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Das große Comeback: Mehrweg-Glasflaschen © Mitja Kobal/Greenpeace
© Mitja Kobal/Greenpeace

Nicole Sziesz 15.03.2019

Das große Comeback: Mehrweg-Glasflaschen

Der Trend geht 2019 zurück zu ökologischen Mehrwegverpackungen. Doch wie kommt das Revival bei Industrie und Verbrauchern an?

••• Von Nicole Sziesz

Vier von fünf Österreichern (78%) wünschen sich ein größeres Angebot an Mehrweg-Flaschen im Handel. Das zeigt das Ergebnis einer repräsentativen Telefon-Umfrage von Akonsult Mitte Februar, berichtete der Auftraggeber Greenpeace. Bislang war das Angebot an Mehrweg-Verpackungen kaum vorhanden. Das könnte sich heuer aber ändern: Sowohl Berglandmilch als auch Spar und Rewe reagieren jetzt auf die große Nachfrage seitens der Konsumenten. Der Plan: Das Comeback der Glasflasche.

Der aktuelle Trend lässt sich auf eine im Dezember beschlossene EU-Strategie gegen Plastikmüll zurückführen. Der Anteil der wiederbefüllbaren Pfandflaschen sei in den letzten 20 Jahren gesunken. Damals waren 80% der Getränkeverpackungen Mehrweg-Flaschen. Traurige Bilanz: Heute seien es nur mehr knapp 20%, informierte Greenpeace in einer Aussendung. Damit sei derzeit nur etwa jede fünfte Flasche wiederbefüllbar.
Vor allem Bier werde in der Mehrweg-Flasche angeboten. Bei Saft, Wasser und Milch fehle ein solches Angebot dagegen fast gänzlich. „Die Umfrage zeigt deutlich: Die Österreicher wollen mehr wiederbefüllbare Getränkeflaschen in den Supermarktregalen. Doch sie scheitern am kaum vorhandenen Angebot”, erläuterte Nunu Kaller, Expertin für Konsumfragen bei Greenpeace in Österreich.

Warum eigentlich Mehrweg?

Mehrweg-Flaschen können mehr als 40 Mal wiederbefüllt werden, betonte Greenpeace. Auf diese Weise können viele Ressourcen gespart werden. Auch wenn Einweg-Glasflaschen recycelt werden, verursachen Mehrweg-Glasflaschen etwa viermal weniger schädliche Treibhausgase.

Die Umweltorganisation fordert von der Regierung ein Pfandsystem auf alle Getränkeverpackungen. Bis 2025 sollen davon in etwa zwei Drittel Mehrweg-Flaschen sein und als solche verpflichtend gekennzeichnet sein, hieß es in der Aussendung. „Vom Handel erwarten wir uns die Bereitschaft, am Markt befindliche Mehrweg-Flaschen auch wirklich in ihre Regale zu bringen und aktiv in den Filialen zu bewerben”, wünscht sich Kaller.

Startschuss im Herbst/Winter

Genau dieser Handel reagiert jetzt und stellt die Konzepte für das geplante Comeback vor. Die österreichische Großmolkerei Berglandmilch etwa will die Einweg-Glasflaschen für Milch nun aus dem Sortiment verbannen. Für Ende des Jahres sei geplant, auf ein Mehrweg-System zu wechseln. Auch die momentan noch im Wegwerfglas erhältlichen Joghurts wolle man in einem nächsten Schritt abschaffen.

Auch Rewe, mit ihrer Marke Ja! Natürlich möchte ab Herbst die Milch-Glasflaschen auf ein Mehrweg-System umstellen. Möglich sei dies durch das vorhandene Rückgabe-System, welches schon für Bier und Mineralwasser etabliert ist, hieß es in einer Aussendung seitens Rewe.
Spar möchte die Verpackung der Natur*pur Bergbauern Bio-Milch noch in diesem Jahr auf Mehrweg-Flaschen umstellen. 2018 wurde Bio-Milch in Einweg-Glasflaschen eingeführt, um die Kundennachfrage zu testen. Die Idee, Verpackungen auf Mehrweg-Glasflaschen umzustellen, stößt bei Konsumenten auf großen Zuspruch. Einweg-Flaschen allerdings lassen umweltbewusste Kunden aufhorchen, diese seien nämlich die unökologischste aller Verpackungsvarianten.

Von Lob bis Kritik

Die Umstellung sei „sowohl für die Umwelt, als auch für Konsumenten bahnbrechend und extrem erfreulich”, sagte Lisa Kernegger, Ökologin Global 2000. Die Umweltorganisation hofft, dass damit eine Trendumkehr eingeleitet und der Anteil an Mehrweg-Flaschen erhöht wird. Die Grünen sehen ein Weiterkommen im Kampf gegen die Plastikflut und einen Wunsch der Konsumenten erfüllt. Kritik kam wiederum vom Getränkeverband, der in einer Aussendung meinte, dass Einweg in Österreich genauso gut sei wie Mehrweg.

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