•• Von Alexander Haide
Steigende Kerosinpreise durch den Konflikt im Nahen Osten. Urlauber und Ex-Pats meiden die einstigen Luxus-Paradiese in den Golfstaaten. Überflüge über Israel und den Iran sind de facto unmöglich, genauso wie seit dem Februar 2022 über Russland. Hinzu kommt das erratische Verhalten des US-Präsidenten, der Touristen vor der Visa-Erteilung digital durchleuchten will. Trotz aller widrigen Umstände und einer unsicheren Kostenstruktur ortet Gregor Kadanka, Fachgruppenobmann der Reisebüros bei der WKO und Geschäftsführer von Mondial Reisen, keine Einbrüche bei den Buchungen.
medianet: Wie würden Sie im Allgemeinen die Situation der Reisebüros aufgrund der diversen Probleme und Konflikte beschreiben?
Gregor Kadanka: Angesichts der aktuellen globalen Verwerfungen befindet sich die Reisebürobranche in einer herausfordernden, aber insgesamt stabilen Situation. Die Reiselust ist ungebrochen, gleichzeitig steigt der Bedarf an Orientierung und professioneller Beratung deutlich und damit der Aufwand. Reisebüros sind heute mehr denn je Navigationshilfe in einer komplexer gewordenen Welt.
medianet: Wie sehr betrifft der Konflikt im Nahen Osten das Buchungsverhalten, Stornierungen und Angebote von Reisebüros für Kunden?
Kadanka: Der Konflikt im Nahen Osten führt nicht zu einem generellen Rückgang der Nachfrage, sondern zu einer Verlagerung. Bestimmte Regionen werden aktuell gemieden, andere gewinnen an Attraktivität. Gleichzeitig beobachten wir ein vorsichtigeres Buchungsverhalten mit kürzeren Vorlaufzeiten und einem stärkeren Fokus auf Sicherheit und Flexibilität. Die Menschen reisen weiterhin, aber bewusster und mit höherem Informationsbedarf.
medianet: Die Fluglinien erhöhen ihre Preise aufgrund der Kerosinkosten. Wie werden diese an Kunden weitergegeben?
Kadanka: Die steigenden Kerosinkosten wirken sich, zeitverzögert, auf die Flugpreise aus. Grundsätzlich gilt aber: Preise entstehen im Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage – und genau hier zeigt sich aktuell eine hohe Dynamik. Umso wichtiger ist eine gute Beratung, um für den jeweiligen Reisezeitraum und die gewünschte Destination das passende und preislich sinnvolle Angebot zu finden. Wer zudem auf Pauschalreisen und flexible Tarife setzt, ist gut abgesichert und kann auch bei Änderungen der Rahmenbedingungen entspannt reagieren.
medianet: Wie sieht es mit Kostenerhöhungen bei Bus- und Bahnreisen aus?
Kadanka: Auch im Bereich Bus- und Bahnreisen ist ein gewisser Kostendruck durch Energiepreise spürbar, gleichzeitig gewinnen diese Reiseformen an Bedeutung, da sie als besonders stabil und gut planbar wahrgenommen werden.
medianet: Gibt es Preiserhöhungen bei Hotels durch gestiegene Energiekosten?
Kadanka: Bei Hotels führen gestiegene Energie- und Betriebskosten ebenfalls zu Preisanpassungen, wobei viele Betriebe bemüht sind, diese nur moderat weiterzugeben, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
medianet: Wie sehen Sie in näherer Zukunft die Entwicklungen bei Reisen in die Golfstaaten und nach Asien?
Kadanka: Reisen in die Golfstaaten und nach Asien sind derzeit von einer gewissen Zurückhaltung geprägt. Das grundsätzliche Interesse bleibt bestehen, allerdings verschieben viele Kunden ihre Reisepläne oder entscheiden sich vorübergehend für alternative Destinationen.
medianet: Wie sieht es mit Reisen nach Israel aus?
Kadanka: Reisen nach Israel spielen aktuell im touristischen Geschäft praktisch keine Rolle.
medianet: In Richtung Westen – können Sie eine Veränderung im Buchungsverhalten bei Reisen in die USA erkennen?
Kadanka: In Richtung Westen zeigt sich, dass die Nachfrage nach den USA derzeit etwas schwächer ist, während alternative Fernziele wie Südamerika, die Karibik, Mexiko und Kanada deutlich an Attraktivität gewinnen. Viele Kundinnen und Kunden orientieren sich hier neu und suchen nach Destinationen, die sowohl Sicherheit als auch neue Reiseerlebnisse bieten.
Insgesamt ist die Situation derzeit sehr volatil. Viele Kundinnen und Kunden warten bewusst ab, da nicht absehbar ist, wie lange der Konflikt andauern wird. Gleichzeitig besteht die Hoffnung auf eine baldige Entspannung, was sich erfahrungsgemäß auch rasch wieder in einer steigenden Buchungsdynamik niederschlagen kann.
medianet: Was raten Sie derzeit Kunden, die noch eine Reise im Sommer oder Herbst planen? Jetzt buchen oder zuwarten?
Kadanka: Für Kunden, die eine Reise für Sommer oder Herbst planen, gilt: Wer flexibel bucht und sich gut beraten lässt, kann auch jetzt guten Gewissens planen. Nicht zu reisen ist in den meisten Fällen nicht notwendig – entscheidend ist, klug und abgesichert zu buchen.
medianet: Sehen Sie magere Zeiten auf Reisebüros zukommen?
Kadanka: Von ‚mageren Zeiten‘ für Reisebüros kann keine Rede sein, allerdings verändert sich der Markt. Die Anforderungen steigen, ebenso der Beratungsbedarf. Genau hier liegt die Stärke der Branche: Reisebüros schaffen Sicherheit und helfen, im Spannungsfeld von Angebot, Nachfrage und Preis die richtige Entscheidung zu treffen.
