„Allerseelen“  im Einzelhandel
© APA/Tanja Ungerböck
RETAIL Redaktion 06.11.2026

„Allerseelen“ im Einzelhandel

In Österreich schließen im Schnitt 17 Handelsbetriebe pro Tag. Den wenigsten von ihnen geht eine Insolvenz voraus.

WIEN. Der vergangene Sonntag stand im Zeichen von Allerseelen, dem Gedenktag der Verstorbenen. Das Institut für Handel, Absatz und Marketing (IHaM) an der JKU Linz hat das zum Anlass genommen, auch das „Sterben“ heimischer Handelsunternehmen näher unter die Lupe zu nehmen – und plädiert angesichts der Befunde „für einen anderen Umgang mit dem Ende von Unternehmen“, wie es in einer Aussendung heißt. Denn: Nicht jedes Ende sei zwangsläufig auch ein „Scheitern“.

Sterben in Stille
6.283 Handelsunternehmen haben im Jahr 2024 laut Statistik Austria für immer geschlossen. Damit ist im langjährigen Vergleich die Zahl der Unternehmensschließungen zum vierten Mal in Folge gestiegen, im Zehn-Jahres-Vergleich gab es nur 2016 mehr Schließungen (6.551). Rein rechnerisch sperren somit pro Tag rund 17 Handelsunternehmen zu. Der Großteil von ihnen „stirbt“ indes im Stillen und ohne Insolvenzverfahren: Zu den Schließungsgründen zählen laut Creditreform und ZEW verstärkt demografische Entwicklungen, etwa wenn Firmeninhaber ohne Nachfolge in Pension gehen. Eine zentrale Rolle für den Anstieg der Schließungen spiele zudem die Krisendynamik der letzten Jahre sowie ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren vom technischen Wandel über steigenden Wettbewerbsdruck, zunehmender Bürokratie bis hin zu gestiegenen Energie- und Personalkosten.

Zum Vergleich: Die Zahl der jährlichen Insolvenzen im Handel belief sich 2024 auf 1.117 (2025: 1.113) – damit ist der Handel zwar einer der am häufigsten von Pleiten betroffenen Wirtschaftssektoren, doch zeigt die Zahl, dass hinter weniger als jeder fünften Betriebsschließungen auch ein wirtschaftlicher Bankrott steht.
„Nicht jedes Unternehmen, das vom Markt verschwindet, ist daher gescheitert. Pensionierung, fehlende Nachfolge oder veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen können ebenso Gründe sein“, betont IHaM-Handelsforscher Ernst Gittenberger. „Unternehmenssterben“ sei ein „normaler Bestandteil einer dynamischen Wirtschaft“.

Ruf nach Umdenken
IHaM-Vorstand Christoph Teller plädiert vor diesem Hintergrund für ein Umdenken: „Ein Unternehmensende löscht weder die zuvor geschaffene Leistung aus noch muss es das Ende unternehmerischer Tätigkeit bedeuten. Wir brauchen eine Kultur, die Unternehmertum nicht nur beim Gründen und Wachsen unterstützt, sondern auch beim Scheitern, Lernen, Loslassen und neuerlichen Beginnen“. Auch andere Unternehmen würden aus Marktaustritten lernen können, zeigten Schließungen doch auch Veränderungen bei Nachfrage, Wettbewerb, Kosten und Geschäftsmodellen auf. (red)

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