WIEN. Der ORF-Stiftungsrat betraut am Donnerstag Ingrid Thurnher mit der vorläufigen Führung der Geschäfte des ORF-Generaldirektors. Der Schritt ist nötig, da Roland Weißmann am Sonntag von der Spitze des öffentlich-rechtlichen Medienhauses zurückgetreten ist. Ausschlaggebend waren Vorwürfe der sexuellen Belästigung, die er zurückweist. Eine Ausschreibung für den ORF-Generaldirektorenposten bis Jahresende soll dann laut Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer "unverzüglich" folgen.
Es ist anzunehmen, dass sich die gegenwärtige ORF-Radiodirektorin Thurnher dafür auch bewirbt. Wenig später erfolgt Anfang Mai die Ausschreibung für die eigentliche fünfjährige Generaldirektor-Funktionsperiode ab 2027. Bis dahin hätte Weißmann Österreichs größtes Medienhaus steuern sollen. In der Sitzung am Donnerstag soll zudem die Geschäftsordnung des Stiftungsrats angepasst werden. Geplant ist damit, eine straffere Debattenführung zu ermöglichen. Im Falle von hartnäckigen Störungen können künftig auch Ordnungsrufe und der Entzug des Rederechts erfolgen.
Westenthaler mit heftiger Kritik an Lederer
Noch vor der heutigen Sitzung trat Peter Westenthaler, der für die FPÖ im Aufsichtsgremium, sitzt vor die Presse und machte vor allem dem Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer schwere Vorwürfe. So hätten sie unter anderem unterlassen, das Aufsichtsgremium als Ganzes einzuberufen und stattdessen selbst diverse Entscheidungen getroffen, etwa den initiierten Rücktritt von Roland Weißmann. Westenthaler führt auch an, dass Weißmann ja sämtliche Vorwürfe bestreitet. Der FPÖ-Stiftungsrat spricht in diesem Zusammenhang auch von einer „angeblichen“ sexuellen Belästigung der betroffenen Frau. Westenthaler hatte zudem gefordert, Weißmann in den Stiftungsrat zu laden, damit er auch seine Sicht der Dinge darstellen könne.
In der Sitzung selbst wird es laut Tagesordnung einen Bericht über den Rücktritt von Roland Weißmann geben, und es erfolgt die Betrauung von Hörfunkdirektorin Ingrid Thunrher mit der vorläufigen Führung der Geschäfte des Generaldirektors geben Anschließend stehen mehrere Berichte aus den Gremien auf der Agenda: der Bericht des Vorsitzenden, Themen zur Corporate Governance sowie der Bericht der Corporate-Governance-Arbeitsgruppe. In diesem Zusammenhang wird auch eine Änderung der Geschäftsordnung behandelt. Daneben vorgesehen sind auch Berichte des Programmausschusses sowie des Ausschusses für Finanzen und Technik.
Im weiteren Verlauf soll es um den Prüfbericht 2024 und die Gebarungsprüfung des Geschäftsjahres 2024 gehen. Zudem steht die Entlastung des Generaldirektors auf der Tagesordnung. (fej/apa)
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