Fleisch: Stabile Branche, gestiegener Konsum
© Marcher Fleischwerke
RETAIL Redaktion 13.03.2026

Fleisch: Stabile Branche, gestiegener Konsum

Die Marcher Fleischwerke sind Österreichs größter Fleischverarbeiter und registrieren mehr Lust auf Fleisch.

••• Von Georg Sohler

Während sich die Wirtschaft in Ös­terreich in den letzten Monaten und Jahren schwergetan hat, beklagt sich die Fleischbranche nicht. „Unsere Branche ist per se sehr stabil, zwar mit geringen Margen, aber mehr oder weniger gleichbleibenden Absätzen – zuletzt ist der Fleischkonsum sogar leicht gestiegen“, berichtet Norbert Marcher.
Er ist der Geschäftsführer der Marcher Fleischwerke, Österreichs größtem Fleischverarbeitungsunternehmen. Rund 1.800 Mitarbeiter erwirtschaften an mittlerweile elf Standorten einen Jahresumsatz von rund 700 Mio. € (2025). Damit ist die Gruppe der achtgrößte österreichische Nahrungs- und Genussmittelhersteller.

Die Gründe für die aktuelle gute Entwicklung sind vielschichtig. So gehe, sagt Marcher, beispielsweise der Trend wieder „in Richtung ‚echte‘ Proteinquellen wie Fleisch, Milch und Eier. Das ist aus unserer Sicht eine sinnvolle Entwicklung. Es gibt keine Lebensmittel, die Eiweiß dem menschlichen Körper direkter und auch gesünder zuführen können“. Die Nachfrage nach Fleischersatzprodukten habe den Peak hingegen erreicht. Weitere Steigerungen erwartet Marcher derzeit nicht. Aufschnitt-Produkte werden weiter produziert, diese bewegen sich allerdings nur im niedrigen Prozentbereich des Umsatzes.

Export als wichtiger Faktor
Ungleich mehr Gewicht hat das Auslandsgeschäft. Mit einem konsolidierten Exportumsatz von über 50% ist dies ein sehr wesentlicher Geschäftsbereich für das Unternehmen. Beim Absatz punkten beispielsweise veredelte Produkte, vorrangig im Snack-Bereich (Salamisticks, Pralinen, Mini-Cabanossi) sowie typisch österreichische Spezialitäten wie Speck oder geräucherte Wurstsorten. Auch der Convenience-Bereich floriert, vor allem typische Produkte wie panierte Schnitzel oder Nuggets.

Bei Schweinefleisch sind die wichtigsten Abnehmer die EU-Nachbarstaaten: Italien, Deutschland, Ungarn, Slowenien sowie auch die wesentlichen asiatischen Importländer China, Japan, Korea und Vietnam. Wie in den Jahren zuvor sind bei Rindfleisch vor allem die europäischen Zielländer bedeutsam, allen voran wieder Italien und Deutschland sowie Frankreich, Spanien, Niederlande, Dänemark und Schweden. Aber auch die nicht EU-Mitgliedsländer wie Schweiz und Mazedonien haben sich positiv entwickelt. „Sowohl bei Schwein als auch bei Rind konnten wir unsere Marktposition im Export festigen“, zeigt sich Marcher zufrieden. Export ist zudem im Nose-to-Tail-Ansatz des Unternehmens wichtig. So werden Teilstücke, die im Inland nur schwer oder gar nicht verwertbar sind, exportiert. Schlachtnebenprodukte sind vor allem in afrikanischen und asiatischen Ländern gefragt.

Investitionen in Infrastruktur
Für die weitere Verwertung des gesamten Tiers setzt Marcher Fleischwerke auf Standort Nummer zehn in Leoben, der 2015 erworben und 2024 zum Tierfutterwerk umgebaut wurde. Seit der Umrüstung ermöglicht diese nun die Trocknung von Kauartikeln, unter anderem Ohren, Schlund, Lunge oder Pansen. „Durch die Nähe zu unseren Schlachthöfen können wir hier einen Beitrag zur Ganztiervermarktung leisten“, führt Norbert Marcher aus.

Standort elf ist ein kleiner Schlachthof in Adlwang, der sich aufgrund seiner geografischen Lage mitten im Produktionsgebiet angeboten hat: „Dadurch können wir Transportwege zusätzlich verkürzen und unsere Zerlegebetriebe noch besser auslasten.“ Er hält zudem fest, dass in den letzten Jahren intensiv in Kapazitätserweiterungen investiert wurde – vor allem in
St. Stefan im Rosental im Salamiwerk mit der Marke Loidl sowie im Hauptsitz in Villach mit einer neuen Schweinezerlegeanlage.

Auf den Tisch
Damit stellt sich noch die Frage, zu welchem Fleisch die Österreicher am liebsten greifen. Marcher hierzu: „Faschiertes, sei es gemischt oder rein aus Rind oder Schwein, ist ein Dauerbrenner. Wir erklären uns dies durch die einfache Zubereitung. Auch sehr stark – wenn auch nicht von uns produziert – ist Hühnerfleisch.“ Beides punktet durch eine schnelle Zubereitung. Im Wurstbereich stellt man eine erhöhte Nachfrage nach Snackartikeln aller Art fest. Im Convenience-Bereich gibt es sowohl in der Systemgastronomie als auch im LEH eine stetige Nachfrage nach Chicken-Nuggets, Fleischlaibchen und Burgerpatties.
2026 steht abschließend im Zeichen der Weiterentwicklung. Investitionen in Produktionskapazitäten sind nicht geplant, dafür laufende Investitionen in HR, IT, Produktentwicklung, Prozessoptimierung sowie Ersatzinvestitionen.
Produktseitig werden derzeit Mini-Cabanossi und Mini-Salamisticks im wiederverschließbaren Standbeutel gelauncht. Im Convenience-Bereich wurden zudem Chicken-Wings in verschiedenen Geschmacksrichtungen entwickelt, die für die Gastronomie im In- und Ausland angeboten werden.

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