HEALTH ECONOMY
Ärztestreit: Jetzt reden alle plötzlich von „Dialog”
Martin Rümmele 10.04.2015

Ärztestreit: Jetzt reden alle plötzlich von „Dialog”

Gesundheitsreform Ärzte und Krankenversicherung richten sich via Aussendungen Gesprächsbereitschaft aus

Krankenversicherungen sehen Systemverbesserungen auch zugunsten des Gesundheitspersonals.

Die Ärzte mobilisieren auf allen Kanälen. Wiens Präsident Thomas Szekeres auch mit einem eigenen Verein von AKH-Ärzten.

Wien. Der Vorstandsvorsitzende im Hauptverband der Sozialversicherungsträger, Peter McDonald, lädt die Ärztekammer zu einem Gespräch ein, um die zuletzt rund um das neue Arbeitszeitgesetz für Spitalsärzte aufgetauchten Differenzen zu bereinigen. Die Sozialpartnerschaft mit der Ärztekammer sieht McDonald derzeit „einigermaßen belastet”. Er sei ein „Mann des Dialogs”, stellte der Hauptverbands-Chef fest.

Es sei zielführender, Zukunftsfragen „am Bürotisch zu diskutieren, statt sich die Dinge über die Medien auszurichten”. Für McDonald geht es darum, über Themen, die beiden Seiten wichtig sind, „wieder einen Dialog zu starten mit der klaren Zielsetzung, die Verunsicherungspolitik der Ärztekammer über die Medien zu beenden”. Als mögliche Themen nannte er den künftigen Ärztebedarf, die Ausbildung der Ärzte und das Zusammenspiel zwischen Ärzten in Spitälern und im niedergelassenen Bereich sowie mit anderen Gesundheitsberufen.

„Verträge müssen halten”

In einer Partnerschaft sei es wichtig, dass Verträge, die unterzeichnet oder paraphiert wurden, in den eigenen Reihen auch vertreten werden und halten. In letzter Zeit sei es zu mehreren Vorgängen gekommen, die ihn „besorgt stimmen”, spielte McDonald etwa auf die Unterschrift des Wiener Ärztekammer-Präsidenten Thomas Szekeres unter eine Vereinbarung mit der Stadt Wien an, die dann von der Ärztekammer nicht akzeptiert wurde. Der Hauptverbands-Chef baut darauf, dass ein Dialog mit der Ärztekammer „die Partnerschaft wieder festigt” und nicht zuletzt die Vereinbarungen wieder halten.Die inhaltliche Kritik der Ärztekammer – Stichwort Versorgungsengpässe, Ambulanzschließungen – weist McDonald zurück. Die Ärztekammer wolle den Menschen suggerieren, dass die gute medizinische Versorgung in Gefahr sei. „Dem ist nicht so”, stellte der Vorsitzende des Hauptverbandes klar. Auch einen Ärztemangel kann er so nicht feststellen, vielmehr ärgert ihn: „Trotz höchster Ärztedichte weltweit wird dem Bedürfnis nach Gesprächszeit und besserer Vernetzung zu wenig Rechnung getragen.” Stattdessen fordert McDonald einen Abbau der Bürokratie und eine bessere Organisation der Arbeitsprozesse in den Spitälern, um durch mehr Effizienz Zeit zum „Arzt-sein” freizumachen.

Ärztekammer verteidigt sich

Einen Reformbedarf sieht der Chef der Sozialversicherungen trotzdem. Man müsse an der Weiterentwicklung des Gesundheitswesens arbeiten, um es fit für die zweite Hälfte des 21. Jahrhunderts zu machen. Neben dem genannten Bürokratie-Abbau, damit sich die Ärzte wieder stärker auf die Betreuung und medizinischen Versorgung konzentrieren können, sowie einem stärkeren Fokus auf die Ergebnisqualität ist es ihm wichtig, zusätzlich zur „hervorragenden Reparaturmedizin” auch die Vorsorgemedizin in den Vordergrund zu rücken. „Grundsätzlich positiv” reagierte Wiens Ärztekammerpräsident Szekeres auf das Dialogangebot. Nachdenklich stimmt ihn allerdings, dass er zeitgleich mit der Einladung zum Gespräch bereits seine vorgefasste Meinung zu bestimmten Themen medial verkündet habe. „Ein Gespräch führen bedeutet, aufeinander zuzugehen, nicht aber, dass eine Seite der anderen erklären wird, wo es ihrer Meinung nach langzugehen hat”, so Szekeres. Er betonte erneut, dass seine Unterschrift unter das Verhandlungspapier mit der Gemeinde Wien „unter Gremialvorbehalt” erfolgt sei.

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