HEALTH ECONOMY
„Wesentliche Rolle” © Stefan Seyfert

Generikaverbandspräsident Wolfgang Andiel macht sich Sorgen um die Versorgungssicherheit mit Nachahmermedikamenten.

© Stefan Seyfert

Generikaverbandspräsident Wolfgang Andiel macht sich Sorgen um die Versorgungssicherheit mit Nachahmermedikamenten.

Redaktion 29.10.2021

„Wesentliche Rolle”

90% der Medikamente auf Intensivstationen sind Generika; der Herstellerverband drängt deshalb auf Produktionshilfen.

••• Von Martin Rümmele

WIEN. Rund 90% der Medikamente für Covid-19-Kranke auf Intensivstationen sind Generika – also wirkstoffgleiche, aber meist günstigere Nachahmermedikamente nach Ablauf des Patentschutzes des Originalpräparats. Die am häufigsten eingesetzten Substanzgruppen sind Analgetika, Antibiotika, Anästhetika, Herztherapeutika und Magenschutz-Medikamente. Darauf wies der Generikaverband (OeGV) nun in einer Online-Pressekonferenz unter anderem anhand von Daten aus Deutschland hin.

Enormer Beitrag

„Generika spielen damit eine wesentliche Rolle in der Behandlung von Covid-19-Erkrankten, die intensivmedizinisch versorgt werden müssen”, sagte OeGV-Präsident Wolfgang Andiel. Analgetika (99% Generika-Anteil), Antibiotika (85%) und Anästhetika (95%) werden sogar fast ausschließlich als generische Medikamente verordnet. Der Beitrag der europäischen Generikaindustrie zur Bewältigung der Coronakrise sei enorm. Insbesondere zum Anfang der Pandemie, als sich die Lage zum Beispiel in der Lombardei zugespitzt hat, wurden die klassischen intensivmedizinischen Medikamente knapp.

Sorge vor Preisdruck

„Durch die Zusammenarbeit mit den europäischen Institutionen und über Unternehmens- und Branchengrenzen hinweg ist es gelungen, die Medikamente trotz beispiellosen Drucks verfügbar zu halten und größere Versorgungsunterbrechungen zu verhindern”, betonte Andiel.

Die Nachfragesituation sehe aktuell wieder anders aus, aber der politische Fokus auf die Versorgungssicherheit sei nicht verschwunden. „Es ist klar, dass die Förderung einer stärkeren inländischen beziehungsweise europäischen Produktion Teil der Gesamtstrategie sein sollte. Gleichzeitig brauchen wir aber mehr als ein Tool in unserem Werkzeugkasten – und wir müssen das Risiko vermeiden, das gleiche Problem der Lieferabhängigkeit anderswo neu zu kreieren”, sagte der OeGV-Präsident. Die Branche drängt darauf, dass das Preismodell in Österreich verlängert wird; eine geplante Änderung könnte den Preisdruck erhöhen und Standorte gefährden, so die Sorge.

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