Echtzeitvisualisierung von Wertschöpfungsnetzwerken
© FH OÖ
FH-Prof. Markus Gerschberger
INDUSTRIAL TECHNOLOGY Paul Christian Jezek 14.11.2019

Echtzeitvisualisierung von Wertschöpfungsnetzwerken

Neues Josef Ressel Forschungszentrum hilft Unternehmen, Auswirkungen von Logistikproblemen zu reduzieren.

STEYR. Zusammen mit der BMW Group und der Hofer KG wird im neuen Josef Ressel Zentrum am FH OÖ Campus Steyr bis Ende 2023 an der Entwicklung eines Monitoring-Tools zur beinahe Echtzeit-Visualisierung von Wertschöpfungsnetzwerken geforscht. Unternehmen können damit in Zukunft sofort auf interne wie auch externe Probleme reagieren, Produktionsstillstände reduzieren und dadurch den finanziellen Verlust einer Störung minimieren. Das Budget von rund zwei Millionen Euro wird von den beteiligten Unternehmen und dem Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort BMDW gemeinsam finanziert.

Wertschöpfungsnetzwerke setzten sich aus unabhängigen Firmen und deren Beziehungen und Interaktionen zusammen. Unternehmen sind in diesen internen und externen komplexen Netzwerkstrukturen vermehrt Risiken und Abhängigkeiten ausgesetzt. „Störungen betreffend Liefertreue, Qualität oder Flexibilität können vielfältige Ursachen haben“, erklärt Markus Gerschberger, Leiter des Josef Ressel Zentrum Live. „Diese können durch ungeplante Stillstände in der Produktion oder aber auch durch Naturkatastrophen aller Art verursacht werden.“

Ziel der Forschungsarbeit ist eine umfangreich anwendbare Methode zur beinahe Echtzeit-Visualisierung von Wertschöpfungsnetzwerken zu entwickeln: „Gemeinsam mit unseren Unternehmenspartnern BMW Group und Hofer KG forschen wir im JR-Zentrum Live an der Entwicklung und Automatisierung logistischer Regelwerke zur Bestimmung der kritischen Partner und Transportverbindungen in einem Logistiknetzwerk“, sagt Gerschberger. „Auf Basis dieser Sichtbarkeit können Unternehmen, Störungen früher entdecken und schneller auf sie reagieren. Negative Auswirkungen können so deutlich reduziert werden.“

Knowledge Graph als Ziel der Forschung
Als Ergebnis wird ein generischer „Value Network Knowledge Graph“ für Wertschöpfungsnetzwerke erstellt. Dieser Knowledge Graph basiert auf einem generischen Regelset, in welchem logistische Grundprinzipien abgebildet sind und kann dadurch mit möglichst geringem Modifikationsaufwand für viele Anwender nutzbar gemacht werden. „Prototypisch wird dieser dann als ‚Collaboration Tower‘ zum Zwecke der Beobachtung von Kritizität innerhalb der globalen mehrschichtigen Wertschöpfungsnetzwerke unserer beiden Industriepartner, BMW Group und Hofer KG, aufgestellt“, so Gerschberger.

Bei beiden Partnern wird das gesamte Netzwerk - von der Produktion, über die Distribution, bis hin zum Einzelhandel und den Endkunden - analysiert. Aufgrund seiner Allgemeinheit kann der Knowledge Graph auch auf die Wertschöpfungsnetzwerke unserer zukünftigen Live-Partner angewendet werden.

Hinter den Kulissen
In Kooperation mit den wissenschaftlichen Elite-Partnern der University of Oxford, der Universität Mannheim und der Universität der Bundeswehr München möchte die FH OÖ Fakultät für Wirtschaft und Management in ihrem strategischen Themenfeld Logistik die Forschungsaktivitäten auf internationalem Topniveau weiter ausbauen. Das Forschungszentrum „Echtzeitvisualisierung von Wertschöpfungsnetzwerken (kurz JRC Live)“ - gefördert durch das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (BMDW) - mit einer Laufzeit von fünf Jahren startete mit Jänner 2019 und hat ein Projektvolumen von 2 Mio. €.

JRC Live ist ein von FH-Professor Markus Gerschberger geleitetes Projekt des fakultätsübergreifenden Exzellenzzentrums Logistik an der FH OÖ. „Thematisch dem Center of Excellence Logistik zugeordnet, ist das neue JR-Zentrum am Standort Steyr ein weiterer Erfolg für unsere interfakultäre Bündelung unseres Know-hows in den sechs Centers of Excellence der FH OÖ, die unsere Forschungsstrategie bestätigt“, freut sich FH OÖ-Geschäftsführer Gerald Reisinger. Mit dem neuen Josef Ressel Zentrum am FH OÖ Campus Steyr, stehen den FH OÖ Forschern nun in den insgesamt sechs JR-Zentren in Steyr, Hagenberg und Wels, knapp neun Mio. Euro für anwendungsorientierte Forschung auf hohem Niveau zur Verfügung.

Das Logistikum der Fachhochschule Oberösterreich an der Fakultät für Wirtschaft und Management in Steyr ist eine integrierte Bildungs- und Forschungseinheit mit Schwerpunkten auf Logistik, Supply Chain Management und Verkehr & Mobilität. Sowohl im Bildungssektor als auch in der Forschungscommunity ist das Logistikum mit rund 50 Professor/innen und wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen etablierter Partner. Kooperationen finden sowohl in regionalen, nationalen als auch internationalen Netzwerken statt. Der Bachelorstudiengang ‚Internationales Logistik-Management‘ und die beiden Masterstudiengänge ‚Supply Chain Management‘ und ‚Digitales Transport- und Logistik-Management‘ bieten Absolvent/innen hervorragende berufliche Möglichkeiten und erreichen im jährlichen FH-Ranking des Industriemagazins Studiengängen regelmäßig Top-Platzierungen. (red)

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