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Pfandgefahr © medianet/Katharina Schiffl

„Verlierer sind die kleinen, selbstständigen Kaufleute”: Nah&Frisch-Geschäfts­führer Hannes ­Wuchterl.

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„Verlierer sind die kleinen, selbstständigen Kaufleute”: Nah&Frisch-Geschäfts­führer Hannes ­Wuchterl.

Redaktion 16.10.2020

Pfandgefahr

Nah&Frisch-Chef Hannes Wuchterl ortet im Einwegpfand eine große Bedrohung für „unzählige Nahversorger”.

WIEN. Die geplante Umsetzung der Einführung von Pfands auf Einwegflaschen würde eine existenzielle Bedrohung für selbstständige Kaufleute darstellen und sei ein „harter Schlag für die Nahversorgung im ländlichen Raum”, befindet Nah&Frisch-Geschäftsführer Hannes Wuchterl.

„Wenn das so kommt, dann werden in den nächsten Jahren etliche selbstständige Kaufleute zusperren müssen”, so Wuchterl, der Klimaschutzministerin Eleonore Gewessler einlädt, „sich persönlich vor Ort ein Bild zu machen”.

„Umsetzung unmöglich”

Die Nah&Frisch-Gruppe und ihre Kaufleute würden „selbstverständlich alle sinnvollen Maßnahmen unterstützen, die helfen, die Ziele der Single-Use-Plastic-Richtlinie der EU zu erreichen und die zu einer Verringerung und zur Vermeidung von Plastikeinwegverpackungen beitragen”, so Wuchterl.

Für viele selbstständige Nah&­Frisch-Nahversorger sei die Umsetzung der geplanten Maßnahmen aber schlichtweg unmöglich: Bei einer durchschnittlichen Verkaufsfläche von 200 m² sei in den meisten Geschäften kein Platz für die Umsetzung eines zusätzlichen Pfandsystems. Notwendige Investitionen sind den selbstständigen Kaufleuten nicht zumutbar, da die erzielbaren Gewinnmargen aufgrund des Wettbewerbs durch Diskonter und große Supermärkte unter Druck sind.

Ausnahme keine Option

„Ausnahmen für kleine Geschäfte helfen da gar nichts, im Gegenteil. Die Leute werden dort einkaufen, wo sie das Pfand auf ihre Plastikflaschen zurückbekommen”, erklärt Wuchterl, warum auch die diskutierte Ausnahmeregelung nicht zielführend sei. Bittere Ironie: „Verlierer sind die kleinen selbstständigen Kaufleute – die, die selbst am wenigsten Plastik in Umlauf bringen.”

Wuchterl appelliert, die geplanten Maßnahmen noch einmal zu überdenken; sie würden nur dazu beitragen, „den Strukturwandel im ländlichen Raum weiter zu befeuern”, der „noch mehr Kaufleute in den Ortskernen zum Zusperren zwingt und dazu führt, dass an Kreisverkehren am Ortsrand weiter und weiter zusätzlicher Boden versiegelt wird”. (haf)

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