Werbung für Streaming TV und sonst nichts
© Martina Berger
MARKETING & MEDIA Redaktion 20.03.2026

Werbung für Streaming TV und sonst nichts

Mit marketheroes gründen Joachim Feher und Christian Steiner eine Agentur nur für Connected TV (CTV) Ads

••• Von Dinko Fejzuli

Joachim Feher und Chris Steiner wollen mit ihrer neuen Agentur marketheroes Strea­ming-TV-Werbung mit klassischem TV-Impact und digitaler Präzision positionieren. Damit setzen die beiden Agenturgründer auf ein Feld, das in Österreich zwar bereits bearbeitet wird, aus ihrer Sicht aber noch kaum als eigenständige Spezialisierung auftritt.

Neuen Bedarf decken
Genau darin sehen die beiden ihre Positionierung. Feher zur Positionierung ihrer neuen Agentur: „Es ist ein Thema, das in Mediaagenturen und Digitalagenturen bereits angesiedelt ist, aber jemand, der sich ausschließlich dem Thema Werbung in Streaming-TV widmet, da sind wir die einzigen.“  Und der Markt, den die beiden adressieren, wächst nach ihrer Einschätzung stark. Steiner verweist auf internationale Nutzungszahlen: „Wir reden im Augenblick von 315 Millionen Amazon-Usern weltweit, die pro Monat mit Werbung erreichbar sind“ und auch in Österreich ist die Plattform sehr verbreitet. Laut Feher haben hierzulande 1,5 bis 1,7 Mio. einen Amazon Prime-Account oder „anders ausgedrückt, es ist bereits ein Millionenpublikum mit Werbung erreichbar“, so Feher über die Zielgruppe, die werbetreibende Unternehmen, Agentur und Partner hier ansprechen können.

Auch Studien zur Nutzung von Streamingdiensten in Österreich zeigen laut den beiden ein deutliches Bild. Steiner verweist auf Ergebnisse aus der Bewegtbildforschung: „Die RTR-Bewegtbildstudie sagt, dass 44,3 Prozent aller Österreicherinnen und Österreicher in den letzten vier Wochen Amazon Prime genutzt haben.“ Und auch in mehreren internationalen Analysen würde Streaming-TV zudem als eine der am schnellsten wachsenden digitalen Werbeformen bezeichnet. „IAB Europe und amerikanische Studien zeigen, dass Streaming-TV-Ads die am schnellsten wachsende digitale Werbeform in 2025 und 2026 ist“, sagt Steiner.

„Sehr präzises Targeting“
Im Zentrum der Agentur steht die Distribution programmatisch eingekaufter Werbung im Streaming-TV, vor allem über die Amazon DSP, die Ad-Tech-Plattform von Amazon. Der entscheidende Vorteil liegt aus Sicht der Gründer in der Verbindung von „sehr großer Reichweite am Big Screen und sehr präzisem Targeting“.

Feher beschreibt das so: „Ich schaffe den Riesen-Impact, den Bewegtbildwerbung hat, in Kombination mit wirklich präzisem Targeting und das macht Kampagnen über die Amazon DSP unschlagbar.“
Der Grund dafür liegt aus ihrer Sicht in der Datenbasis der Plattform. Während klassische Medien vor allem demografische Informationen nutzen, könne Amazon deutlich mehr aus dem Konsum-Verhalten der Nutzer ableiten. „Alles, was jemand, gescreent hat, bewertet hat, gekauft hat oder in den Warenkorb gelegt hat“, sagt Feher, lasse sich in Zielgruppensegmente übersetzen.

Steiner ergänzt, dass dadurch sehr spezifische B2C-Zielgruppen oder auch reine B2B-Zielgruppen adressierbar seien – und dies sogar auf regionaler Ebene. Erreichbar sind etwa gezielt Menschen via Prime Video und in Deutschland auch via Netflix, Disney+ und Samsung TV, die sich kürzlich in einer spezifischen Region für ein bestimmtes Produkt am Marktplatz von Amazon interessiert und noch nicht gekauft haben, oder etwa spezielle Musik-Genres oder spezielle Serien/Film-Genres konsumiert haben. Gleichzeitig solle man diese Möglichkeiten nicht bis ins Extrem ausreizen. „Bei regionalen Werbekunden redet man eher davon, dass man im direkten Einzugsgebiet von ca. 20 bis 30 Kilometer Umkreis eine große Reichweite und Sichtbarkeit erzielt“, sagt Steiner.

Damit adressieren Feher und Steiner nicht nur große Etats. Als potentielle Kunden nennen sie sowohl größere Marken als auch regionale Unternehmen – wie beispielsweise Autohäuser, ­Veranstaltungen oder Thermen. Feher spricht in diesem Zusammenhang von einer „Demokratisierung des Big Screens“. Streaming-TV ermögliche es nämlich erstmals auch kleineren Werbetreibenden, Bewegtbildkampagnen im TV-ähnlichen Umfeld auszustrahlen.
Ein weiterer Vorteil sei die niedrigere Einstiegshürde. Steiner betont, dass die Agentur bewusst keine Mindestbudgets vorschreibt. „Wir haben keine Mindestbuchungsvolumen und auch keine Mindestbudgets“, sagt er. Selbst kleinere Tests seien möglich: „Wenn bei uns jemand um die Ecke kommt und sagt, ich möchte das im sehr kleinen Rahmen testen, und wir es als spannend empfinden, dann schauen wir uns das gerne an.“

Erfahrungen sind Gold wert
Gerade solche regionalen Kampagnen sind für die beiden auch strategisch interessant. „Die Erfahrungen, die regionale und kleinteilige Kampagnen liefern, sind Gold wert“, sagt Steiner. Denn dort werde Sichtbarkeit unmittelbar spürbar: „Wenn am Wochenende Mitarbeiter zum Chef kommen und sagen: ‚Hey, wir haben unseren Spot gesehen‘ – dann hat man auf mehreren Ebenen gewonnen.“

Gefragt nach ihrem USP bei einer Zusammenarbeit mit Werbetreibenden, aber auch mit anderen Agenturen nennen die beiden vor allem drei Punkte: Unabhängigkeit, langjährige operative Erfahrung und Transparenz. Steiner formuliert es so: „Transparenz in jeder Hinsicht. Intransparenz ist das Riesenthema, das in der Branche schon seit Ewigkeiten vorherrscht, und hier sehen wir einen großen Aufklärungsbedarf“ – und Feher ergänzt, dass ihre Agentur „bewusst unabhängig“ arbeiten wolle: „Wir haben nicht den Druck, für irgendwen irgendwelche Volumen zu erfüllen.“ Ziel sei es vielmehr, Kunden offen zu zeigen, welche Möglichkeiten die markführenden Ad-Tech-Plattformen tatsächlich bieten.
Ein weiterer Unterschied liegt aus Sicht der Gründer in der operativen Umsetzung bei marketheroes. Steiner betont, dass hier Kampagnen direkt von erfahrenen Spezialisten gesteuert werden. „Nicht ein Junior, sondern jemand, der seit 20 Jahren Programmatic macht“ arbeite direkt an der Plattform. Das sei wichtig, weil die Systeme komplex seien, sich ständig weiter entwickeln und man dort „wirklich viel falsch machen“ könne.

Kunden mehr „mitnehmen“
Darüber hinaus wollen Feher und Steiner ihre Kunden stärker in die Prozesse einbinden. Ziel sei „nicht, ein Excelreport zu liefern mit drei Kennzahlen“, sondern Kunden so abzuholen, dass sie das System und die Möglichkeiten dahinter verstehen. Abschließend betonen die beiden, dass ihre Agentur marketheroes kein reiner Abwickler von Kampagnen sei, sondern sie sich selbst auch als Spezialist für ein Feld, das im österreichischen Werbemarkt noch lange nicht ausgeschöpft sei, sehen. Feher formuliert den Anspruch abschließend folgendermaßen: „Wir gehen mit unseren Möglichkeiten auf den Gesamtmarkt und haben auch den Anspruch, Aufklärung zu betreiben – darüber, wie der Markt aussieht und welche Möglichkeiten es gibt.“

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