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ÖIF-Forschungsbericht zur Mediennutzung von Migranten in der Pandemie © ÖIF
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Redaktion 01.04.2021

ÖIF-Forschungsbericht zur Mediennutzung von Migranten in der Pandemie

Filzmaier-Studie analysiert Informations- und Mediennutzungsverhalten von Migranten – Informationen werden häufiger über Social Media bezogen.

WIEN. Im Auftrag des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) haben Peter Filzmaier und Flooh Perlot vom Institut für Strategieanalysen (ISA) in Kooperation mit der Donau-Universität Krems eine Befragung zu Mediennutzung und Informationsverhalten während der Coronakrise durchgeführt. Befragt wurden 1.518 Personen mit und ohne Migrationshintergrund, konkret Personen mit türkischem und bosnisch-serbisch-kroatischem Migrationshintergrund (erste und zweite Generation), Personen aus Syrien und Afghanistan sowie eine Vergleichsgruppe, die repräsentativ für die österreichische Wohnbevölkerung ohne Migrationshintergrund steht.

Social Media als wichtigste Informationsquelle
Die aktuellen Entwicklungen in der Corona-Pandemie wurden von allen Befragten überwiegend sehr oder eher verfolgt. Besonders groß war das Interesse bei befragten Personen mit bosnisch-serbisch-kroatischem Migrationshintergrund (erste Generation 85%, zweite Generation 90%) und bei türkischen Migranten (erste Generation 93%, zweite Generation 90%). Bei den befragten Personen aus Afghanistan (10% sehr, 85% eher) und Syrien (19% sehr, 85% eher) war das Interesse geringer, aber immer noch sehr hoch. Die Informationen wurden vorwiegend über Social Media und aus dem Fernsehen bezogen. Aber auch Freunde und Bekannte galten generell als wichtige Informationsquelle für Personen mit Migrationshintergrund, befragte Syrer und Afghanen nannten diese noch vor den Massenmedien als mit Abstand wichtigste Informationsquelle.

Junge nutzten stärker Social Media
Migranten bezogen ihre Informationen zu aktuellen Ereignissen am häufigsten über Social Media-Kanäle. Die Frequenz pro Woche reichte dabei von durchschnittlich drei Tagen (bei Personen aus Afghanistan, Syrien) bis zu fünf Tagen (Personen der zweiten Generation aus der Türkei). Innerhalb der Gruppen gab es Unterschiede zwischen der ersten und zweiten Generation: Sowohl Befragte mit türkischem als auch BKS-Hintergrund der zweiten Generation verfolgten die Nachrichten zu aktuellen Ereignissen in Österreich häufiger über Social Media und in Tageszeitungen als Vertreter der ersten Generation. Im Fall von Social Media hat das auch mit dem niedrigeren Alter zu tun: Generell wurde diese Quelle von Jüngeren, unabhängig vom Migrationshintergrund, deutlich häufiger verwendet – Facebook war überwiegend der meistgenutzte Social Media-Kanal; Twitter wurde insbesondere von den befragten Syrern sehr oft genannt. Instagram war bei Personen der zweiten Generation wichtig, vor allem bei jenen mit türkischem Hintergrund.

Starke Betroffenheit durch Coronakrise
Personen mit Migrationshintergrund halten sich entsprechend der Studienergebnisse für stärker von der Covid-19-Pandemie betroffen als andere Menschen in Österreich. 86% bzw. 59% der befragten Afghanen und Syrer sowie 50% der Befragten aus der Türkei (erste Generation) stimmten der Aussage sehr oder eher zu. Unterschiedlich ist auch die Einschätzung, wie gut man im Falle einer Erkrankung an Corona vom österreichischen Gesundheitssystem versorgt werde: 86% der Befragten ohne Migrationshintergrund gehen davon aus, dass sie sehr oder eher gut versorgt werden. Ähnlich hoch ist das Vertrauen bei Personen der ersten Generation mit BKS-Hintergrund (75%), in den übrigen Gruppen geht die Zustimmung zurück. Vergleichsweise niedrig ist sie bei Befragten der ersten Generation aus der Türkei (51% sehr oder eher) und bei Syrern (53% sehr oder eher).

Falschmeldungen rund um Covid-19
Der Auffassung, dass das Coronavirus künstlich hergestellt und absichtlich verbreitet wurde, lehnten mehr als zwei Drittel der befragten Personen ohne Migrationshintergrund ab, nur 23% stimmten sehr oder eher zu. Unter den Migranten fiel die Zustimmung deutlich höher aus: Knapp 30% bis rund ein Drittel stimmte in allen befragten Gruppen der Aussage sehr zu; unter Afghanen lag die Zustimmung gar bei 98% (sehr oder eher). Die vergleichsweise geringste Zustimmung fand die Auffassung unter Migranten mit BKS-Hintergrund, wobei dennoch in dieser Befragtengruppe knapp 50% – und damit mehr als doppelt so viele wie unter den Personen ohne Migrationshintergrund – sehr oder eher zustimmten. (red)

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