Rütteln am System
© MedUni Wien
Hält die Zahl der Spitäler in Österreich für zu hoch und ist für eine Zentralisierung der Kranken­anstalten: Markus Müller.
HEALTH ECONOMY Redaktion 07.09.2026

Rütteln am System

Der Rektor der MedUni Wien, Markus Müller, will über die Grundstrukturen des Gesundheitssystems diskutieren.

••• Von Sabine Stehrer

WIEN. Für „komplex, unübersichtlich in den Funktionalitäten und Zuständigkeiten und sehr teuer“ hält der Rektor der Medizinischen Universität Wien und Präsident des Obersten Sanitätsrats das österreichische Gesundheitssystem. Es sei daher ein Problem, dass im Zuge der Verhandlungen der Reformpartnerschaft über die Gesundheitsreform nicht an den Grundstrukturen des Systems gerüttelt werde. Müller: „Es wird so getan, als ob das derzeitige System in Stein gemeißelt und das Beste aller Welten sei, und man muss quasi darum herum arbeiten.“ Er glaube zwar, dass alle Akteure der Reformpartnerschaft guten Willens seien, doch wenn man die Ergebnisse von außen betrachte, handle es sich bei dem, was geschehe, um „kleine Schritte“.

Statt bei den Universitäten und damit der Ausbildung junger Menschen zu sparen, wie das geplant sei, solle man sich etwa einmal überlegen, ob es hierzulande nicht zu viele Spitäler gebe. „Wenn man die schiere Zahl an Spitälern mit den entsprechenden Zahlen in Deutschland und Dänemark vergleicht, wird man draufkommen, dass Österreich mit 260 Spitälern sehr viele hat, das zehnmal größere Deutschland mit 1800 deutlich weniger und Dänemark mit rund 20 so viele wie Niederösterreich.“  Nötig sei auch eine Zentralisierung, denn man könne gewisse Dinge in kleineren Einheiten einfach nicht in der Qualität anbieten, wie man es müsste.

Arztzentren rasch aufbauen
Kein Weg vorbei führt für Müller am Aufbau von Primärversorgungszentren und Facharztzentren. Vor allem Facharztzentren gehörten seiner Meinung nach rasch umgesetzt. Besonders im ländlichen Raum würden dringend Zentren gebraucht, „die rund um die Uhr offen sind“. Fakt sei aber auch: „Wenn man in Wien nach 22 Uhr Bauchweh hat, setzt man sich in die U6, fährt ins AKH und nutzt damit die teuerste Ressource, weil es sonst nur wenige Möglichkeiten gibt.“

Ein weiteres Problem bestehe darin, dass man etliche Patienten nicht aus dem Krankenhaus bekomme: Im AKH seien rund zehn Prozent der Betten mit Patienten belegt, die kein Uni-Spital, sondern eine Pflegeeinrichtung benötigen würden.

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