WIEN. Der Senat der Wirtschaft lud am 8. Jänner zum traditionellen Neujahrsempfang in die Festsäle der Universität Wien. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Rulebreaker – mit Anstand gegen den Stand der Dinge“. Mehr als 300 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Medien und Politik nahmen an dem Empfang teil.
Laut Senat der Wirtschaft erfordern die aktuellen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen Menschen, die Verantwortung übernehmen und bestehende Denkmuster hinterfragen. Den inhaltlichen Auftakt gestaltete Benita Ferrero-Waldner, Präsidentin des Senats der Wirtschaft und ehemalige EU-Kommissarin. In ihrer Keynote erklärte sie, die Europäische Union stehe 2026 vor der Aufgabe, ihre Rolle in einer komplexen geopolitischen Landschaft klar zu definieren und Verantwortung strategisch, politisch und wirtschaftlich wahrzunehmen. Unternehmen käme dabei eine zentrale Rolle zu, um mit Mut und Verantwortungsbewusstsein zur wirtschaftlichen Entwicklung beizutragen.
Ferrero-Waldner hob zudem die Verantwortung von Unternehmen gegenüber ihren Mitarbeitern hervor. Transparente Kommunikation, soziale Absicherung und ein respektvolles Miteinander seien entscheidend für Vertrauen und Zusammenhalt. Darüber hinaus verwies sie auf das Global-Gateway-Projekt der Europäischen Union als Investitions- und Infrastrukturstrategie mit Fokus auf nachhaltige und transparente Projekte.
Haltung und Verantwortung im Alltag
Unternehmer und Spitzensportler Clemens Doppler sprach über Verantwortung im Leistungsumfeld. Anhand von Erfahrungen aus Sport und Unternehmertum führte er aus, wie wichtig Werte, Teamgeist und persönliche Haltung seien, um unter Druck bestehen zu können. „Unternehmen müssen Haltung zeigen und diese konsequent im täglichen Handeln widerspiegeln, letztlich prägt das Verhalten auch die bestehenden Verhältnisse“, sagte Doppler.
Medien und unternehmerische Konsequenz
Martina Salomon, Herausgeberin des Kurier, thematisierte in ihrer Keynote die Verantwortung der Medien im Spannungsfeld zwischen Information und Meinungsmacht. Journalismus dürfe keine „Erziehungsanstalt“ sein, sondern müsse Orientierung bieten und den offenen Diskurs fördern.
Heini Staudinger, Geschäftsführer der GEA Waldviertler, sprach über wertebasiertes Unternehmertum und plädierte für Konsequenz auch gegen Widerstände. Unternehmerische Freiheit und gesellschaftliche Verantwortung gehörten untrennbar zusammen.
Diskussion zu Politik und Wirtschaft
Höhepunkt der Veranstaltung war eine Podiumsdiskussion zur wirtschaftspolitischen Lage, moderiert von Robert Kleedorfer. Diskutiert wurde unter anderem über Staatsausgaben, Reformbedarf und Standortbedingungen. Karl-Heinz Strauss erklärte, Österreich habe kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem. Hanno Lorenz forderte eine klare Zukunftsvision und rasches Handeln. Georg Dornauer sprach sich für gemeinsame und überparteiliche Lösungen aus. Hans Harrer, Vorstandsvorsitzender des Senats der Wirtschaft, kritisierte fehlende Kapitalmarktstrukturen als Standortnachteil und betonte die Bedeutung funktionierender Finanzierungsmodelle.
Neuaufnahmen in den Senat
Im Rahmen des Empfangs wurden 24 neue Senatoren in den Senat der Wirtschaft berufen, darunter Vertreter aus Wirtschaft, Tourismus, Technologie, Bau, Bildung und Dienstleistung.
Zum Abschluss betonte Hans Harrer, Verantwortung sei kein Schlagwort, sondern eine Pflicht. Ohne Mut, Konsequenz und eigenes Handeln gebe es weder wirtschaftliche Stärke noch gesellschaftlichen Zusammenhalt. (red)
