KI als Killer für Reisebüros?
© Raimo Rumpler
Gregor Kadanka
DESTINATION Redaktion 06.02.2026

KI als Killer für Reisebüros?

Gregor Kadanka, Fachgruppenobmann der Reisebüros bei der WKO und Mondial Reisen-Chef, beruhigt.

••• Von Alexander Haide

WIEN. Reiseplanung mittels KI gilt für viele als Revolution in der Branche. Doch leiten Layla und Co. wirklich das Ende der Reisebüros ein? Gregor Kadanka, Fachgruppenobmann der Reisebüros beim Fachverband der Wirtschaftskammer Österreich und geschäftsführender Gesellschafter bei Mondial Reisen, antwortet.

medianet: Ist eine Künstliche Intelligenz der Beratung im Reisebüro überlegen?
Gregor Kadanka: Derzeit ganz klar nein. Es gibt zwar einen gewissen Hype, und KI ist 24/7 verfügbar, schnell im Vergleichen und gut darin, Vorschläge zu generieren. Aber das wichtigste Kriterium in der Reiseplanung ist Richtigkeit und Verlässlichkeit. Genau hier liegt aktuell die Schwäche. KI kann halluzinieren, also Informationen erfinden oder falsch kombinieren. Für komplexe Reisen, individuelle Anforderungen oder Sonderfälle ist das ein echtes Risiko.

medianet: Welche Schritte müssen Reisebüros unternehmen um mitzuhalten?
Kadanka: Reisebüros müssen KI als Werkzeug verstehen, nicht als Ersatz. Das bedeutet: KI sinnvoll in interne Prozesse integrieren, etwa für Recherche, Ideensammlungen oder Angebotsvarianten, aber die finale Bewertung und Verantwortung bleibt beim Profi. Gerade lokale Tipps, aktuelle Situationen vor Ort oder das Einordnen von Qualität und Risiken sind Stärken erfahrener Reiseberater und kaum vollständig automatisierbar.

medianet: Muss das Berufsbild um ‚perfektes Prompten‘ erweitert werden?
Kadanka: Ja, bis zu einem gewissen Grad. Reiseprofis sollten wissen, wie man KI gezielt steuert, um bessere Ergebnisse zu erhalten. Aber noch wichtiger ist die fachliche Kompetenz, um die KI-Ergebnisse kritisch zu prüfen und einzuordnen. Ohne Erfahrung und Know-how kann man KI nicht einfach auf Kunden loslassen.

medianet: Setzen Sie bei Mondial Reisen KI bereits ein und wenn ja, wozu?
Kadanka: Ja, wir testen KI, allerdings bewusst nicht direkt am Kunden. Wir nutzen sie als Hilfsmittel für Profis, zum Beispiel zur Strukturierung von Ideen, zur ersten Recherche oder zur Vorbereitung von Texten. Die Beratung, Auswahl und Verantwortung liegen weiterhin beim Menschen.

medianet: Wie sehr wird KI Reisebüros Geschäft wegnehmen?
Kadanka: KI wird einfache, standardisierte Buchungen beeinflussen. Das ist realistisch. Aber sie leitet nicht das Ende klassischer Reisebüros ein. Im Gegenteil. Je komplexer und hochwertiger die Reise, desto wichtiger werden persönliche Beratung, Erfahrung und Vertrauen.

medianet: Würden Sie persönlich eine KI zur Reiseplanung verwenden?
Kadanka: Ja, als Inspiration und Unterstützung. Aber nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage. Für die finale Planung würde ich immer auf menschliche Expertise setzen.

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