Otto gegen Goliath
© Otto Pressebild
Otto-Vorstandschef Alexander Birken würde lieber investieren, als ungleich höhere Steuern zu zahlen wie der Mitbewerb.
RETAIL Redaktion 24.05.2019

Otto gegen Goliath

Otto Group investiert hohe Summen in die Digitalisierung und ärgert sich über Steuertricks des US-Konkurrenten.

HAMBURG. Der deutsche Handels- und Dienstleistungskonzern Otto Group hat seinen Konkurrenten Amazon wegen dessen niedriger Steuerzahlungen in der EU scharf kritisiert. „Wir bezahlen 100 Millionen Euro Steuern, die wir investieren könnten in die Digitalisierung oder in den Service oder in niedrigere Preise für die Verbraucher”, sagte Vorstandschef Alexander Birken am Mittwoch in Hamburg. Und: „Das ist ein gravierender Nachteil für den gesamten Einzelhandel – nicht nur für Otto.” Denn letztlich kostet das auch Arbeitsplätze.

Digitaler Umbau läuft

Otto hat sich bis 2022 ein Wachstumsziel von vier bis fünf Prozent jährlich auf 17 Mrd. € und den Umbau zu einem volldigitalisierten Konzern auf die Fahnen geschrieben. Mit der digitalen Transformation sei auch die Verteidigung europäischer Werte wie Rechtsstaatlichkeit und Nachhaltigkeit auf einem internationalen Markt verbunden, erklärte Birken. „Die Kunden wollen ein anständiges Verhalten bei uns sehen”, sagte er. Darin sehe er einen Wettbewerbsvorteil gegenüber global dominierenden Playern etwa aus den USA und aus China.

Im Fokus stehe auch weiterhin der Ausbau von otto.de zu einer E-Commerce-Plattform, unter deren Dach mehrere Anbieter ihre Waren versenden. Allein die Onlineumsätze des Unternehmens waren zuletzt auf vergleichbarer Basis um 4,5% auf 7,7 Mrd. € gestiegen; nach Amazon sei Otto der zweitgrößte Onlinehändler Deutschlands. Außerdem solle der Modehändler About You, an dem Otto weiter Anteile besitzt, mittelfristig zu einer Plattform weiterentwickelt werden.

Ambitionierte Wachstumsziele

Insgesamt konnte die Otto Group ihre selbst gesteckten Wachstumsziele unterdessen nicht erreichen: Im abgelaufenen Geschäftsjahr lag der Umsatz mit 13,4 Mrd. € nominal unter dem des Vorjahres. Auf vergleichbarer Basis hat die Gruppe ein Plus von 3,5% erzielt.Der Gewinn des Unternehmens lag mit 177 Mio. € ebenfalls unter dem Wert des Vorjahres; im Geschäftsjahr 2017/18 hatte die Otto Group einen Überschuss von 516 Mio. € erwirtschaftet – nicht zuletzt wegen des Teilverkaufs der Start-up-Tochter About You. (red)

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