••• Von Martin Rümmele
WIEN. Die seit Jahren diskutierte und nach einer Verschiebung zu Jahresbeginn eigentlich für Oktober 2026 geplante Einführung des elektronischen Eltern-Kind-Passes (eEKP) dürfte sich um ein weiteres Jahr verschieben. Grund für die Verzögerung sind Vorbehalte der Bundesländer. Mit Ausnahme von Kärnten sieht man sich dort noch immer nicht bereit. Die von der Politik propagierte Strategie „Digital vor ambulant vor stationär“ und der zuletzt im Reformprozess ausgegebene Devise, dass man das System digitalisieren wolle, erleidet einen erneuten Bremser.
„Die Verschiebung des eEKP kommt für uns sehr überraschend. Wir sind in viele Abstimmungsrunden mit den Stakeholdern eingebunden und haben stets die Rückmeldung erhalten, dass alles auf Schiene ist“, ärgert sich Gerhard Stimac, Softwarehersteller und Sprecher der „Plattform für Digitale Gesundheit“ im FEEI der WKO, im medianet-Interview: „Für unsere Mitgliedsbetriebe ist das eine äußerst schwierige Situation. Viele befinden sich in den Abschlussarbeiten für die eEKP-Schnittstelle und stehen kurz vor dem Rollout. Umso gravierender ist dieser unerwartete Stopp. Für Softwareunternehmen, die in diesem Bereich tätig sind, ist das ein massiver Rückschlag. Gerade kleinere, spezialisierte Hersteller geraten dadurch erheblich unter Druck.“
„Vertrauen beschädigt“
Der eEKP sei ein komplexes Projekt, das präzise Planung, erhebliche Investitionen und langfristigen Ressourceneinsatz erfordere. „Gerade deshalb sind kurzfristige Kursänderungen besonders problematisch. Die Unternehmen bleiben auf ihren bereits getätigten Investitionen sitzen, müssen Ressourcen neu planen und Marketingaktivitäten verschieben. Das Vertrauen der Hersteller in die Gesetzgebung ist stark beschädigt“ sagt Stimac. Kaum ein Digitalisierungsprojekt der vergangenen Jahre sei zum ursprünglich vorgesehenen Zeitpunkt umgesetzt worden. „Wer sich an gesetzliche Vorgaben und Zeitpläne hält, muss sich darauf verlassen können, dass diese Bestand haben. Die wiederholte Verschiebung von Digitalisierungsprojekten erschwert Investitionsentscheidungen und sorgt für zunehmende Verunsicherung bei den betroffenen Unternehmen.“