FINANCENET
Analyse: Assekuranzen haben den Blues © Panthermedia.net/Zmijak
© Panthermedia.net/Zmijak

Redaktion 20.09.2019

Analyse: Assekuranzen haben den Blues

Die kommenden Veränderungen und hausgemachte Probleme sorgen für Stimmungstief bei Versicherern.

••• Von Reinhard Krémer

Die Versicherer stehen weltweit vor großen Veränderungen, die die Branche auf den Kopf stellen werden. In Österreich kommen dann noch ein paar „hausgemachte” Probleme dazu. Das sorgt für Kopfzerbrechen und drückt die Stimmung, wie die aktuelle Studie „Insurance Banana Skins” des Beratungsunternehmens PwC zeigt, die gemeinsam mit dem Centre for the Study of Financial Innovation (CSFI) umgesetzt wurde.

Die Analyse, die seit 2007 im Zweijahresrhythmus durchgeführt wird, basiert auf 927 Befragungen in 53 Ländern, darunter 30 Befragte aus Österreich. Neben den globalen Themen, die die ganze Branche betreffen, gibt es hierzulande fünf Themen, die für Stirnrunzeln sorgen.

Wo der Schuh drückt

Das sind die fünf größten Sorgen der österreichischen Versicherungsbranche:


Platz 1 – Regulierung: Für Öster­reichs Versicherer stellt das regulatorische Risiko die größte Herausforderung dar (weltweit: Platz 4), vor allem wegen der hohen Kosten für Bürokratie und Compliance-Maßnahmen.

Die Befragten betrachten auch die zunehmende Marktkonzentration mit Besorgnis. Kleine Versicherungsunternehmen hätten aufgrund des regulatorischen Aufwands und Kostendrucks keine Überlebenschance. Dies führe zu einer Art Oligopolmarkt, der möglicherweise nicht mehr alle Kundenbedürfnisse befriedigt.


Platz 2 – Veränderungsmanagement: Dass unzureichendes Veränderungsmanagement Versicherern Schaden zufügen könnte, liegt an zweiter Stelle (weltweit: Platz 3). Die Befragten zweifeln, ob die Branche über die nötige Anpassungsfähigkeit verfügt. Dabei ist die Fähigkeit zur Veränderung in Zeiten von neuen Technologien, neuen Vertriebskanälen und sich ändernden Märkten bzw. Kundenerwartungen wichtiger denn je.

Platz 3 – Technologie: Die notwendige Modernisierung von Unternehmen und Technologien stellt die drittgrößte Sorge für Österreichs Versicherungswirtschaft dar. Viele Branchenakteure setzen auf alte Geschäftsmodelle und IT-Infrastrukturen und werden neuen Herausforderungen nur unzureichend gerecht. Weltweit liegt diese Sorge sogar auf dem ersten Rang.

Platz 4 – Niedrige Zinssätze: Weit über dem internationalen Durchschnitt (Platz 10) machen sich österreichische Befragte Sorgen über niedrige Zinssätze. Sie geben an, dass diese die Renditen niedrig halten und Vermögensblasen erzeugen könnten.

Platz 5 – Cyberkriminalität: Die Bedenken gegenüber Cyberkriminalität haben im Vergleich zu früheren Umfragewerten zugenommen, weltweit landet das Thema sogar auf Platz zwei. Aufgrund der Menge an wertvollen Daten, über die sie verfügt, ist die Versicherungsbranche ein verlockendes Ziel für Cyber-angriffe.

„Im Jahr 2017 belegte die Regulierung nur den dritten Platz, und zu niedrige Zinssätze stellten die größte Herausforderung der heimischen Versicherungsbranche dar. Zwei Jahre später hat sich das Blatt gewendet und das regulatorische Risiko steht klar an erster Stelle der Sorgen­agenda” , sagt Thomas Windhager, Leiter Insurance bei PwC Österreich.

Verschärfte Problematik

„Das ist auf neue Regulierungsbereiche zurückzuführen, die seit 2017 eingeführt wurden, einschließlich der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO; Anm.) und verschiedener neuer Verhaltensstandards auf der ganzen Welt. Der Druck durch neue Rechnungslegungsstandards, insbesondere IFRS 17, hat die Problematik verschärft”, so Windhager weiter. Die Aufgabe, diese neuen regulatorischen Standards im vorgegebenen Zeitrahmen anzugehen und umzusetzen, erweist sich für Versicherer als echte Herausforderung, meint der PwC-Experte.

Seit Beginn der Untersuchungsreihe 2007 war die Grundstimmung der globalen Versicherungsbranche noch nie so negativ wie in diesem Jahr. Ausschlaggebend dafür sind die Herausforderungen durch den technologischen und strukturellen Wandel und die Sorge, diese nicht erfolgreich zu bewältigen.

Unsicherheit & Regulierung

Insgesamt gehen die Ergebnisse der Studie mit einer weltweit wachsenden wirtschaftlichen Unsicherheit sowie stärkerer Regulierung einher. Trotzdem fühlen sich Versicherer besser auf diese Risiken vorbereitet als zuvor und sind zuversichtlicher, potenzielle Stolpersteine zu meistern.

„Während dringender Bedarf an besserer und effizienter Technologie besteht, steigt gleichzeitig die Bedrohung durch Cyberkriminalität. Damit verbunden ist das Thema Veränderungsmanagement sowie die Frage, ob die Versicherer den technologischen Wandel als Chance ansehen”, erläutert Windhager.

Konjunktur & Zinsängste

Die Herausforderungen hinsichtlich Technologie, Cyberkriminalität und Veränderungsmanagement zählen weltweit zu den größten Sorgen. Auch der Anstieg des regulatorischen Risikos ist eine gemeinsame Sorge in allen Regionen. In Europa ist die Besorgnis über die wirtschaftlichen Bedingungen, wie den Ausblick für die Weltkonjunktur und die Zinssätze, am höchsten. In den USA wird hingegen das politische Risiko am sorgenvollsten eingestuft, hauptsächlich ausgelöst durch die zunehmend populistische Politik. Auch der Klimawandel liegt mit Ausnahme des asiatisch-pazifischen Raums in allen Regionen weit vorn.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL