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Seit 20 Jahren ein Haus für Radio-Kultur © Ingo Pertramer
© Ingo Pertramer

Dinko Fejzuli 15.09.2017

Seit 20 Jahren ein Haus für Radio-Kultur

Anlässlich des 20sten Geburtstags sprach medianet mit ­Thomas Wohinz, Geschäftsführer des RadioKulturhauses.

••• Von Dinko Fejzuli

Am 22. Oktober 1997 wurde im Funkhaus in der Argentinierstraße das ORF RadioKulturhaus eröffnet – als Kunst- und Kulturlieferant für das ORF-Publikum und die ORF-Radios. Seither hat sich das ORF RadioKulturhaus mit all seinen unterschiedlichen Veranstaltungen – von Klassikkonzerten, Lesungen, Kabarettabenden, Diskussionsveranstaltungen und Jazz- & Weltmusikausflügen bis hin zu Pop-, Rock- & Elektronikkonzerten – einen Namen in der Wiener Kulturlandschaft gemacht und sich als Garant für Vielfalt und Qualität erwiesen.

Audiophone Begegnungszone

Das ORF RadioKulturhaus setzt jährlich mehr als 300 Veranstaltungen um. Rund 60% davon werden auf Ö1 gesendet, viele aber auch auf FM4 und Radio Wien. Jährlich können etwa 150 Veranstaltungen aus dem ORF RadioKulturhaus von einem nationalen und internationalen Publikum via Audio-Livestream auf radiokulturhaus.ORF.at verfolgt werden. Durch das neue HD-Kamerasystem ist es seit heuer auch möglich, einige Veranstaltungen mittels Video-Livestream auf radiokulturhaus.ORF.at auch von zu Hause aus auf dem Computer, Tablet oder TV-Gerät mitzuerleben.

medianet bat aus gegebenem Anlass Geschäftsführer Thomas Wohinz zum Interview.


medianet:
Herr Wohinz, wie ist das RadioKulturhaus ent­standen und was war die Idee dahinter? 
Thomas Wohinz: Das ORF RadioKulturhaus ist am 22. Oktober 1997 eröffnet worden. Zum Areal unseres Hauses gehören die Studios 2 und 3, das RadioCafe und das KlangTheater – und natürlich unser Herzstück, der denkmalgeschützte Große Sendesaal mit seiner wunderbaren Akustik. Gründungsintention des ORF RadioKulturhauses war es, das Funkhaus für sein Publikum zu öffnen. Denn, wie der ehemalige Ö1-Chef und einer der Initiatoren des ORF RadioKulturhauses, Alfred Treiber, oft gesagt hat: „Wenn man nur sendet, hat man verloren.” So entstand die Idee, Sendungen live vor Publikum zu produzieren und so Radio auch erlebbar zu machen.

medianet:
Das RadioKulturhaus ist sehr auf Ö1 fokussiert, spricht aber durchaus auch ein jüngeres Publikum an; wie entstand das? 
Wohinz: Ja, unsere Verbundenheit mit Ö1 ist eine sehr enge. Wir haben im Jahr mehr als 300 Veranstaltungen, daraus sind im Jahr 2016 beispielsweise 218 Ö1-Sendungen entstanden. Aber auch rund 15 FM4-Sendungen und die Radio Wien Klubkonzerte finden ebenfalls im ORF RadioKulturhaus statt. Wir sehen uns als offene Kulturplattform mit einer großen Diversität an Angeboten. Deshalb haben wir im Laufe der Jahre auch sukzessive Programmreihen etabliert, die auf ein junges, kulturinteressiertes Publikum zugeschnitten sind. Dazu zählt etwa ‚Live@RadioKulturhaus', eine Reihe, in der junge österreichische Künstler wie Garish, Gustav, Kreisky, Neuschnee und andere auftreten.

medianet:
Sie arbeiten auch mit der Privatbank der Raiff­eisenlandesbank Oberösterreich zusammen; wie kam das zustande, und was ist der Bonus für die Privatbankkunden?
Wohinz: Die Privatbank der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich ist seit mehr als 15 Jahren der Hauptpartner des ORF RadioKulturhauses. Diese Kooperation ist aus einer Partnerschaft der Privatbank mit der Bundestheater-Holding entstanden. Es wurde noch eine besondere Nische als Ergänzung gesucht und in der RadioKulturhaus-Programmierung gefunden. Entstanden ist eine Partnerschaft, die ein schönes Beispiel für langfristiges und nachhaltiges Kultursponsoring ist. Diese Kooperation zeigt auch, dass wir uns als Partner anderer Kulturinstitutionen verstehen; wir arbeiten ja auch öfter mit anderen Häusern oder Festivals zusammen. Der Bonus, denke ich, ist die Diversität unserer Veranstaltungen – von Konzerten über Diskussionen oder Lesungen bis zu Kabarett – und das Ambiente des denkmalgeschützten Großen Sendesaals, da die Veranstaltungen dadurch etwas Magisches haben.

medianet:
Wer sind denn die klassischen Besucher des ORF RadioKulturhauses, über das Ö1 Publikum hinaus?
Wohinz: Ich bin mir gar nicht sicher, ob wir tatsächlich ‚klassische Besucher' haben. Unser Publikum ist so vielfältig wie unsere Angebote. Bei uns sind Schüler zu Gast, die Spaß haben mit den Education-Programmen des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien, das ja im Großen Sendesaal beheimatet ist. FM4 veranstaltet oft seine ‚Radio Sessions' bei uns – ich erinnere mich noch gut an das Gastspiel von Chilly Gonzales gemeinsam mit dem RSO Wien, bei dem Gonzales plötzlich auf dem Klavier gelegen ist und gespielt hat. Das ORF RadioKulturhaus wurde ja auch gegründet, um zu experimentieren und auszuprobieren. Wir haben daher über die letzten Jahre immer wieder Neues entwickelt, vieles davon behalten und einiges wieder verworfen. Wir wollen für alle Kulturinteressierten, egal welchen Alters, die Insel sein, wo man hinkommt, um interessante, lustige oder berührende Stunden zu genießen und den Alltag ein bisserl zu verlassen.

medianet:
Das RadioKulturhaus hat ein sehr kleines Budget. Wie funktioniert die Organisation damit?  
Wohinz: Wir haben ein großartiges Team im ORF RadioKulturhaus, das mit großer Begeisterung die Veranstaltungen – oft sind es ja zwei bis drei pro Abend in den verschiedenen Studios – organisiert und betreut.

medianet:
Verwerten Sie die Aufnahmen auch weiter, über Ö1 oder andere ORF Programme hinaus? Und wenn ja, wie? 
Wohinz: Wir haben vor einem Jahr im Sendesaal eine HD ­Videostreamanlage mit sechs kleinen, schwenkbaren Kameras installiert. Wir streamen mittlerweile live und weltweit und geben die Video-Produktionen 1:1 an ORF III weiter. Wir streamen etwa sechs Veranstaltungen pro Monat, die für jeden dadurch frei zugänglich sind. Die Streams sind live auf radiokulturhaus.ORF.at zu sehen, bei Ö1-Veranstaltungen auch auf der Ö1-Website.

 

medianet: Und wie viel Platz bietet das ORF RadioKulturhaus und wie hoch ist die Auslastung? 
Wohinz: Wir haben im Schnitt rund 30.000 Besucher pro Jahr. 300 Besucher haben im Großen Sendesaal Platz; dort gibt es in der Grundbestuhlung 226 Lederfauteuils und die Möglichkeit von Bühnenplätzen. Im Studio 3 haben wir 100 und im RadioCafe 55 Sitzplätze. Die durchschnittliche Auslastung des ORF RadioKulturhauses liegt bei rund 80 Prozent.

medianet: Was wird sich denn für das ORF RadioKulturhaus ändern, wenn sich Ö1 zurückzieht?
Wohinz: Nur die Logistik, denn der Kulturstandort stand ja nie zur Disposition.

medianet:
Kann man sagen, dass das ORF RadioKulturhaus die Tür des ORF ist?
Wohinz: Ja, absolut, und wir laden das Publikum ein, einzutreten. Wir sind der Live-Kulturanbieter des ORF, eine interaktive kulturelle Plattform für das Publikum. Bei uns treffen sich Künstler, Wissenschaftler, Publikum und Fernseh- und Radiomacher – das macht diese einmalige und spannende Mischung aus.

medianet:
Welche Bedeutung habt ihr für Kulturschaffende als Aufführungs- und Präsen­tationsstandort?
Wohinz: Durch unser Gesamtangebot sind wir als ORF RadioKulturhaus ein relevanter Partner für Kunst- und Kulturschaffende. Im ORF RadioKulturhaus trifft beste Akustik auf großartige Tontechnik in einem wunderbaren Ambiente – das schätzen die auftretenden Künstler sehr. Als zusätzliches Asset werden die Auftritte in HD aufgezeichnet und die Künstler erhalten Mitschnitte. Ein weiterer Punkt sind die Live-Übertragungen in Ö1 oder die aus den Veranstaltungen entstehenden Sendungen für Ö1, FM4 oder ORF III. So vervielfachen sich die Kontaktpunkte der Künstler mit dem Publikum. Eine ideale Produktion im ORF RadioKulturhaus besteht in meiner Sicht aus der Veranstaltung vor Ort, der Möglichkeit, diese auch live im Video- bzw. Audiostream weltweit mitzuverfolgen, und dem Entstehen von Sendungen für die Radios, allen voran natürlich Ö1, und ORF III.

medianet:
Wie können wir uns das Fest zum 20-jährigen Jubiläum vorstellen? 
Wohinz: Der Jazzkomponist und -musiker Franz Koglmann und das RSO Wien haben vor 20 Jahren das ORF RadioKulturhaus eröffnet und werden nun auch zum Jubiläum auftreten. Franz Koglmann hat eine Partitur zu ­einem eigens geschriebenen Krimi von David Schalko komponiert. Der bildende Künstler Jakob Kirchmayr hat das Bühnenbild zu diesem Text produziert, Markus Hering rezitiert den Text zur Musik, Julian Pölsler wird Regie führen. Dieses Programm steht für das ORF RadioKulturhaus als genreübergreifendes Experimentierfeld. Es haben sich durch uns verschiedenste Künstler gefunden, um gemeinsam ein einmaliges Projekt zu machen. Ein Gesamtkunstwerk aus Wort, Musik und bildender Kunst und dafür steht unser Haus.

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