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Ein Leben für die Gleichstellung © APA-Fotoservice/Jacqueline Godany

FeministinVor 23 Jahren initiierte Maria Rauch-Kallat den ersten Journalistinnenkongress. Heuer wird sie ein Impuls-Statement über Gleichstellungs-Kriterien in der Medienförderung geben.

© APA-Fotoservice/Jacqueline Godany

FeministinVor 23 Jahren initiierte Maria Rauch-Kallat den ersten Journalistinnenkongress. Heuer wird sie ein Impuls-Statement über Gleichstellungs-Kriterien in der Medienförderung geben.

Redaktion 05.11.2021

Ein Leben für die Gleichstellung

Maria Rauch-Kallat plädiert weiterhin für gezielte Maßnahmen zur Förderung von Frauen im heimischen Journalismus.

••• Von Anna Putz

WIEN. Maria Rauch-Kallat gehört zu jener Art Mensch, die nicht lange um den heißen Brei herumredet. „Es ist noch immer nicht genug”, sagt die ehemalige Bundesministerin für Gesundheit und Frauen und meint damit die Gleichstellung der Geschlechter im Journalismus.

Wenn nächste Woche der 23. Journalistinnenkongress über die Bühne geht, wird Maria Rauch-Kallat wie jedes Jahr in der ersten Reihe sitzen. Die Initiatorin des Kongresses, der dieses Jahr unter dem Rahmenthema Wirtschaft und Medien steht, hat ihr berufliches Leben frauenpolitischen Fragen verschrieben – nicht nur, aber auch im Journalismus.

Hartnäckig bleiben

medianet wollte von Rauch-Kallat wissen, warum sie für eine gesetzliche Quotenregelung plädiert, wie sie die Stellung von Journalistinnen beurteilt und was sie zum bewegten Medienjahr 2021 zu sagen hat.

Auf die Frage, wie es um Frauen im heimischen Journalismus bestellt ist, antwortet Rauch-Kallat mit einer Anekdote.
Als Monika Lindner 2002 zur Generaldirektorin bestellt wurde, sei ihr zum einen „weniger Gehalt als ihrem Vorgänger geboten worden und zum anderen eine billigere Autokategorie”. Lindner wäre die Klasse des Autos zwar grundsätzlich egal gewesen, aber „aus Prinzip hat sie es abgelehnt”. Und das sei auch gut so, meint die ehemalige Politikerin. Nun liegt Lindners Amtsantritt schon knappe 20 Jahre zurück – wie beurteilt Rauch-Kallat die Lage von Journalistinnen heute?
Seitdem sie 1998 den ersten Journalistinnenkongress initiiert hat, habe „sich sehr, sehr vieles verbessert”: Frauen besetzen mittlerweile Ressortleitungen und Chefredaktionen, wurden „selbstbewusster und trauen sich mehr”. Und doch ist Rauch-Kallat sicher, dass „von einem Halbe-Halbe noch nicht die Rede sein kann”. Deswegen müsse nach wie vor auf Gleichstellung gepocht und gezielte Maßnahmen ergriffen werden.
Eine davon sei beispielsweise das Verankern von Gleichstellungskriterien in Form einer verpflichtenden Frauenquote in der Medienförderung. Das sei „zwar nicht elegant, aber es beschleunigt”. Außerdem hätten Gesetze Vorbildfunktion und würden für Verbindlichkeit sorgen.

Neue Sichtweisen integrieren

Konkrete Maßnahmen zur Förderung von Journalistinnen setzt Rauch-Kallat aber auch selbst. Seit 2013 betreut man im Zuge des Kongresses die „Youngstars” – junge Medienfrauen, die in der Branche Fuß fassen möchten. Mittlerweile sei aus dem spontan entstandenen Projekt ein „begehrtes Ausbildungsprogramm geworden”. Teilnehmerinnen besuchen Workshops, schreiben eigene Artikel, gestalten Social Media Beiträge und interviewen am Kongress selbst etablierte Journalistinnen.

Womöglich will Rauch-Kallat durch die Förderung junger Frauen auch vorantreiben, dass diese in allen journalistischen Ebenen und Bereichen tätig sind. So auch in Wirtschaftsressorts, in denen zwar talentierte Journalistinnen anzutreffen wären, aber nicht in ausreichendem Ausmaß. Frauen „haben einen anderen Zugang, bringen andere Sichtweisen ein, sind oft auch die besseren Wirtschafterinnen”, zeigt sich die ehemalige Ministerin überzeugt. Zudem würden sie sorgfältiger arbeiten, vorsichtiger agieren und weniger risikofreudig handeln als männliche Kollegen. Das sei „meistens ein Vorteil”, so Rauch-Kallat.
Ein Vorteil des heurigen Kongresses ist sicherlich auch, dass das Rahmenthema aktueller nicht sein könnte. Zwar sei das ein Zufall, da das Thema schon im Jänner 2021 festgelegt wurde, jedoch habe der Beirat des Kongresses und Monika Posch, zuständig für das Kongressprogramm, einen „guten Riecher”, schmunzelt Rauch-Kallat.

Eine unerfüllte Hoffnung

Angefangen bei der anhaltende Coronapandemie, über Vorwürfe sexueller Belästigung in heimischen Verlagen und die ORF-Wahl sowie die Inseratenaffäre war 2021 für Journalistinnen wie Journalisten ein bewegtes Jahr, so Rauch-Kallat. Und das sei auch gut so: „Wir brauchen keine Sonderstellung, sondern nicht mehr oder weniger als eine Gleichstellung.”

Wie eine Frau, die eine Agentur für Diversität leitet, einst den Ministerposten für Frauen innehatte und jährlich einen Journalistinnenkongress veranstaltet, den Stand der Gleichstellung mit Stand heute beurteilt? „Ich hätte gehofft, dass die Lage von Frauen viel besser ist und wir ein gutes Stück weiter sind.”
Und dennoch ist Maria Rauch-Kallat noch immer voller Tatendrang und Gestaltungswillen. Denn ihre 14-jährige Enkelin, hofft sie, erlebt die Gleichstellung noch. Sie soll „die Chancen, die ihr geboten werden, nutzen können und sich nicht unterkriegen lassen”.
Etwas, das nicht nur Rauch-Kallats Enkelin und anderen Frauen zu wünschen ist, sondern vor allem den Journalistinnen des Landes und denen, die es noch werden wollen.

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