••• Von Elisabeth Schmoller-Schmidbauer
Als Oliver Yeh 2016 gemeinsam mit Studienkollegen eine Agentur gründete, war das zunächst kein langfristig angelegter Businessplan. „Am Anfang war es einfach ein praktischer Versuch neben dem Studium“, erzählt der Gründer Yeh. Der damalige Kommunikationsstudent brachte einen ungewöhnlichen Hintergrund mit: Musik und Fotografie. Beides habe ihn seit seiner Kindheit geprägt, wie er meint: „Weil es dabei immer um Emotion, Storytelling und Ästhetik geht“. Zudem trieb Yeh immer das Bedürfnis nach Eigenständigkeit und Unternehmertum an. „Wobei ich das damals noch nicht so benennen konnte“, sagt er im Rückblick. „Es war allerdings immer klar für mich, dass ich etwas machen möchte, wo ich frei bin und meine Energie wirklich hineinstecken kann. Etwas, wo ich mich verwirklichen kann.“
Aus dem „praktischen Experiment“ wurde recht schnell ein richtiges Unternehmen. Allerdings war der Weg zur heutigen Agentur von Umbrüchen begleitet. Während sich die ursprünglichen Mitgründer anders weiterentwickelten, übernahm Yeh das Unternehmen nach und nach vollständig. „Damit waren 2022 und 2023 bei uns klare Umbruchjahre“, so der Agenturinhaber. Diese Phase sei notwendig gewesen, um die Agentur neu auszurichten. Das Rebranding im Jahr 2025 markierte schließlich einen bewussten Schnitt. „Mir war wichtig, ein Kapitel abzuschließen und die Agentur zu hundert Prozent nach meiner eigenen DNA auszurichten“, so Yeh. Der neue Name sollte sichtbar machen, wofür das Unternehmen künftig stehen soll.
Zentraler Ausdruck dieser Neuausrichtung sei der Leitgedanke der Agentur: „Make it last“. Gedacht als bewusste Gegenposition zu einer Branche, die stark auf kurzfristige Effekte ausgerichtet ist. „Viele Kampagnen sind auf schnelle Peaks ausgelegt und verlieren danach sofort an Wirkung“, sagt er. Wirklich starke Marken etablierten sich jedoch anders: „Kommunikation muss über den Moment hinaus funktionieren, sowohl emotional als auch strategisch.“ Langfristige Markenbildung sei dabei, so Yeh, kein Zusatz, sondern die Grundlage jeder Maßnahme.
Weg vom Silo-Denken
Das Portfolio der Agentur konzentriert sich auf Creative Content, Design und Social Media Marketing, überwiegend im digitalen Raum aber auch kanalübergreifend. „Wir haben auch Out of Home-Kampagnen umgesetzt, etwa für die Stadt Wien, wo unsere Motive auf Straßenbahnen und Plakaten zu sehen waren“, sagt Yeh. Die digitale Kompetenz sei dabei ein historischer Vorteil: „Wir haben 2016 begonnen, als Social Media gerade erst professioneller wurde.“ Zu den Kunden zählen unter anderem das Mandarin Oriental Vienna, Thermomix, Lieferando oder Institutionen aus dem öffentlichen Bereich. Eine Spezialisierung auf einzelne Branchen lehnt Yeh bewusst ab. „Entscheidend ist nicht die Branche, sondern ob Unternehmen bereit sind, langfristig zu denken.“ Ganz entsprechend des Agentur-Credos „Make it last“. Damit beginnen die Strategien der Agentur auch nicht bei Kanälen oder Formaten, sondern bei der Identität, wie Yeh betont: „Die erste Frage ist immer: Wer oder was ist diese Marke überhaupt und welche Rolle spielt sie im Leben der Menschen?“ Erst danach werde entschieden, welche Maßnahmen sinnvoll seien.
Die Etablierung dieser Herangehensweise habe auch intern Veränderungen ausgelöst. „Wir wollten weg vom Silo-Denken, denn es hat der Austausch zwischen den Teams gefehlt“, erklärt er. Statt klarer Abteilungen setzt aime auf interdisziplinäre Teams, die den unterschiedlichen Kunden zuarbeiten. „Damit können die Units voneinander lernen und haben auch das Gefühl gemeinsam an etwas Größerem zu arbeiten.“
Nächster Stopp: Berlin
Ein Ansatz, der Früchte trägt: Denn aime wächst und arbeitet seit Kurzem an ihrer Präsenz in Berlin. Zwei Mitarbeitende betreuen dort bereits Kunden. „Berlin verbindet uns mit einer sehr persönlichen Geschichte“, erklärt Yeh, denn einige der ersten größeren Aufträge der Agentur kamen von dort. Heute sieht Yeh die deutsche Hauptstadt als strategische Chance: „Berlin ist ein Knotenpunkt für Kreativität, Tech-Unternehmen und internationale Talente.“ Der geplante Standort sei also vor allem ein erster Schritt in den deutlich größeren deutschen Markt. Während Kundenbeziehungen und Marktaufbau vor Ort in Berlin stattfinden, können operative Prozesse, die nicht ortsgebunden sind, in Wien abgewickelt werden.
Die Zukunft heißt KI
Inhaltlich richtet sich der Blick der Agentur stark auf Zukunftsthemen, allen voran Künstliche Intelligenz. Seit rund einem Jahr baut aime daher auch eine eigene KI-Content Division auf. „Wir sehen hier eine ähnliche Disruption wie damals bei Social Media“, sagt Yeh. KI verstehe man bei aime aber nicht als Ersatz für kreative Arbeit. „Qualität entsteht nicht durch Technologie allein, sondern durch Markenverständnis, Handwerk und Wirkung.“ Die neuen Tools sollen vor allem Raum schaffen, etwa für Tests, Varianten und neue Ideen.
„Mit der KI-Content Division wollen wir alles bündeln, was mit KI gestützter Kreation und KI-Marketing zu tun hat“, erklärt Yeh. „Das umfasst zum Beispiel die Entwicklung von Bild- und Video-Content, textbasierten Inhalten, natürlich auch Musik oder Voiceover.“ Der Einsatz von KI erfolgt dabei bewusst und reflektiert. Inspiration durch fremde Kreationen sei dabei laut Yeh nichts Neues und auch legitim, reine Kopie allerdings nicht. „Kreativität war immer ein Arbeiten mit bestehenden Einflüssen. Entscheidend ist, daraus etwas Eigenes zu machen“, betont er.
Strategisch verfolgt aime klare Ziele. Kurzfristig steht der Ausbau des Berliner Standorts im Fokus, mittelfristig der deutsche Markt. Langfristig gehe es um inhaltliche Relevanz. „In den nächsten drei bis fünf Jahren wird KI das Marketing fundamental verändern“, ist Yeh überzeugt. Gerade deshalb werde echte Markenarbeit wieder wichtiger: „Wenn Content-Produktion kein Problem mehr ist, bleiben nur jene Marken im Kopf, die eine klare Identität und eine konsistente Geschichte haben.“ Großes Potenzial sieht Yeh außerdem künftig im Einsatz von KI im Performance-Marketing. „Das ist ein Service, das wir dieses Jahr launchen und damit die Möglichkeit haben Content-Assets effizient zu erstellen und systematisch zu testen.“ Auch hier versteht Yeh KI nicht als Ersatz für klassische Produktionen, sondern als Ergänzung. Entscheidend bleibe am Ende „die Idee und die Kreativität, die man rausbringt“, so Yeh mit Blick auf die Zukunft.
