•• Von Martin Rümmele
WIEN. Während die ÖGK derzeit wie berichtet den zweiten Versuch einer Ausschreibung startet, um Telemedizin zu implementieren und einen privaten Partner sucht, preschen die Apothekerkammer und die Uniqa vor. „ApoDoc“ ist ein kostenloses Angebot für alle Personen, bei denen eine ärztliche videobasierte Beratung nötig ist. Derzeit wird diese an Randdienstzeiten (Freitag 14–18 Uhr und Samstag 8–12 Uhr) in drei Wiener Apotheken angeboten. Ab Mitte März kommen zwölf weitere Apotheken in Wien und Oberösterreich dazu. Ziel ist die Entwicklung und Erprobung eines standardisierten telemedizinischen Ablaufs in öffentlichen Apotheken.
„Als Österreichs führende Gesundheitsversicherung und Vorreiterin im Bereich der Telemedizin haben wir mit unserem Corporate Start-up Mavie das telemedizinische Angebot in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut. Wir freuen uns, dass wir mit der Österreichischen Apothekerkammer Telemedizin nun auch in die Apotheken bringen“, sagt Hans Aubauer, Leiter Krankenversicherung der Uniqa Insurance Group.
Das Angebot verbinde die leichte Erreichbarkeit der Apotheke mit der Expertise von Ärzten, betonte Apothekerkammer-Präsidentin Ulrike Mursch-Edlmayer. „Wer mit einem gesundheitlichen Problem in die Apotheke kommt, kann entweder im Rahmen der betreuten Selbstmedikation mit rezeptfreien Arzneimitteln versorgt werden oder im Bedarfsfall mit einem Online-Arztgespräch.“ Die telemedizinischen Leistungen verstehen sich ausdrücklich als Ergänzung zu bestehenden ärztlichen Versorgungsstrukturen im niedergelassenen Bereich. Das Pilotprojekt läuft bis Ende Juni. Wissenschaftlich begleitet wird es vom Institut für Pharmazie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität.
Kritik von der Ärztekammer
Wenig begeistert reagiert die Ärztekammer. „Arztgespräche sind sensibel und müssen in einem Umfeld passieren, das dafür auch optimal ausgelegt und eingerichtet ist. Das Hinterzimmer einer Apotheke ist dafür gänzlich der falsche Ort“, sagt Peter Niedermoser, Präsident der Ärztekammer für Oberösterreich. Zu hinterfragen sei auch die Tatsache, dass hinter der Umsetzung ein großer, privater Versicherungskonzern als Partner steckt. „Finanzielle Interessen dürfen überhaupt keine Rolle spielen“, so Niedermoser.
