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Redaktion 29.06.2018

Verantwortung der Politik

Eine Studie zeigt: Die Leistungen der Kreativbranche werden nicht ausreichend honoriert – gleichzeitig sind Kreativschaffende bestens ausgebildet.

WIEN. Die Honorare von österreichischen Designschaffenden stagnieren seit zehn Jahren nicht nur, sie sind teilweise sogar deutlich gesunken. Dabei sind sie immer besser ausgebildet und leisten eine hochqualitative Arbeit, die international geschätzt ist.

Zum Beispiel wurden für die Gestaltung einer A4-Seite eines Folders 2007 noch rund 90 Euro pro Stunde verrechnet; 2017 brachte die gleiche Leistung nur mehr 65 Euro pro Stunde und somit um rund 40 Prozent weniger ein.

Neues Handbuch

Zu diesem Ergebnis kamen Umfragen unter 1.231 Designschaffenden in Österreich, die im Laufe des Jahres 2017 im Auftrag von designaustria durchgeführt wurden. 822 Grafik- und Kommunikationsdesigner, 242 Produkt- und Industriedesigner und 167 Illustratoren wurden dabei nach ihren konkret erzielten Honorarwerten und ihrer Arbeitssituation befragt.

Die Ergebnisse sind in die Erstellung des neuen Handbuchs „Design: Kalkulation & Honorar” eingeflossen, das designaustria in Kooperation mit der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation der Wirtschaftskammer Wien herausgibt.
Mit 70,3 Prozent ist der überwiegende Teil der Designer in Österreich selbstständig, wobei viele davon als sogenannte Ein-Personen-Unternehmen (EPU) keine Mitarbeiter beschäftigen. Es sind vorwiegend junge Personen, nur 4,8 Prozent sind über 50 Jahre alt. Fast zwei Drittel (63,5 Prozent) der selbstständigen Designschaffenden zeigten sich zufrieden mit ihrer Tätigkeit. Allerdings gaben auch 41,8 Prozent der befragten Design-EPU an, nur über ein Einkommen von bis zu 30.000 Euro brutto im Jahr zu verfügen, 29,5 Prozent verdienen gar weniger als 20.000 Euro.
„Designer machen ihren Job sehr gern und gehen richtig darin auf. Aber es kann nicht sein, dass ein Drittel unserer Kolleginnen und Kollegen gerade so über die Runden kommt”, warnt Severin Filek, Geschäftsführer von designaustria, des Wissenszentrums und der Interessenvertretung für Design in Österreich.
Die sinkenden Honorare und Einkünfte seien teilweise aber auch hausgemacht: „Manche Honorare grenzen schon fast an Selbstausbeutung. Wir müssen uns auch an der eigenen Nase nehmen und die Preisspirale nach unten stoppen”, fordert Filek.
Gelingen kann dies durch eine betriebswirtschaftlich fundierte Honorarberechnung, wie sie im Handbuch dargelegt wird. Aber auch ein selbstbewusstes Verhandeln mit Auftraggebern ist von großer Bedeutung, erklärt Filek.

Mindesthonorare gefordert

Jährlich bringen die österreichischen Design-Ausbildungsstätten mehr als 1.000 Absolventen hervor. Damit wächst allein in Wien die Branche jedes Jahr um rund 40 Kollegen.

„Mehr Angebot erzeugt natürlich einen Druck auf die Honorare. Gerade Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger versuchen, über das Pricing Aufträge zu gewinnen. Hier müssen alle verstehen, dass einmal gesunkenen Preise nur noch schwer zu heben sind”, beschreibt Marcus Arige, Ausschussmitglied der Fachgruppe Werbung Wien, die problematische Situation.
Arige fordert außerdem: „Wir brauchen eine gläserne Decke nach unten. Damit wir Mindesthonorare einführen können müssen wir aber das Kartellrecht auf europäischer Ebene verändern.” Qualifizierte Arbeit von Expertinnen und Experten müsse einen Mindestpreis haben, ist Arige überzeugt.
Dieses Handbuch bietet in komprimierter Form eine wichtige Unterstützung für Berufsausübende und deren Auftraggeber, um mehr Transparenz bei der Auftragsabwicklung zu gewährleisten. Man erfährt, wie Stundensätze kalkuliert werden, was es mit der Berechnung von Nutzungsrechten auf sich hat und wie es um das allgemeine Honorarniveau in Österreich bestellt ist. (gs/red)

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