternehmensbereiche erhalten und Verantwortung übernehmen.

Bipas Profilschärfung
Bipa schaffte 2025 ein Umsatzplus von 2,3%. Neben der soliden Entwicklung im Inland setzt das Unternehmen verstärkt auf Profilbildung, etwa im Bereich Frauengesundheit. Augenfällig war die Kampagne „Ehrlich gesagt“ – sie positioniert Bipa als relevante Stimme im Themenfeld. Evidentermaßen ist das gesellschaft­liche Engagement zentraler Bestandteil der Strategie – etwa anhand der Initiative „Rote Box“, über die monatlich 27.000 Gutscheine für Periodenprodukte bereitgestellt werden.
Im Eigenmarkenbereich setzt Bipa verstärkt auf internationale Nutzung. Marken wie bi good oder Babywell sind in mehreren Rewe-Ländern im Einsatz.

International auf Vormarsch
Im internationalen Geschäft konnte die Rewe 2025 klar zulegen: Diskonter Penny setzte mit einer Umsatzsteigerung auf
9,9 Mrd. € (+6,3%) seinen Wachstumskurs fort. Besonders dynamisch entwickelte sich Rumänien mit einem Plus von 13,8% sowie 40 neu eröffneten Filialen. Auch in Tschechien und Ungarn konnte das Diskontformat spürbar zulegen.
„Unsere Landesgesellschaften haben 2025 in einem anspruchsvollen Umfeld ihre Stärke bewiesen. Wir investieren konsequent in die Modernisierung unserer Infrastruktur, in Preiswürdigkeit und in die Entwicklung unserer Mitarbeiter“, kommentiert Michael Jäger, Vorstand der Rewe International AG und ­zuständig für Penny International.
Billa CEE wiederum erzielte an 891 Standorten ein Umsatzplus von 6,2% auf 4,9 Mrd. €. „Mit unseren Investitionen in Logistik, Expansion und Ausbildung stellen wir sicher, dass wir langfristig stabil und leistungsfähig bleiben“, so Haraszti.

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