WIEN. Österreich erreicht im Pressefreiheitsindex 2026 von Reporter ohne Grenzen (RSF) Platz 19 und setzt damit den Aufwärtstrend des Vorjahres fort. Die Bewertung basiert auf fünf Indikatoren, die unterschiedliche Entwicklungen zeigen.
„Österreich hat im Gesamtergebnis 1,31 Punkte gut gemacht. Die Kurve zeigt also nach oben, wobei der Zuwachs von 2,40 Punkten im rechtlichen Kontext besonders auffällt“, erklärt Martin Wassermair, Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen (RSF) Österreich. Er verweist auf Verbesserungen im allgemeinen Diskurs, der „nach zahlreichen Fällen von Korruption und Machtmissbrauch der kritischen Berichterstattung wieder mehr Wertschätzung entgegenbringt“. Präsident Fritz Hausjell sieht in der Gesamtbetrachtung des aktuellen Rankings sowohl Licht als auch Schatten und warnt vor allzu großer Zufriedenheit. „Der überfälligen Stabilisierung der ökonomischen Grundlagen von Medien und Journalismus wurde bislang nicht ausreichend Rechnung getragen, das schlägt sich nun mit geringeren Werten zu Buche, da weiter immer mehr Werbebuchungen von den journalistischen Medien zu den amerikanischen und chinesischen Digitalgiganten abfließen. In Anbetracht der aktuellen Anstrengungen zur Reform der Medienförderungen sollten die Werte des RSF-Rankings demzufolge ein wichtiger Anstoß sein.“
Informationsfreiheitsgesetz mit positiven Auswirkungen
Zu den positiven Faktoren zählt das seit September 2025 geltende Informationsfreiheitsgesetz, das neue Möglichkeiten für journalistische Recherchen eröffnet. Auch Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Europäischen Medienfreiheitsgesetz sowie ein stärkeres Bewusstsein für den Schutz vor Einschüchterungsklagen werden hervorgehoben.
Internationales Umfeld verschlechtert sich
Global zeichnet der Index 2026 ein angespanntes Bild: Mehr als die Hälfte der untersuchten Länder befindet sich laut RSF in einer schwierigen oder sehr ernsten Lage. Besonders die zunehmende Einschränkung durch gesetzliche Maßnahmen und sicherheitspolitische Argumentationen wird als problematisch bewertet.
Auch in etablierten Demokratien zeigen sich Rückgänge. Die USA verlieren im Ranking an Positionen, während Norwegen weiterhin den ersten Platz belegt. In mehreren Regionen verschärfen sich laut Bericht Gewalt und Repression gegenüber Medienschaffenden.
„Enorme Bedrohungen“
RSF sieht trotz der Verbesserung in Österreich keinen Anlass zur Entwarnung. „Die aktuelle Weltlage führt täglich vor Augen“, macht Generalsekretär Wassermair deutlich, „dass Demokratie und Pressefreiheit enormen Bedrohungen ausgesetzt sind.“ Ansgesichts der Rekordzahl getöteter Medienschaffender weltweit im Jahr 2025 fordert RSF entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, damit unabhängiger Journalismus nachhaltig abgesichert wird und Journalistinnen und Journalisten ihre berufliche Tätigkeit ungefährdet ausüben können.
Vor diesem Hintergrund erinnert auch Hausjell daran, „dass zu Beginn des Berichtsjahres 2025 die Zeichen für die Entwicklung der Pressefreiheit noch deutlich nach unten zeigten. So hatte sich die mögliche Koalition aus FPÖ und ÖVP in ihren letztlich abgebrochenen Verhandlungen bereits früh auf eine staatliche und deutlich reduzierte Finanzierung des öffentlich-rechtlichen ORF geeinigt, ebenso wie auf ein Zitierverbot aus Vorerhebungsakten.“ Den diesjährigen Platz 19 sieht der ROG-Präsident jedenfalls „als Ansporn, in den kommenden RSF-Rankings zumindest in die Top 10 aufzusteigen", so Hausjell abschließend. (red)
