••• Von Sabine Stehrer
WIEN. Egal, ob die Ursache ein Knochenbruch, eine Zerrung oder ein anderer Schaden am Bewegungsapparat ist: Zur Arbeitsunfähigkeit und zu Krankenständen kommt es dadurch bald einmal. Oft benötigen Betroffene eine physikalische Therapie, um wieder gesund und arbeitsfähig zu werden. Doch die Wartezeiten darauf werden immer länger, mit ihnen auch die Krankenstände, und das kostet. Umgekehrt könnten die Kosten gedämpft werden, wenn die Zeiten der Arbeitsunfähigkeiten verkürzt würden. Und zwar um 862 Mio. € pro Jahr, wie Roland Celoud, Seniorpräsident der Österreichischen Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation (ÖGPMR) erklärt. Dies zeige ein aktuelles Hypothesenmodell.
Die ÖGPMR stellt auch dar, was zwecks Kostendämpfung und einer Verkürzung der Wartezeiten auf eine physikalische Therapie geschehen müsste und sieht hier die Gesundheitspolitik gefordert: Es müsste verstärkt in Maßnahmen zur Sturzprävention, in Möglichkeiten für ein Muskel- und Bewegungstraining und Schmerztherapien investiert werden sowie auch in den Ausbau von Telemedizin zur Fortführung von Therapien zu Hause. Laut ÖGPMR-Juniorpräsident Christian Wiederer würde Telemedizin eine kontinuierlichere Betreuung der Patienten ermöglichen und so wohl in vielen Fällen auch eine schnellere Heilung.
9,6 Wochen Wartezeit in Wien
Über Stichproben in Wiener Kassen-Instituten und -Ordinationen fand die Fachgesellschaft heraus, dass dort Ende 2025 und Anfang dieses Jahres die Wartezeit auf eine physikalische Therapie durchschnittlich 9,6 Wochen oder 67,2 Tage betragen hat. 2024 hatte man laut ÖGPMR lediglich 39 Tage zu warten, 2012 nur acht Tage. Die Steigerung der Wartezeiten liege vor allem an der zunehmenden Alterung der Gesellschaft und der Tatsache, dass schon Über-50-Jährige deutlich öfter behandlungsbedürftige Probleme mit dem Bewegungsapparat haben als Jüngere. Dazu zählen etwa chronische Rücken- und Nackenschmerzen, Schmerzen in den Gelenken bedingt durch Arthrose oder Osteoporose, die wiederum das Risiko für Knochenbrüche erhöht.