Kommentar ••• Von Dinko Fejzuli
ECHTE CHANCE? Die Causa, die zum Rücktritt des bisherigen ORF-Chefs geführt hat, ist hinlänglich bekannt und braucht hier nicht nochmals erörtert zu werden. Aber auf das, was nun kommen soll – oder wie manche Kommentatoren meinen: kommen muss –, lohnt allemal ein Blick.
Ein Super-GAU zur Super-Unzeit
Nicht nur, dass dem ORF buchstäblich vor dem ESC sein Alleingeschäftsführer abhandengekommen ist – 2026 ist vor allem ein ORF-Wahljahr, in dem eine neue, oder eben, wie manche dachten, alte ORF-Führung und vor allem deren Chef wiederbestellt wird. Nun kommt es ganz anders, und mit Ingrid Thurnher springt eine Journalistin – wie schon einmal für das Landesstudio Niederösterreich – nun auf der obersten Ebene ein und soll den ORF zumindest bis Ende 2026 und eben durch das ORF-Wahljahr führen.
Und dann? Der oder die neue ORF-Chef(in) braucht vor allem drei Dinge: eine hohe integrative Kraft nach innen, aber auch nach außen, echte Management-Qualitäten, denn die Zeiten werden nicht nur (partei)politisch, sondern vor allem wirtschaftlich immer rauer und er oder sie braucht – im Sinne eines unabhängigen ORF – vor allem eine breite Schulter gegenüber der Politik, die immer wieder schwach wird, Wünsche und Begehrlichkeiten in Richtung der Geschäftsführung und der Redaktion zu richten.
Aber das Wichtigste: Die neue Geschäftsführung muss vor allem daran arbeiten, dass – anders als lobenswerterweise im aktuellen Fall – nicht der Eindruck entsteht, dass Frauen, die Missstände aufzeigen, nicht ernst genommen, aber statt dessen gekündigt oder geklagt werden.
Zu hoffen ist, dass dies nun tatsächlich passiert und der Aufsichtsratsvorsitzende des ORF, Heinz Lederer, meinte auch in einem Interview ganz in diesem Sinne: „Ich will keine Cold Cases aufarbeiten, ich will lernen aus den Fehlern, die möglicherweise passiert sind, wie wir miteinander umgehen.“
Hoffen wir, dass es tatsächlich auch wirklich so kommt.
