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Österreichs Wirtschaft bleibt trotz Corona stabil © APA/Herbert Fohringer
© APA/Herbert Fohringer

Redaktion 30.10.2020

Österreichs Wirtschaft bleibt trotz Corona stabil

Coface stuft zahlreiche Länder herab – die Alpenrepublik kann ihren Kurs allen Turbulenzen zum Trotz halten.

••• Von Reinhard Krémer

Die Coronakrise wird uns wohl noch einige Monate beschäftigen – mit allen Beschwernissen für die Wirtschaft und die Konsumenten. Die Experten des Kreditversicherers Coface haben die aktuelle Situation analysiert und auch eine neue Länderbewertung erstellt. Zum ersten Mal wurden insgesamt 71 von 162 Ländern und 134 Branchen in 28 Ländern herabgestuft.

Die Alpenrepublik bleibt solide

Österreich hat als eines der wenigen Länder seine Bewertung mit A2 behalten. Deutschland wurde von den Ökonomen auf A3 herabgestuft. „Viele Länder haben bereits mit dem Wiederhochfahren der Wirtschaft gestartet. Auf das Corona-Erdbeben folgt nun die Erholungsphase. Diese ist von Land zu Land unterschiedlich. Österreich scheint derzeit insbesondere im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern stabil”, sagt Declan Daly, Regional CEO der Coface für Zentral- und Osteuropa. Die Coface Länder- und Branchenrisikobewertung wird quartalsweise erstellt. Die Klassifizierung steht für mögliche Forderungsverluste und Insolvenzen in einem Land.

Insgesamt erwartet Coface, dass die Wirtschaftsleistung der Welt um 4,4% im Vergleich zum Vorjahr abnimmt. Trotz der für 2021 erwarteten Erholung (+5,1%) – unter der Annahme, dass es keine zweite Welle der Coronavirus-Pandemie gibt – würde das BIP in den Vereinigten Staaten, der Eurozone, Japan und UK im Vergleich zu den Niveaus von 2019 um zwei bis fünf Punkte niedriger bleiben.
„Wir gehen heute davon aus, dass in Österreich das BIP um 5,2% abnimmt. Für 2021 sieht es derzeit so aus, dass es wieder auf 4,8% steigen wird”, so Daly.

Auch Deutschland verliert

Neben Deutschland hat Coface viele westliche Länder herabgestuft. Eine A3-Bewertung haben nun ebenfalls Frankreich, Belgien, Kanada, die USA, aber auch Portugal und Spanien.

Daneben wurde Italiens Note von A4 auf B heruntergesetzt. Großbritannien trägt jetzt die Note A4 statt A3. Weitere österreichische Nachbarländer und Haupt-Exportpartner wie z.B. Ungarn, Polen und Tschechien haben ebenfalls ihre A3 Bewertung gegen eine A4 abgeben müssen. Nur vier Länder, nämlich die Niederlande, Norwegen, die Schweiz und Luxemburg, konnten die Bestnote A1 behalten.

Das Schlimmste ist vorüber

Die Studie zeigt auch klar, dass die einzelnen Branchen ganz unterschiedlich betroffen sind. „Die am stärksten betroffenen Branchen in Österreich sind der Agri-Food-Bereich, die Chemische Industrie und der Handel. Diese werden nur noch von der Automobilbranche getoppt, die auf ‚sehr hohes Risiko' herabgestuft wurde”, erläutert der Coface-Manager.

Dennoch war Österreichs verarbeitende Industrie von der verschlechterten Nachfrage und Fabriksschließungen kaum betroffen. Aktuelle Umfragen unter Fertigungsunternehmen zeigen, dass die schlimmste Zeit vorbei ist und ein Aufschwung bereits eingesetzt hat. Die Erholung wird jedoch eher allmählich verlaufen und von einer anhaltenden Unsicherheit geprägt sein.

Unsicherheiten dominieren

Das Ausbleiben eines raschen Aufholens ist vor allem auf zwei Faktoren zurückzuführen: Bedingt durch die anhaltende Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Pandemie, wird Kaufzurückhaltung der privaten Haushalte ausgelöst und ein Stopp der Unternehmensinvestitionen herbeigeführt. Zum anderen sind Produktionsausfälle in einigen Sektoren, insbesondere im Dienstleistungs- und im Rohstoffsektor, nicht nachzuholen.

Die von den Zentralbanken ergriffenen Maßnahmen haben seit April zur Stabilisierung der Finanzmärkte beigetragen, insbesondere in westeuropäischen Ländern, die bisher zur Aufrechterhaltung der Produktionskapazitäten einiger Unternehmen beigetragen haben, vor allem durch die Erhöhung der Verschuldung. Dennoch schieben sie auch Anpassungen bei der Beschäftigung und Cashflow-Problemen der Unternehmen auf.

Globale Wirtschaftsseuche

„Es gibt praktisch kaum eine Volkswirtschaft, die nicht in irgendeiner Form von Covid-19 negativ beeinflusst ist. Vielleicht beherrscht nicht der Virus das Land, aber im Regelfall hat mindestens ein großer Handelspartner mit wirtschaftlichen Folgen zu kämpfen”, erläutert Daly.

So sei es nicht verwunderlich, dass von Mittel- und Osteuropa, über Asien-Pazifik bis hin zu Afrika, dem Nahen- und Mittleren Osten sowie Lateinamerika in jeder Region Länder mit Herabstufungen zu finden seien.

Nicht nur das Virus drückt …

Dennoch ist das Coronavirus nicht der einzige Faktor, der die Weltwirtschaft beherrscht, betont Daly: „Natürlich ist Covid-19 ein beherrschender Faktor. Seit diesem Sommer haben wir aber auch den Faktor Umweltrisiken und damit auch den Klimawandel in unsere Risikomodelle aufgenommen. Dies hat die Risikobewertung in vielen europäischen und afrikanischen Staaten ebenfalls gedrückt.”

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