Der Mittelstand muss raus aus der Wartezone
© Lukas Bezila/UniCredit Bank Austri
Dieter Hengl
FINANCENET Redaktion 03.07.2026

Der Mittelstand muss raus aus der Wartezone

Die Bank Austria bringt ihr Großkunden-Know-how stärker in den Mittelstand. Vorstand Dieter Hengl im Talk.

••• Von Chris Radda  und Reinhard Krémer

Die UniCredit Bank Austria baut ihr Firmenkundengeschäft aus. Im Gespräch mit medianet-Herausgeber Chris Radda im TV-Format „financenet“ kündigte Firmenkundenvorstand Dieter Hengl, der den Bereich seit vielen Jahren leitet, weitere Investitionen in Betreuung, Digitalisierung und neue Dienstleistungen an. Rund 200 zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen im Privat- und Firmenkundenbereich die Servicequalität erhöhen. Die Offensive zeigte laut ­Hengl bereits Wirkung: Im Vorjahr gewann die Bank rund 1.000 neue KMU-Kunden, in diesem Jahr ­kamen bislang weitere 500 ­hinzu.

Unterstützung der KMU
Ziel sei es, die bei Großunternehmen vorhandene Kompetenz stärker dem Mittelstand zugänglich zu machen. Neun von zehn österreichischen Großunternehmen seien bereits Kunden der Bank.  „Gerade diese Kompetenz, die wir bei den großen Firmenkunden haben, wollen wir auch den KMU zur Verfügung stellen“, sagte der Firmenkundenvorstand. Besonders wichtig sei dabei die Unterstützung bei der Internationalisierung. Als Wettbewerbsvorteil sieht Hengl das breite Produktangebot. Die Bank Austria könne – als einzige österreichische Bank – unter anderem Strom, Gas,  Diesel sowie Rohstoffe wie Kupfer, Stahl und Aluminium absichern.

Kreditkartengeschäft neu
Auch das Kreditkarten- und Acquiring-Geschäft wurde neu aufgebaut. Unternehmen erhalten damit Kreditkarten, stationäre und digitale Bezahllösungen, SoftPOS und E-­Commerce-Dienste aus einer Hand. „Die Firmenkunden haben den Vorteil, dass sie einen Ansprechpartner im Zahlungsverkehr haben und nicht drei, vier oder fünf verschiedene Unternehmen“, so Dieter Hengl. Rückenwind liefert die solide Kapitalausstattung. Die Bank Austria weist für 2025 eine Bilanzsumme von rund 110 Mrd. €, Kundenkredite von 62 Mrd. € und einen Nettogewinn von 1,3 Mrd. € aus.

Satte Kernkapitalquote
Das Firmenkreditvolumen liegt bei mehr als 44 Mrd. €, das Eigenkapital bei über elf Mrd. € – und die Kernkapitalquote bei knapp 21%. Damit könne, so Hengl, die Bank Unternehmen auch in schwierigen Phasen verlässlich finanzieren. Europa brauche größere Banken und Industrieunternehmen, um gegenüber den USA und anderen Wirtschaftsräumen bestehen zu können.

Der Firmenkundenvorstand betonte zugleich die Vorteile der UniCredit-Gruppe: „Wir sind eine starke paneuropäische Bankengruppe – die Kombination aus lokal, regional, international ist ein unschlagbarer Wettbewerbsvorteil“, so Dieter Hengl. „Das heißt, wir können bei unseren Kunden auch unsere internationale Kompetenz ausspielen. Und parallel dazu sind wir nach wie vor das größte Einzelinstitut in Österreich.“ Die heimische Konjunktur beurteilt der Spitzenmanager verhalten optimistisch. 2026 erwartet er ein Wachstum von 0,8%.

„Es geht nichts von selbst“
Der Vorstand hat noch einen Tipp für Firmen: „Unternehmen müssen effizienter werden, neue Märkte erschließen und Risiken aktiv steuern. Es geht nichts von selbst. Man kann nicht warten, bis Hilfe von außen kommt“, ist Hengl überzeugt. Bewegung ortet der Firmenkundenvorstand bei Fusionen und Übernahmen. Mehrere größere Transaktionen seien bereits in Vorbereitung. Für KMU bietet UniCredit zudem die digitale Plattform DealSync an, mit der die „Partnersuche“ einfacher wird. Mehr als 6.000 Unternehmen, davon auch bereits mehr als 600 aus Österreich, sind laut Hengl dort erfasst.

„Parship“ für Unternehmen“
Mithilfe Künstlicher Intelligenz werden passende Käufer und Verkäufer zusammengeführt, etwa bei Expansion oder Unternehmensnachfolge. Hengl beschreibt das Angebot anschaulich als „Parship für Unternehmen“. Kommt ein Geschäft zustande, kann die Bank dann auch die Finanzierung begleiten.

Das gesamte Interview sehen Sie auf: tv.medianet.at

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