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Bei den Franchisern herrscht Optimismus © Österreichischer Franchise-Verband/APA-Fotoservice/Juhasz

Präsentierten die Studie ÖFV-Präsident Andreas Haider mit ÖFV-Generalsekretärin Barbara Steiner und mm.insights-Geschäftsführer Herbert Marchl (v.l.).

© Österreichischer Franchise-Verband/APA-Fotoservice/Juhasz

Präsentierten die Studie ÖFV-Präsident Andreas Haider mit ÖFV-Generalsekretärin Barbara Steiner und mm.insights-Geschäftsführer Herbert Marchl (v.l.).

Redaktion 15.10.2021

Bei den Franchisern herrscht Optimismus

81% der Franchisesysteme sind gut durch die Krise gekommen, 79% erwarten für 2022 Umsatzwachstum.

••• Von Paul Hafner

BRUNN AM GEBIRGE. Natürlich seien „die letzten zwei Jahre auch für die Franchiseszene nicht einfach gewesen”, räumt Andreas Haider, Präsident des Österreichischen Franchise-Verbands (ÖFV), ein; in Anbetracht der mannigfachen Herausforderungen sind die Systeme samt ihrer Partner und Beschäftigten allerdings erstaunlich gut durch die Krise gekommen – das zeigt eine aktuelle, zwischen Juli und September 2021 von mm.insights für den ÖFV durchgeführte Online-Befragung unter den Mitgliedern des Verbands.

Mit aktuell ca. 495 Franchise-systemen liegt man deutlich über der Vorkrisenzahl von 2019 (+15) – und auch der Umsatz der Systeme ist gegenüber 2019 um eine halbe Milliarde auf 10,8 Mrd. € gestiegen – eine Steigerung von 37% gegenüber 2010 (7,9 Mrd. €).
Eine moderate Steigerung zeigt sich bei den Franchisepartnern (9.600, +200 ggü. 2019), Standorten (12.000, +300 ggü. 2019) und sogar in der Beschäftigtenzahl: Nach einem Anstieg von 61.000 auf 87.300 zwischen 2010 und 2019 stabilisierte sich die Zahl im Zuge der Krise auf 87.700.

Vorteile in der Krise

Freilich lässt sich aus den Zahlen eine gewisse Verlangsamung der bis dahin recht zügigen Expansion der Franchiseszene herauslesen, doch geben 81% der Befragten an, „gut durch die Krise gekommen” zu sein – nicht zuletzt dank den Erfolgsfaktoren Zusammenhalt in der Gruppe und zentrale Lösungen.

„In einem Filialsystem mit dezentralen Strukturen sind Mitarbeiter häufiger auf sich allein gestellt. Franchiser haben in der Krise viele Vorteile, nicht zuletzt dank der starken Systemzentrale im Hintergrund, die all ihre Möglichkeiten der Unterstützung voll ausspielen kann”, so Haider. ÖFV-Generalsekretärin Barbara Steiner ergänzt: „Das Gefühl, selbstständig und doch in einem Netzwerk zu sein und gemeinsam an einem Strang zu ziehen, war und ist schon sehr hilfreich.”

Positive Aussichten

Allein dass man in Anbetracht der Zahlen trotz Pandemie von einer Fortsetzung des Aufwärtstrends sprechen kann, zeugt von der Krisenfestigkeit der Branche. Bleiben weitere Rückschläge aus, stehen positive Zeiten bevor: 74% der befragten Franchisegeber befinden sich in der Start- (10%), Aufbau- (14%) oder in der Expansionsphase (50%) und damit im Wachstum; 79% der Systeme rechnen für 2022 mit einem Umsatzplus, lediglich zwei Prozent mit Einbußen. Knapp vier von fünf (73%) planen im kommenden Jahr, neue Beschäftigte aufzunehmen, mehr als neun von zehn (91%) die Aufnahme neuer Partner.

Annähernd alle, nämlich 98% der Franchisegeber, werden neue Franchisepartner aufnehmen; eine Trennung von einzelnen Partnern steht bei weniger als jedem fünften (17%) an. In Summe stehen beabsichtigten 2.300 neuen Franchisenehmern nur 224 geplante Trennungen gegenüber.
Die Verteilung der Systeme gestaltet sich indes nach wie vor vielfältig, wobei die Branchen Lebensmittel, Gastronomie und Bauen in Summe circa 45% ausmachen. In diesen Branchen sowie im Dienstleistungsbereich ortet Haider in den kommenden Jahren besonderes Potenzial – und führt als Beispiel digitale Nahversorgungslösungen wie Selbstbedienungsverkaufsshops ins Feld. Gleichzeitig sieht Haider in der Umsetzung von Digitalisierungsmaßnahmen – neben dem Finden geeigneter Franchisenehmer – eine der größten Herausforderungen der Branche.

Herausforderungen

Luft nach oben orten Steiner und Haider auch in Sachen Frauenquote: „Weibliche Führungskräfte sind noch deutlich unterrepräsentiert”, erklärt Steiner. Während der Anteil an Franchisepartnerinnen bei 22% liegt, sind mit 27% nur knapp mehr als ein Viertel der Führungskräfte weiblich.

In Sachen Förderprogrammen rücken Franchisegeber vornehmlich Unterstützung im Rahmen einer Work-Life-Balance (52%) in den Vordergrund; formale Karrierepläne für Frauen gibt es in 14% der Systeme, 12% fördern systeminterne bzw. -externe Fraunenetzwerke, und immerhin zehn Prozent bieten spezifische Weiterbildungsprogramme für Frauen an. Haider sieht hier auch die öffentliche Hand gefragt: Es gelte, „Fördertöpfe aufzumachen”, um Rahmenbedingungen für eine Startunterstützung zu schaffen. Seitens der Unternehmen ist das Thema Gleichstellung bei 52% der Systeme in der Unternehmensphilosophie verankert.
Stark vertreten seien Frauen insbesondere im Dienstleistungsbereich, etwa in der Alten- und Kinderpflege sowie im Bildungsbereich, in Franchise-systemen wie Lernquadrat und Schülerhilfe.

Vernetzung im Fokus

Auch der ÖFV selbst unterstützt Frauen in der Franchiseszene: Unter dem Motto „Gründen muss weiblicher werden” wurde die Frauenförderung per Kick-off-Veranstaltung im Jänner zum Schwerpunktthema 2021 gemacht und gemeinsam mit dem Deutschen Franchise-Verband das „Frauen Netzwerk im Franchise” ins Leben gerufen.

Im Fokus der regelmäßigen virtuellen Treffen – u.a. „Lunch Breaks” via Videotelefonie – stehen Austausch, Vernetzung und die Ermutigung, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.

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