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Unternehmer fordern eine Steuerreform © APA/Helmut Fohringer
© APA/Helmut Fohringer

Redaktion 10.09.2021

Unternehmer fordern eine Steuerreform

Deloitte-Umfrage zeigt: Es gibt Handlungsbedarf bei Lohnnebenkosten und Ökologisierung des Systems.

••• Von Reinhard Krémer

Der Ruf der Wirtschaft nach konkreten Maßnahmen zur Entlastung und Ökologisierung in Österreichs Steuerwesen wird lauter. Für den Deloitte Austrian Tax Survey 2021 wurden im Juli 2021 knapp 300 Führungskräfte befragt. In zwei Punkten ist sich die Mehrheit einig: Es braucht kurz- sowie langfristige steuerliche Erleichterungen, um den wirtschaftlichen Aufschwung abzusichern. Gleichzeitig sind 77% der Unternehmen für eine Beibehaltung der expansiven Geldpolitik mit niedrigen Zinsen und lehnen neue Steuern zur Reduktion der Staatsschulden ab.

Lohnnebenkosten runter

„Österreich steht im europäischen Vergleich budgetär gut da. Steuererhöhungen wären jetzt ein falsches Signal. Ziel muss es sein, den Unternehmen das Wirtschaften zu erleichtern und die Belastungen an den richtigen Stellen zu reduzieren”, sagt Herbert Kovar, Managing Partner Tax & Legal bei Deloitte Österreich. Für eine Reduktion der Lohnnebenkosten als rasches Hilfsmittel sprechen sich rund drei Viertel der Befragten aus.

Damit der Standort Österreich in Zukunft im globalen Wettbewerb, insbesondere dem nun einsetzenden Wettbewerb um Arbeitskräfte, bestehen kann, ist die Senkung der Lohnnebenkosten das Gebot der Stunde, ist der Deloitte-Experte überzeugt.

Ökologisierung als Chance

Dahinter folgen als geforderte Maßnahmen eine Senkung der Ertragssteuern sowie eine Vereinfachung der Steuergesetze. 57% der Führungskräfte halten Maßnahmen zur Ökologisierung des Steuersystems für sinnvoll. Dieses Ergebnis verdeutlicht, dass die Studienteilnehmer die Wichtigkeit des Themas Umweltschutz erkannt haben.

„In Krisenzeiten kann der Nachhaltigkeitsgedanke leicht ins Hintertreffen geraten. Die Mehrheit der Unternehmen beweist aber Weitblick und ist offen für eine Ökologisierung in der Steuerpolitik”, erklärt Herbert Kovar.

Was Kopfzerbrechen macht

Österreichs Wirtschaftstreibende stehen in puncto Abgaben vor einigen Herausforderungen: 65% der Befragten müssen sich vor allem mit komplexen Regelungen befassen. Die Abwicklung von Covid-19-Hilfspaketen beschäftigt derzeit fast die Hälfte der Unternehmen in Österreich.

Daneben bereiten steuerliche Compliance-Themen, Tax-Management-Prozesse und das Steuerkontrollsystem Kopfzerbrechen.

Krise zeigt Schwächen auf

„Nach eineinhalb Jahren Krise ist es nicht verwunderlich, dass die Abwicklung von Corona-Hilfspaketen die Unternehmen besonders in Anspruch nimmt”, so der Deloitte-Experte

„Anders sieht es bei der Digitalisierung aus: Durch die Pandemie wurde diese zwar beschleunigt, dennoch hat sich bisher nur eine Minderheit intensiver mit möglichen Digitalisierungsmaßnahmen auseinandergesetzt.”

Digitalisierung wichtig

„Hier besteht Aufholbedarf, hat uns doch die Pandemie vor Augen geführt, wie wichtig die Digitalisierung von Prozessen für den wirtschaftlichen Erfolg ist”, so Herbert Kovar. Die Abwicklung von Corona-Hilfspaketen nimmt Unternehmen besonders in Anspruch.

Gedämpfte Erwartungen

Hinsichtlich der zukünftigen Entwicklungen des Steuerstandorts Österreich hat mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer gedämpfte Erwartungen. Insgesamt ist die Stimmung im Vergleich zum Vorjahr aber gesunken. Fast ein Drittel schätzt die zukünftige Entwicklung sogar als (eher) schlecht ein.

Gamechanger Steuerreform

„Noch sind die Unternehmen hinsichtlich positiver Impulse am heimischen Standort skeptisch. Mit der für 2022 geplanten Steuerreform könnte aber der Wirtschaftsstandort nachhaltig gestärkt werden”, sagt Herbert Kovar.

„Im Herbst sollen die Details fixiert werden – die Führungskräfte haben klar formuliert, wo sie die wichtigsten Stellschrauben sehen”, kommentiert der Deloitte-Managing Partner die Ergebnisse der Studie.

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