Hoher Restrukturierungsdruck auf österreichische Unternehmen
© EY/Christina Häusler
Ben Trask, Partner bei EY-Parthenon Österreich
RETAIL Redaktion 27.07.2026

Hoher Restrukturierungsdruck auf österreichische Unternehmen

Eine Erhebung von EY-Parthenon zeigt anhaltende Belastungen für die heimische Wirtschaft. Der Höhepunkt der Restrukturierungswelle wird im zweiten Halbjahr 2026 erwartet.

WIEN. Laut der aktuellen Erhebung Ey-Parthenon European Restructuring Pulse Survey steht die österreichische Wirtschaft weiterhin unter Druck. Demnach beobachteten 85 Prozent der befragten Restrukturierungs-Expertinnen und Restrukturierungs-Experten aus Banken im zweiten Halbjahr 2025 eine steigende Restrukturierungsaktivität. Für das erste Halbjahr 2026 erwarten 74 Prozent eine weitere Zunahme. Der Höhepunkt der Entwicklung wird von 47 Prozent der Befragten im zweiten Halbjahr 2026 gesehen.

Ben Trask, Partner bei Ey-Parthenon Österreich, betont: „Die Ergebnisse zeigen sehr klar: Der Restrukturierungsdruck ist nicht vorbei, sondern verlagert sich weiter nach vorne. Viele Unternehmen haben die vergangenen Jahre mit Kostendisziplin, Liquiditätsreserven oder Anpassungen bei Finanzierungen überbrückt. Jetzt entscheidet sich, ob diese Maßnahmen ausreichen – oder ob tiefgreifendere operative und finanzielle Restrukturierungen notwendig werden.“

Als Hauptauslöser gelten steigende Energie- und Materialkosten sowie die schwache Konjunktur mit jeweils 22 Prozent. Branchenseitig sind vor allem der Automotive-Sektor (26 Prozent) und der Handel (21 Prozent) betroffen, gefolgt von der Immobilienbranche mit 13 Prozent. Jürgen Kogler, Partner bei Ey-Parthenon Österreich, führt aus: „Viele Unternehmen stehen nicht vor einem einzelnen Problem, sondern vor einer Gleichzeitigkeit mehrerer Belastungen: hohe Kosten, schwächere Nachfrage, geopolitische Unsicherheit und teils eingeschränkter Finanzierungsspielraum. Das macht Restrukturierungen komplexer – und erhöht den Druck, frühzeitig realistische Szenarien zu entwickeln.“

Bei den Sanierungsinstrumenten gewinnen neben Anpassungen von Kreditvereinbarungen (20 Prozent) auch Insolvenz- und Liquidationslösungen (18 Prozent) sowie beschleunigte M&A-Prozesse (14 Prozent) an Bedeutung. Dennoch dominieren weiterhin außergerichtliche und konsensuale Lösungen.

Kogler erklärt dazu: „Nicht jedes Unternehmen wird allein durch verlängerte Laufzeiten oder angepasste Rückzahlungsprofile stabilisiert werden können. Wenn Geschäftsmodelle strukturell unter Druck stehen, braucht es oft eine Kombination aus finanzieller Neuordnung, operativer Sanierung und strategischen Entscheidungen – bis hin zu Verkäufen, Carve-outs oder geordneten Insolvenzverfahren.“ Zudem gibt er zu bedenken: „Ein überzeugender Restrukturierungsplan muss heute mehr leisten als nur Liquidität sichern. Banken wollen sehen, dass Eigentümerinnen und Eigentümer Verantwortung übernehmen, dass das Geschäftsmodell realistisch bewertet wird und dass operative Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden können.“

Trask ergänzt im Hinblick auf den Verhandlungsspielraum mit Finanzierern: „Banken und bestehende Eigentümerinnen und Eigentümer bleiben in Restrukturierungen die zentralen Stabilitätsanker. Gleichzeitig steigt der Anspruch an Unternehmen deutlich: Wer Unterstützung will, braucht ein belastbares Konzept, transparente Zahlen und einen glaubwürdigen Plan für die operative Zukunft.“ Abschließend rät Trask: „Unternehmen sollten die kommenden Monate nicht abwarten, sondern aktiv nutzen. Wer Finanzierung, Working Capital, Kostenstruktur und Geschäftsmodell frühzeitig überprüft, verschafft sich Handlungsspielraum. Wer erst reagiert, wenn Liquidität und Vertrauen bereits stark geschwächt sind, hat deutlich weniger Optionen.“ (red)

Mehr Informationen unter: www.ey.com/de_at/ey-parthenon

 

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