System überhitzt
© Stefan Joham
Gesundheitsministerin Schumann lässt österreichweit Daten zum Hitzerisiko in Gesundheitseinrichtungen erheben
HEALTH ECONOMY Redaktion 07.09.2026

System überhitzt

Die zuletzt extrem hohen Temperaturen treffen auch das Gesundheitssystem selbst. Lösungen sind gefragt.

••• Von Evelyn Holley-Spiess

WIEN. Es war ein Sommer der – manchmal bedenklichen – Rekorde: Die jüngste Meldung dazu kommt von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), die für die Monate Juni und Juli 646 hitzebedingte Todesfälle in Österreich berechnet hat. Das ist ein Höchstwert für diesen Zeitraum. Die extremen Temperaturen stellen aber auch das Gesundheitssystem als solches vor neue Herausforderungen.

Einrichtungen aufgeheizt
Eine neue Analyse der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) hat erstmals österreichweit erhoben, welche Gesundheitseinrichtungen besonders stark von Hitze betroffen sind. Im langjährigen Durchschnitt waren rund 20% der untersuchten Einrichtungen einer hohen Hitzebelastung ausgesetzt. Im Sommer 2026 waren dagegen bereits bis Ende Juli mehr als 70% der Krankenanstalten sowie Senioren- und Pflegeeinrichtungen und 80% der Primärversorgungseinheiten mit mindestens 20 Hitzetagen konfrontiert. Rund ein Viertel aller Einrichtungen war zu diesem Zeitpunkt schon mindestens 30 Hitzetagen ausgesetzt.

„Wir müssen bei Hitze nicht nur auf die Zahl der Hitzetoten schauen. Wir müssen auch darauf schauen, was die zunehmende Hitze für unser Gesundheitssystem bedeutet“, sagt Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ). Der Fokus soll auf Einrichtungen gelegt werden, in denen Menschen mit höherer Vulnerabilität versorgt und gepflegt werden. Man sei mitten in der Analyse. Ziel ist es, Daten für eine österreichweite Grundlage zur Verfügung zu haben. Schumann: „Wir können sehr genau hinschauen, wo die größten Risiken liegen – und genau dort müssen wir ansetzen“.

Besserer Arbeitnehmerschutz
Der ÖGB hat seinerseits eine Hitze­umfrage durchgeführt und ortet massive Mängel beim Schutz der Beschäftigten. Demnach arbeiten 29% der Befragten bei 33 Grad und mehr, elf Prozent gar bei mehr als 36 Grad. ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian verweist auf das Regierungsprogramm, das eine Modernisierung des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes vorsieht und verlangt verbindliche Hitzeschutzmaßnahmen.

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