••• Von Paul Hafner
Der heimische Einzelhandel erwirtschaftete 2025 gemäß vorläufiger Berechnungen von Wifo und Handelsverband einen Jahresumsatz von 79,8 Mrd. € – das entspricht einem nominellen Plus von 3,2% bzw. einem realen Zuwachs von rund einem Prozent. Mitgrund dafür ist das starke Weihnachtsgeschäft, welches einen Dezember-Mehrumsatz von fast 1,2 Mrd. € (ein Plus von rund zwei Prozent gegenüber 2024) gebracht haben dürfte. „In Summe – und angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Ausgangslage – ist das Geschäft im Dezember deutlich besser gelaufen als ursprünglich erwartet. Vor allem die vierte Adventwoche lief richtig gut. Sie zählte vielerorts zur frequenzstärksten des ganzen Jahres. Wir können also fast von einem kleinen Weihnachtswunder sprechen.“ Der Handelsverband erwartet, dass die Effekte deutlich in den Jänner einwirken – „insbesondere durch das Gutscheingeschäft sowie die Umtauschphase im stationären Handel nach Silvester.“
Durchwachsene Bilanz
„Die Grunddynamik in der Umsatzentwicklung verlief 2025 aufgrund der schwachen allgemeinen Wirtschaftsentwicklung weiterhin verhalten, liegt jedoch über dem Jahr 2024. Auch die allgemeine Ausgabebereitschaft der Haushalte war schwach, was sich auch in einer anhaltend hohen Sparquote zeigte. Real lagen die Einzelhandelsumsätze bis einschließlich Oktober knapp über ein Prozent über dem Vorjahr“, bilanziert Wifo-Ökonom Jürgen Bierbaumer.
Späte Trendwende
Laut Blitzumfrage des HV erwirtschafteten 40% der befragten Unternehmen 2025 einen Gewinn, 30% einen Verlust und 24% ein ausgeglichenes Ergebnis. Zu Jahresbeginn 2025 hatten indes nur 23% der befragten Unternehmen mit einem Verlust gerechnet; auch die damalige Hoffnung von Bierbaumer, die Konsumlaune möge sich „spätestens im zweiten Quartal 2025 signifikant aufhellen“, erfüllte sich nicht.
Immerhin die Sparquote ging von 11,7% moderat auf etwa 10,7 bis 10,8% zurück – bleibt damit aber, wie Bierbaumer unterstreicht, deutlich über dem langfristigen Durchschnitt der Jahre vor Inflation und Pandemie.
Ein Wermutstropfen wiederum ist die anhaltend hohe Zahl an Insolvenzen: Österreichs Händler mussten im vergangenen Jahr die meisten Pleiten aller Branchen – vor Bau und Gastronomie – hinnehmen: Der Alpenländische Kreditorenverband zählt in Summe 1.030.
Stimmung bleibt verhalten
Geht es nach einer aktuellen Analyse des Instituts für Handel, Absatz und Marketing (IHaM) der Johannes Kepler Universität Linz (JKU), dürfte das gute Weihnachtsgeschäft wie schon im Vorjahr keine nachhaltige Trendwende einläuten:
„Das Jahr 2026 beginnt wie das Jahr 2025 – verhalten und von Skepsis geprägt. Zwar weisen erste Prognoseindikatoren auf eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage in Österreich hin, die wird aber voraussichtlich erst im Laufe des Jahres eintreten“, so Studienautor Ernst Gittenberger. Institutsvorstand und Co-Autor Christoph Teller ergänzt: „Weder auf Seiten der Konsumentinnen und Konsumenten noch im Einzelhandel gibt es derzeit belastbare Anzeichen für eine nachhaltige Stimmungsaufhellung.“ Auch in der EU zeige sich „kein klarer Befund“ für eine Entspannung der finanziellen Lage in den kommenden Monaten.
Immo-Markt hoffnungsvoll
Durchaus optimistisch für 2026 ist Michael Ehlmaier, Geschäftsführender Gesellschafter der EHL Immobilien Gruppe. Für ihn befindet sich der stationäre Einzelhandel weiterhin „mitten in einem Strukturwandel“, der stärker auf Erlebnis und Nutzungsmix ausgerichtet ist. Besonders profitieren würden demnach „innerstädtische Lagen mit hoher Frequenz und touristischer Nachfrage“. Diskonter werden ihre Präsenz auch 2026 weiter ausbauen und zunehmend in stark frequentierte Einkaufsstraßen vordringen, während das Luxussegment stabil bleibt und seine Expansion in Toplagen fortsetzt.
Gleichzeitig dürfte die Verschiebung der Konsumausgaben hin zu Gastronomie, Dienstleistungen und Freizeitaktivitäten weiter anhalten, und klassische Verkaufsflächen werden zunehmend umfunktioniert – doch verliere der Einzelhandel „keineswegs an Bedeutung“, sondern befinde sich vielmehr in einer Phase der Neupositionierung, in der „Qualität, Flexibilität und Erlebnisorientierung in den Vordergrund rücken“.
