Suche nach den Hamster-Apotheken
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Die Stimmung zwischen Gesundheitsminister Rauch und Apothekerkammer-Präsidentin Mursch-Edlmayr war schon besser. Rauch kritisiert die Apotheken wegen Versorgungsproblemen scharf.
HEALTH ECONOMY Redaktion 15.12.2023

Suche nach den Hamster-Apotheken

Weil das Covid-19-Medikament „Paxlovid” nur begrenzt verfügbar ist, wird nun über die Ursachen dafür diskutiert.

••• Von Martin Rümmele

WIEN. Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) ist derzeit nicht gerade gut auf die Apotheker zu sprechen und übt aufgrund der schlechten Verfügbarkeit des Covid-Medikaments Paxlovid scharfe Kritik an der Apothekerkammer. Diese habe ihm bisher nicht erklären können, wo die an die öffentlichen Apotheken ausgelieferten Packungen des Covid-19-Medikaments „Paxlovid” geblieben seien, sagte Rauch am Rande einer Pressekonferenz am Dienstag.

Minister rügt Apotheken

„Ich erwarte mir, dass da Klarheit geschaffen wird.” Man werde alle Schritte setzen, um von der Kammer restlose Transparenz zu erhalten. Man habe 123.000 Dosen für die öffentlichen Apotheken beschafft. Diese seien zunächst lange Zeit herumgelegen und nicht verschrieben worden. Bis Ende Oktober wurden davon 77.000 abgerechnet. „Wo die restlichen sind, konnte mir die Kammer nicht erklären.”

Die Abrechnungsdaten seien offenbar unvollständig, hieß es aus dem Gesundheitsministerium. Die Kammer habe dafür zwar Erklärungen geliefert, etwa Privatrezepte oder Vernichtungen, aber keine Belege dafür. „Ich fordere von der Kammer die vollständigen Abrechnungsdaten. Wo sind diese Packungen, wie sind sie verteilt worden?”, so Rauch. Man werde nun alle Schritte setzen, um die fehlenden Dosen zu finden. Im Raum steht der Vorwurf, dass Apotheken Packungen gehortet oder Apotheken mit Großhandelslizenz sie in Ausland verkauft haben, wurde am Mittwoch am Rande eines Pressegeprächs der Ärztekammer hinterfragt.
Die Apothekerkammer ließ diese Kritik nicht auf sich sitzen. Es seien keine Packungen „vom Erdboden verschwunden”, sondern es gebe einfach zu wenige, hieß es in einer Aussendung. „Aktuell sind lediglich 3.400 Packungen entweder in einigen der 1.400 Apotheken noch lagernd oder befinden sich bereits über den Pharmagroßhandel in Umverteilung”, betonte die Kammer. Der Bund habe insgesamt 180.000 Packungen Paxlovid beschafft. Davon seien zwischen März 2022 und Ende November 2023 insgesamt 123.000 Packungen Paxlovid an die öffentlichen Apotheken ausgeliefert worden. 57.000 Packungen seien an die Spitäler und ärztliche Hausapotheken geliefert worden. „Wie viele dieser Packungen an wen abgegeben worden sind und wie viele noch verfügbar sind, ist bis heute unklar”, so die Kammer.

Zahlen sind transparent

„Die Apothekerkammer war zu keinem Zeitpunkt über die Gesamtmenge der beschafften Ware informiert und hatte daher auch keinen Überblick darüber, bis wann der Pharmagroßhandel die Apotheken mit bedarfsgerechten Paxlovid-Lieferungen aus dem Bundesbestand versorgen können wird”, hieß es. Sämtliches verfügbares Datenmaterial sei „zu jedem Zeitpunkt” an den Bund weitergegeben worden.

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